DEMENTIA 13

Dementia 13
Dementia 13 | Großbritannien | 1963
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem die kleine Kathleen (Barbara Dowling) in jungen Jahren in einem Teich ertrunken ist, herrscht ganzjährig Trauer und Unmut auf dem Landsitz der Familie Haloran. Die ganze Familie trifft sich fortan einmal im Jahr, um den Todestag der Kleinen zu abgehen. Doch es kommt im Zuge dieser Treffen zu weiteren Todesfällen, die aufzulösen sich schließlich der Familienarzt Dr. Caleb (Patrick Magee) anschickt.

Nachdem der junge Francis Ford Coppola mit den Regiearbeiten zu NACKT IM WILDEN WESTEN (1962) und MIT EVA FING DIE SÜNDE AN (1962) – letzterer übrigens produziert vom deutschen Exploitation-Fachmann Ernst C. Hartwig – seinen Fuß in die Türe Hollywoods gesetzt hatte, fand er sich schnell im ebenso großen wie umtriebigen Umfeld von Roger Corman wieder. So drehte er dann für Corman THE TERROR – SCHLOSS DES SCHRECKENS (1963) und war noch im selben Jahr als Second Unit Director mit am Set von SCHNELLE AUTOS UND AFFÄREN (1963) in Irland. Da Corman nach Beendigung der Dreharbeiten noch runde 30.000 US-Dollar übrig hatte, bot er Coppola an, mit diesem Geld, sowie den noch vor Ort befindlichen Kulissen und Darstellern, noch schnell einen zweiten Streifen runterzukurbeln.

Lilian: Richard, ich hab manchmal den Eindruck, ich bin für dich nichts weiter als so ‘ne Art Weihnachtsbaumschmuck. Häng‘ mich auf und freu‘ dich an mir an all den frohen Tagen, pack‘ mich in die Schachtel und stell‘ mich in den Schrank, wenn ich dir über bin.
Richard: Du wusstest, wie ich bin!

Also setzte sich der junge Filmemacher eine Nacht an den Schreibtisch und schrieb schnell ein Script, das die gerade in Mode gekommene Whodunit-Thematik mit ein wenig klassischem Corman-Horror vermischte. Leider merkt man dem Drehbuch seine von Zeitdruck geprägte Entstehung dann aber deutlich an, denn letztlich gibt es hier keinerlei roten Faden. Während man sich als Zuschauer in den ersten Minuten noch auf den Spuren einer Erbschleicherin befindet, sieht man sich nach einer halben Stunde in einen Psychothriller versetzt, nur um dann am Ende dem plötzlich auftauchenden Familienarzt bei der Lüftung der Geheimnisse beizuwohnen. Diese Einzelelemente – die hier nur stellvertretend für zahlreiche lose Fäden genannt werden – lassen dann jeden Zusammenhang vermissen und stellen letztlich Einzelszenen dar. Das ist ärgerlich, denn so geht dem ohnehin schon kurzen Film jede Stringenz verloren. Folglich fällt es schwer, den Geschehnissen überhaupt zusammenhängend zu folgen.

Schade ist das vor allem, weil einzelne Szenen immer wieder durchblicken lassen, dass hier ein späterer Meister seines Faches am Werke war. Insbesondere die Suspense- und Horror-Szenen funktionieren nämlich durchaus gut und wissen sowohl formal als auch in Sachen Wirkung zu gefallen. Vor allem Louise‘ geradezu psychedelisches Ertrinken bleibt im Gedächtnis, die Gewaltszenen gen Ende wirken im Bezug auf Härte und Explizitheit gar ihrer Zeit voraus. Doch diese guten Ansätze verlieren sich letztlich im unübersichtlichen Story-Wust.

Lilian: Lass uns bald heiraten! Deine Mutter liegt darnieder, sie wird uns nicht abhalten können.

Der Kern der Darstellerschaft, William Campbell, Luana Anders und Patrick Magee, waren wie erwähnt schon aufgrund der Dreharbeiten zu SCHNELLE AUTOS UND AFFÄREN in Irland und setzten ihr Werk dann ohne Pause fort. Vor allem Patrick Magee, der bis dato fast ausschließlich im TV zu sehen war, später aber noch in den Kubrick-Krachern UHRWERK ORANGE (1971) und BARRY LYNDON (1975) auftrumpfen sollte, weiß als Familienarzt zu gefallen, krankt aber daran, dass er nach der Hälfte der Spielzeit ziemlich abrupt eingeführt wird. So wirkt seine Rolle schlicht fremd und Magees durchaus ordentliches Spiel kann sich kaum entfalten. Ansonsten reißen die Protagonisten allesamt keine Bäume aus, mimen aber in Anbetracht der Situation passabel vor sich hin.
Letztlich wird wohl kaum ein Zuschauer wirklich enttäuscht sein, wenn der Film nach seinen runden 75 Minuten den Abspann zeigt. Vor allem, weil er seinen Betrachter in Form einer Axt im Wachsschädel zwar mit einer inhaltlich wieder unsinnigen, aber dafür optisch umso beeindruckenderen Szene entlässt; und so sein ganzes Dasein nochmal in einer einzelnen Szenen zusammenfasst. Francis Ford Coppola, der neun Jahre später mit DER PATE (1972) seine bemerkenswerte Karriere so richtig beginnen sollte, wird es wahrscheinlich egal sein, und genauso sollte jeder Betrachter dieses Frühwerks auch an diesen Streifen herangehen.

Filmhistorisch sicherlich interessant, krankt der Film an seinem viel zu zusammenhangslosen Drehbuch. Das können auch die durchaus gelungenen Horror- und Suspense-Szenen dann leider nicht aufwiegen.

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Eine Antwort zu “DEMENTIA 13

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