DAS PHANTOM

Das Phantom
The Phantom | Australien/USA | 1996
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Das Phantom (Billy Zane) lebt als aktueller Vertreter einer Dynastie von Verbrechensbekämpfern im Bengalla-Dschungel. Dort nennt er eine Höhle sein Eigen, in der er seine Basis hat, von der aus er den Unholden dieser Welt den Kampf ansagt. Als sich der zwielichtige Geschäftsmann Xander Drax (Treat Williams) daran macht, die drei Schädel von Touganda zu sammeln, die ihm die Macht über die gesamte Erde schenken würden, muss das Phantom wieder einmal für Gerechtigkeit sorgen.

Bereits zwei Jahre vor der Veröffentlichung der ersten Ausgabe der Reihe Action Comics in April 1938, und der damit verbundenen Premiere der ersten Superman-Geschichte, machte der vom US-Amerikaner Lee Falk erfundene Superheld Phantom die Comicwelt unsicher. Und auch wenn es dem maskierten Verbrechensbekämpfer nie gelang, dem Ruhm von Clark Kent gleichzukommen, so erfreut sich das Franchise doch bis heute anhaltender Beliebtheit unter Comic-Fans.
Da vermag es schon beinahe zu verwundern, dass diesem Urgestein der amerikanischen Superhelden-Szene der Leinwandauftritt bis 1996 vorenthalten wurde. Lediglich ein türkisches Studio brachte den Helden 1968 in zwei Filmen mit dem Titel KIZIL MASKE (was auf Deutsch so viel wie Rote Maske bedeutet) und einem weiteren Film namens KIZIL MASKE’NIN INTIKAMI aus dem Jahre 1971 in die Lichtspielhäuser. So war es also höchste Zeit, dass sich eine riesige Schar an Produzenten – darunter übrigens auch Joe Dante, der als Regisseur von GREMLINS – KLEINE MONSTER (1984) und GREMLINS 2 – DIE RÜCKKEHR DER KLEINEN MONSTER (1990) noch in bester Erinnerung und auch hier anfänglich für den Regieposten angedacht war – unter der Flagge von Paramount Pictures zusammentat, um dieses mit runden 45 Millionen US-Dollar budgetierte Projekt auf den Weg zu bringen.

Sala: Das Phantom hat Diana zur Flucht verholfen. Ich glaube er ist in sie verliebt.
Xander: Ach wirklich? Das wird ja immer interessanter, warum sagen Sie das?
Sala: Weil er mich hätte haben können, aber sie gewählt hat. Und das kann nur Liebe sein.
Xander: Oder nur ganz einfach eine Fehleinschätzung …

In Sachen Regie erhielt der Australier Simon Wincer letztlich den Zuschlag. Wincer war drei Jahre zuvor als Regisseur des Kassenschlagers FREE WILLY – RUF DER FREIHEIT (1993) zu weltweiter Bekanntheit gelangt. In Sachen Script war die Wahl schon sehr früh auf Jeffrey Boam gefallen, der seine ersten Entwürfe noch zusammen mit Joe Dante anfertigte. Boam hatte neben der King-Adaption DEAD ZONE – DER ATTENTÄTER (1983) die Drehbücher zu INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG (1989) sowie den beiden Action-Sequels BRENNPUNKT L.A. (1989) und BRENNPUNKT L.A. – DIE PROFIS SIND ZURÜCK (1992) geschrieben und sich somit einen Namen als Drehbuchautor für flotte Action(-abenteuer) gemacht. Und insbesondere die Erfahrung des dritten INDY-Films ließ Boam hier mit einfließen und zimmerte ein Buch zusammen, das sich vor keinem der großen 80er-Abenteuer-Streifen zu verstecken braucht.

Im Film stellt sich das dann als wundervolle Mischung aus Actionsequenzen, imposanten Schauplätzen und humorvollen Zwischenstücken dar. Klar erkennt man den Humor, der auch schon INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG auszeichnete, stets entschärfen die Charaktere allzu ernste Situation mittels flapsiger Sprüche. Das in mitten dieser Abenteuer-Action dann ein Held im knallbunten Kostüm umherturnt, gibt dem Film einen höchst eigenständigen, wenn auch sicherlich nicht jedem liegenden, Stil. Letztlich fühlt sich der Film an, wie ein klassisches 80er-Vehikel, das sich aus irgendwelchen Gründen in die 90er verirrt hat. Funktionieren tut das Konzept (wenn es denn eines war) trotzdem und so wird der Film zu einer großartigen (wenn auch sicherlich teilweise unbewussten) Reminiszenz.
Das beeindruckende Budget wurde dabei größtenteils in die Ausstattung investiert, die sich dementsprechend sehen lassen kann. Im letzten Atemzug der Prä-CGi-Ära gedreht, präsentiert der Film handgearbeitete Kulissen am laufenden Band und scheucht seinen Zuschauer von einem Setting ins nächste. Egal ob ein malerisches Dschungeldorf, das New York der 30er Jahre oder eine geheime Pirateninsel, alles sieht wunderbar aus und besticht durch die liebevolle Fertigung. Auch hier bewahrt der Film – von kleineren CGI-Ausnahmen abgesehen – den Charme einer vergangenen Zeit.

Lily: Ach, wie geht es dir, mein Schatz?
Diana: Ich habe mir Malaria eingehandelt, Mutter!
Lily: Ach, wie schön!

Wenn so viel Geld für die tolle Ausstattung aufgewendet wird, dann muss man in Sachen Besetzung ein wenig knausern. Das sorgt dann dafür, dass sich Billy Zane in der Hauptrolle wiederfindet. Zane – der genau ein Jahr später als Antagonist in Camerons TITANIC (1997) sein Image für immer festlegen sollte – zeigt bereits hier eine ähnliche Art des Schauspiels, was es dem Zuschaue doch deutlich erschwert, sich mit dem unmaskierten Kit Walker zu identifizieren. Auch sein Gegenspieler kann nur bedingt überzeugen, auch wenn man hier B-Fachmann Treat Williams hat verpflichten können; zu blass, zu austauschbar bleibt dessen Spiel. Auf Seiten der Damen mimt Kristy Swanson als abenteuerbegierige Diana ebenfalls eher unmotiviert, sodass sich die Nebenrolle Catherine Zeta-Jones hier zur heimlichen Gewinnerin mausert. Den Zeta-Jones schafft es als einzige, eine treffend überzeichnete Rolle zu kreieren und wirft so schnell die Frage auf, warum man ihr nicht die weibliche Hauptrolle angeboten hat. Sei es wie es sei, letztlich zählt ohnehin nur, dass das purpurne Kostüm für Unterhaltung sorgt.
Der Rest ist nämlich eine atemlose Action-Hatz durch verschiedenste Lokationen, die dem Betrachter immer wieder vor Augen führt, aus welchem Jahrzehnt gute Abenteuer-Action stammt. Falls das geplant war, dann stellt es eine der wohl denkwürdigsten Verweigerungen vor den Auswüchsen des modernen Kinos dar. Falls nicht, dann haben alle Beteiligten schlicht Glück gehabt. Denn genau diese Altbackenheit macht den Film zu einem tollen Erlebnis für Freunde klassischer Abenteuer-Action.

Ein Film, der seine originäre Zeit um ein volles Jahrzehnt verpasst hat, aber genau deshalb wundervoll unterhält: Tolle Kulissen und ebenso atemlose wie unkomplizierte Abenteuer-Action machen den blassen Cast schnell vergessen und sorgen für beste Unterhaltung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.