DIE WILDEN SCHLÄGER VON SAN FRANCISCO

Die wilden Schläger von San Francisco
Hells Angels on Wheels | USA | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als Poet (Jack Nicholson) seinen miesen Job an einer Tankstelle verliert, schließt er sich mangels anderer Optionen den gerade vorbeikommenden Hells Angels an. Schnell verdient er deren Respekt und wird vom Anführer Buddy (Adam Roarke) zum Mitglied erhoben. Doch als Poet sich in Buddys Freundin Shill (Sabrina Scharf) verliebt, entsteht ein tödlicher Konflikt.

Nachdem László Benedeks DER WILDE (1954) das Genre Rockerfilm begründet hatte folgten ein paar lockere Krimis, die sich dem Thema widmeten, bevor das Sujet dann schließlich zum Ende der 60er Jahre der Riege der exploitativen Filmemacher anheimfiel. Diese mischten den stereotypen Rockergeschichten noch ein wenig Hippie-Elemente bei und schufen so ein weiteres kostengünstiges Filmkonzept. Das lockte dann 1967 auch Richard Rush an, der den mittlerweile von Roger Corman ins Rampenlicht beförderten Jack Nicholson für sein Projekt buchen konnte.

Buddy: Tachchen auch, ich hab Pech mit meinem Vergaser, der ist so ziemlich im Eimer, wie sieht’s denn da mit Ersatzteilen aus, Vater?
Händler: Unter der Woche nicht drin …
Buddy: Ui, das ist schlecht. Da muss ich mal sehen, das ich mir was aus den Achseln schwitze.

Der Drehbuchautor R. Wright Campbell, der mit Filmen wie SCHNELLE AUTOS UND AFFÄREN (1963) und SATANAS – DAS SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE (1964) ebenfalls Erfahrung bei Corman sammeln konnten, zimmerte dann ein Script zurecht, dass eine (ziemliche unausgegorene) Essenz dieses Genres darstellt. Denn das vornehmliche Genre-Ziel, ein Lebensgefühl von Freiheit und Unangepasstheit einzufangen, treibt dieser Film derart auf die Spitze, dass jegliche andere Handlung glatt vergessen wird. Mag es zunächst noch so scheinen, als wäre Nicholsons Aufstieg innerhalb der Bande relevant oder als würde der tödliche Unfall zu Beginn irgendwelche Konsequenzen haben, so muss man mit zunehmender Laufzeit schlicht feststellen, dass sich der Film einfach nicht um eine fortlaufende Handlung schert, sondern nur einzelne Szenen und Geschehnisse aneinanderreiht. Hier eine Hochzeit, da ein Motorradrennen, da ein Vergnügungsparkbesuch; was für eine Stunde (vielleicht noch) zu unterhalten vermag, wird danach schlicht langweilig. Das inspirations- und sinnlose Finale bestätigt diesen Eindruck.

Bis dahin verkommt der zu Anfang noch gekonnt in der Mitte stehende Jack Nicholson dann auch zunehmend zur Nebenrolle, die ausschließlich als Liebhaber und Moralapostel in Erscheinung tritt. Dem gegenüber mimt Adam Roarke – der bis dato neben zahlreichen TV-Rollen mit einer Nebenrolle in DAS STEINZEITSYNDROM (1966) glänzen konnte – einen genrekonformen Anführer-Typus, der mit vielen harten Sprüchen zumindest für Schmunzeln sorgen kann. Love-Interest Sabrina Scharf sollte ihren Karrierehöhepunkt hingegen zwei Jahre später als Nebenrolle in EASY RIDER (1969) erleben.

Typ: Jetzt lass mich auch mal ran, auf Bräute bin ich spezialisiert!

Die lose Aneinanderreihung von Erlebnisse umfasst dann neben dem obligatorischen Umherfahren auch viele Prügeleien (die stets überaus unblutig und gewaltarm ablaufen) und Feiern. Letztere arten teilweise zu wilden Happenings aus, im Zuge derer sich die Teilnehmenden auch mal mit Farbe bemalen. Auch das bleibt jedoch stets im Rahmen, allzu psychodelische Ausschweife sollte man nicht erwarten. Dafür gibt es aber massig Rocker zu begutachten, die natürlich – den Genre-Gepflogenheiten entsprechend – auch im echten Leben dieser Beschäftigung nachgingen. Die Hells Angels aus Oakland und eine Truppe namens Nomads stellten die überwiegende Zahl an Statisten und Motorrädern. Unter ihnen findet sich übrigens auch Sonny Barger, der für die Gründung des weltbekannten Motorradclubs mitverantwortlich war.
All das sind jedoch Randnotizen in einem schlichthinweg mittelprächtigen Genre-Film, der über eine Aneinanderreihung von Genreversatzstücken nicht hinauskommt. Das dann auch noch die Musikuntermalung bestenfalls ausreichend ausfällt, besiegelt das Schicksal des Steifens dann endgültig.

Stereotype Aneinanderreihung von Rockerklischees ohne zusammenhängende Geschichte. Dazu mittelmäßige Musik und wenig Action. Ergo: Trotz des jungen Jack Nicholson nicht gerade sehenswert.

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3 Antworten zu “DIE WILDEN SCHLÄGER VON SAN FRANCISCO

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