THE CABIN IN THE WOODS

The Cabin in the Woods
The Cabin in the Woods | USA | 2011
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die schüchterne Studentin Dana (Kristen Connolly) fährt mit vier Freunden, darunter dem ebenfalls ledigen Holden (Jesse Williams), in eine abgelegene Waldhütte, um dort ein Wochenende voller Spaß und Müßiggang zu verbringen. Was die fünf jedoch nicht ahnen: Die beiden Regierungsbeauftragten Sitterson (Richard Jenkins) und Hadley (Bradley Whitford) beobachten den Wochenendtrip der Teenies nicht nur, sie steuern ihn sogar!

Wenn ein Genre seinen Höhepunkt erreicht hat, dann beginnt es gemeinhin, sich selbst zu parodieren. Mitunter kann das im Laufe mehrerer Jahrzehnte auch des Öfteren innerhalb eines Genres vorkommen. Nachdem der (Backwood-)Slasher mit Filmen wie der WRONG TURN-Reihe also zu Beginn dieses Jahrtausends eine Renaissance feierte, war es im Jahre 2010 schon wieder so weit, die allseits bekannten Mechanismen des Genres auf die Schüppe zu nehmen. Hier tat sich der durchaus gelungene TUCKER AND DALE VS EVIL (2010) besonders hervor. Doch bereits ein Jahr zuvor hatte eine von Lionsgate beauftragte Filmcrew in den Wäldern Kanadas einen Film gedreht, der mindestens ebenso selbstreflexiv mit dem eigenen Genre umging.
Als Regisseur wurde dabei Drew Goddard eingesetzt, der sich bereits als Drehbuchautor von CLOVERFIELD (2008) und neun LOST-Episoden einen Namen gemacht hatte und der hier nun sein Regie-Debut feiern sollte. Zusammen mit Joss Whedon zimmerte Goddard dann ein Drehbuch zusammen, das in Sachen Genre-Persiflage ganz oben mitspielt. Dabei macht der Streifen aus seiner Ausrichtung gar keinen großen Hehl, führt er doch zunächst einmal die beiden Regierungsbeauftragten ein, bevor er sich der stereotypen Teenietruppe widmet. So ist von Anfang an klar, dass einen hier kein weiterer Klischee-Slasher erwartet, sondern ein irgendwie anders geartetes Projekt. Was dann aber tatsächlich passiert, dürfte jeden Zuschauer überraschen, fährt der Film doch in der Folge zahlreiche gelungene Wendungen auf.

Mordecai: Die Lämmer sind durch das Gatter gegangen …

Dabei lebt der Film stets von dem eleganten Wechsel zwischen Horror im Wald und Routine im Büro. Die gleiche Szene aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet offenbart so gänzlich andere Aspekte, was immer wieder für Staunen und Lachen sorgt. Wenn sich selbst feiernde Bürohengste im Hintergrund von blutigen Morden auf Großbildleinwänden begleitet werden, dann stellt das nicht nur eine gelungene Bildkomposition dar, es referiert auch wundervoll auf den voyeuristischen Eigenwert des Slasher-Genres. Derartig gelungene Verweise und Interpretationen gibt es im Laufe der Geschichte mehr als genug, sodass es für aufmerksame und versierte Zuschauer immer etwas zu entdecken gibt. Und auch wenn das von H.P. Lovecraft inspirierte Finale nicht jedem gefallen muss, so stellt es doch letztlich einen ebenso konsequenten wie treffenden Schlusspunkt dar.

Der übrigens auch maßgeblich vom überraschenden Auftritt von Sigourney Weaver lebt, die der zuvor immer nur als „der Direktor“ bezeichneten Rolle ebenfalls eine unerwartete Wendung verpasst. Der übrige Cast arbeitet ansonsten vollkommen ordentlich, wahre Meisterleistungen gibt es allerdings keine zu sehen. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn Goddard schafft es auch so mühelos, dass geniale Script per flotter Inszenierung zu einem wirklich unterhaltsamen Filmerlebnis zu verarbeiten; das insbesondere für Genrefans ein wahres Füllhorn an Anspielungen, Verweisen und Selbstreflexionen bereithält.

Curt: Wir suchen die … wie heißt das noch?
Jules: Tillerman Road.
Mordecai: Ich könnt‘ euch hinbringen … aber Zurück ist dann euer Ding!

Fragt sich nur, warum der bereits 2009 fertiggestellte Film gute zwei Jahre auf seine Veröffentlichung warten musste. Der Grund dafür liegt allein in der Tatsache, dass man sich bei Lionsgate einfach nicht sicher war, wie man einen solchen Film bewerben sollte. Jeder Satz über den Inhalt, geschweige denn Bildmaterial in einem Trailer, wäre eigentlich schon zu viel gewesen, sodass man sich schließlich auf eine sehr marginale Werbekampagne einigte. Dieser Entschluss sorgte dann mit Sicherheit auch dafür, dass das Einspielergebnis mit rund 66 Mio. US-Dollar weltweit doch etwas hinter dem Potential des Films zurückblieb. Das Budget von rund 30 Mio. US-Dollar konnte so zwar locker eingespielt werden, aber erst die Heimkinoauswertung dürfte das Kultpotenzial des Films wirklich ausschöpfen. Und das Vorhandensein eines solchen kann man wohl – unabhängig vom persönlichen Geschmack – kaum bezweifeln.

Äußerst gelungene Genre-Persiflage, die sowohl die impliziten als auch die expliziten Mechanismen des Genres auf äußerst unterhaltsame Art offenlegt.

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