DER BASTARD

Der Bastard
I Bastardi | Deutschland/Frankreich/Italien | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Brüder Jason (Giuliano Gemma) und Adam (Klaus Kinski) verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit durchweg unlauteren Mitteln; dabei schrecken sie selbst vor Mord nicht zurück. Martha (Rita Hayworth), die Mutter der Beiden, betrachtet dies durchaus wohlwollend, bis sich zwischen den zwei Brüder plötzlich ein von Adam initiierter Zwist entwickelt.

Ende der 60er Jahre sollte sich – angestoßen von den damals aktuellen Entwicklungen in der italienischen Politik und Gesellschaft – der Poliziottesco konstituieren, ein Genre, das dann im Laufe der 70er Jahre seinen Höhepunkt erreichen und danach wieder in der Versenkung verschwinden sollte. Seine Ursprünge hat der italienische Polizeifilm dabei zweifelsohne im Gangsterfilm, der bereits seit jeher im Filmwesen verankert war, und seit Beginn der 60er Jahre in den USA eine Renaissance erfahren hatte.
So entschied sich dann 1968 auch Duccio Tessari dazu, einen Beitrag zu dieser Thematik zu leisten, war er doch seit seinem Regiedebut KADMOS, TYRANN VON THEBEN (1962) ohnehin stets in verschiedenen Genres tätig. Zu seinem größten Erfolgen zählte bis dato sicherlich EINE PISTOLE FÜR RINGO (1965), mit dem er – natürlich neben Corbuccis DJANGO (1966) und Leones DOLLAR-TRILOGIE – einen der Grundsteine des Italowestern legte.

Martha: Huch, ich hab‘ doch seit heute früh nichts mehr getrunken … ich glaub, deshalb bin ich ‘nen bisschen deprimiert. Ich nehm mir mal einen, ja?
Adam: Natürlich, Mama, bedien‘ dich!

Für DER BASTARD holte sich Tessari dann bei Ennio Concini – der bereits für Bavas DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (1960) am Drehbuch mitgeschrieben hatte – und Mario di Nardo Unterstützung in Sachen Drehbucharbeit und zimmerte mit den Beiden eine Abwandelung der klassischen Brudergeschichte zusammen. Folglich entzweit der Neid die beiden Hauptrollen und führt schließlich dazu, dass der eine dem anderen nach dem Leben trachtet. Außerhalb dieser Konstellation verzichtet das Script aber dankenswerterweise auf übermäßige religiöse Anspielungen.

Gefüllt werden die Rollen dann nahezu perfekt. Klaus Kinski brilliert in der Rolle des Kain (hier Adam) und zeigt ein weiteres Mal sein gewohntes, ihm ureigenes Spiel. Selbstverliebt und eitel missgönnt er seinem Bruder den Erfolg und wird so zum Verursacher des Konflikts. Dem gegenüber steht Giuliano Gemma – dessen Karriere seit seiner Hauptrolle in EINE PISTOLE FÜR RINGO übrigens stets eng mit der von Duccio Tessari verbunden war – der hier als Jason/Abel die personifizierte Freundlichkeit spielt. Als krasser Kontrast zu Kinski ist Gemma der Gentleman-Verbrecher, dem man als Zuschauer sogleich seine Sympathien zukommen lässt. Mit strahlendem Lächeln dank Gemma einem das und bleibt so bis zum Ende die Identifikationsfigur.
Über diesen beiden thront mit Rita Hayworth eine der großen Hollywood-Diven alter Schule, die hier eine bemerkenswert selbstreflexive Rolle darbietet. Denn ihre Darstellung der trunksüchtigen Mutter, die ihrer verblassen Schönheit nachhängt, ist von der Wirklichkeit, zumindest was die verblassende Schönheit anbelangt, nicht allzu weit entfernt. Da Hayworth hier eine ihre letzten Rollen gab, muss man ihr eine derartig selbstironische Darbietung umso höher anrechnen. Umso bitterer ist es, dass ihre Szenen oftmals ein wenig mit dem ernsten Ton des übrigen Films brechen und ihre Auftritte stellenweise allzu komödiantisch überzeichnet daherkommen.

Doch auch in seinem übrigen Arrangement weißt der Streifen immer wieder Brüche und Unstimmigkeiten auf. So wirkt Jasons Einkehr bei Barbara wie ein belangloser Einschub, der sich letztlich viel zu lang hinzieht; vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Claudine Auger im Finale als zweites Love-Interest verloren geht. Aber auch ansonsten weißt der Rachezug einige Längen auf und sorgt mit teilweise willkürlichen Einschüben oder diversen Logiklücken immer wieder für ein spürbares Stottern im Getriebe.

Martha: Eins merk‘ dir, mein Sohn. Mit den Menschen ist es wie mit dem Whiskey. Man muss sich immer den besten aussuchen!

Das ist schade, konstituiert der Film doch ansonsten eine sehr stimmige Gangster-Atmosphäre, die vor allem zu Beginn jeden Zuschauer in ihren Bann ziehen dürfte. Mitverantwortlich sind dabei auf jeden Fall die schmissige Musik und die schön eingefangenen Aufnahmen von New Mexico. Nicht zuletzt der Drehort sorgt übrigens auch dafür, dass der Streifen sich sehr oft deutlich amerikanischer anfühlt, als es für die sich dann später entwickelnden Poliziottesci typisch war.
So bleibt der Film letztlich ein unterhaltsamer Gangster-Streifen, der die bekannte Kain-Abel-Konstellation ordentlich, wenn auch glanzlos darbietet. Für Poliziottesco-Freunde ist er darüber hinaus sicherlich als einer der frühen Streifen, die das Genre mitformten, interessant; auch wenn der Einfluss hier nur gering ausgeprägt ist.

Unterhaltsamer Gangster-Streifen, der schon früh einige Merkmale der späteren Poliziottesco-Welle aufweist. Die mangelnde Stringenz und der nur mäßige Spannungsbogen verwehren dem Film aber höhere Weihen.

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2 Antworten zu “DER BASTARD

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