MEGAFORCE

Megaforce
Megaforce | Hongkong/USA | 1982
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Hunter (Barry Bostwick) ist der Kommandeur der Megaforce, einer geheimen Kampftruppe, deren Aufgabe es ist, das Böse in der Welt in Schach zu halten. Ausgerüstet mit den neuesten Technologien, muss Hunter mit Unterstützung der Präsidententochter Zara (Persis Khambatta) und General Byrne-Whites (Edward Mulhare) dafür sorgen, dass der hinterhältige Duke Guerera (Henry Silva) in die Schranken verwiesen wird.

Hal Needham begann seine Karriere als Stuntman in den späten 50er Jahren und führte diese Profession bis in die späten 70er Jahre fort. Da das Alter eine weitere derartige Betätigung ausschloss, wechselte Needham daraufhin den Posten und agierte fortan hinter der Kamera. Seine ersten Regiearbeiten waren dann EIN AUSGEKOCHTES SCHLITZOHR (1977) und die Schwarzenegger-Western-Parodie KAKTUS JACK (1979), bevor er 1981 mit AUF DEM HIGHWAY IST DIE HÖLLE LOS seinen größten Erfolg feierte. Dieser starbesetzte Autobahnspaß war ein großer finanzieller Erfolg und ebnete Needham den Weg für eine Produktion, die mit rund 20 Millionen US-Dollar Budget zu den größten jener Zeit gehören sollte.
Bereits drei Jahre zuvor hatte George Miller mit MAD MAX gezeigt, dass Autos und Wüsten ein gutes Grundrepertoire darstellen, dass die Drehbuchautorenschaft, die Needham sich gesucht hatte, dann um die in den USA gerade beliebte brachial-patriotische Action erweiterten. Geheime Supersoldaten, die gegen irgendwie geartete, kommunistisch anmutende und selbstverständlich mit russischem Akzent versehene Bösewichte antreten; das entsprach genau dem vorherrschenden Zeitgeist. Die eigentliche Geschichte ist damit auch schon erzählt, der Film macht in der Folge keinen Hehl aus seiner sehr überschaubaren Geschichte. Das sich das Script dann tatsächlich an einem Twist versucht, kann man getrost vernachlässigen, zu diesem Zeitpunkt dürfte das ohnehin keiner der Zuschauer mehr interessieren.

Zara: Wir haben schon eine Menge über Sie gehört. Sie haben mehr akademische Grade als ein Thermometer hat, wurde uns erzählt …

Denn bis dahin hat der Film seinen Betrachter mit seiner schieren Masse an Action- und Explosionssequenzen gefangen genommen. Bereits die Einführung der Rolle Hunter fällt derart überzeichnet aus, dass einem der Mund offen stehen bleibt: Auf den Hinterrädern ihrer schnittig geformten Motorräder fahrend, schießen er und zwei Konsorten bunte Luftballons mithilfe von Raketen und Maschinengewehren aus der Luft; was danach auch noch konsequenterweise als monatliche Zielübung erklärt wird. Und genauso verfährt der Film auch im weiteren Verlauf: Geballer und vollkommen abstruse Actionszenen allerorten machen vollkommen vergessen, dass hier eine gänzlich uninteressante Geschichte auf knapp 100 Minuten ausgewalzt wird.
Und wie erwähnt, wird das ganze Geballer keineswegs günstig auf die Leinwand gebracht, sondern mit einen Budget, das seinesgleichen sucht. Dafür gibt es dann neben einer Untergrundbasis auch unzählige Panzer, Kampfjets, Buggys, Autos, LKWs und Motorräder, die zu Dutzenden die Einstellungen bevölkern. Zum Finale rauschen gar rund 25 mit farbigem Rauch ausgestatte Raketenmotorräder hinter einem startenden Flugzeug hinweg in Formation durch die Wüste. Zusammen mit der knalligen 80er Musik wirklich eine Augenweide.

Gleiches gilt für die Besetzung, die mit Barry Bostwick eine unvergleichlich ikonische Hauptrolle vorzuweisen vermag. Bostwick stammt eigentlich aus dem TV-Bereich, hatte sich allerdings als Brad Majors in THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW (1975) einen Namen gemacht. Hier vereint er all die überzeichnete Action in einer Rolle und wird als Ass Hunter zur Ikone. Mit blauem Stirnband und einem hautenden Goldanzug spielt er sich augenblicklich in die Herzen der Zuschauer; sein Inferno dummer Sprüche wird da schon fast zur Zugabe. Daneben gibt es noch Edward Mulhare, der David Hasselhoff in der Serie KNIGHT RIDER Befehle erteilte, Persis Khambatta, die in der Folge mit Filmen wie THE LAST WARRIOR – KÄMPFER EINER VERLORENEN WELT (1983) und PHOENIX THE WARRIOR (1988) einschlägige Genreerfahrung sammeln sollte und Michael Beck, der drei Jahre zuvor als Swan in DIE WARRIORS auftrumpfte. Henry Silva als Antagonist vervollständigt diesen erstaunlich interessanten Cast.
All die Erwähnten kämpfen, schießen und plappern sich dann also durch die Wüste, die immer wieder auf neue mit Unglaublichkeiten gefüllt wird. Hologramme von nackten Mädels, unsichtbare Tankstellen und letztlich sogar fliegende Mopeds, die Saltos schlagen, belegen, dass sich der Betrachter dieses Films zu keiner Sekunde sicher fühlen kann. Hinter jeder Ecke lauerte der nächste Schock, stets kann alles – wirklich alles – passieren.

Hunter: Also wenn das kein Hologramm ist … dann sind wir echt angeschissen!

Es muss wohl dem etwas überbordenden Klamauk zugeschrieben werden, dass der Film seinerzeit eine unvorstellbare Bruchlandung an den Kinokassen hinlegte. Gerade einmal rund fünf Million US-Dollar, also ein Viertel der Produktionskosten, konnten auf dem heimischen Kinomarkt wieder eingespielt werden. Auch die internationale Vermarktung blieb in der Folge mau (in Deutschland gibt es den Film bis heute ausschließlich auf VHS zu sehen), sodass sich das Projekte letztlich als Fehlschlag herausstellte.
Das ist äußerst schade, hätte doch ein entsprechender Erfolg den Regularien des Filmwesens getreu zu einigen Fortsetzungen führen können. Das Setting hätte auf jeden Fall noch viel Stoff geboten. Aber so muss man sich heute mit diesem einzelnen Film begnügen, der nie die Beachtung erfahren hat, die er eigentlich verdient. Denn als unkomplizierte Action-Unterhaltung mit ordentlichem Trashfaktor besticht der Film wie kaum ein anderer. Oder um es mit Ass Hunter bevorzugter Geste zu sagen: Daumen hoch!

Großartiger Endzeit-Action-Klopper, der aufgrund seines riesigen Budgets auch riesig viel bietet. Innerhalb dieser tollen Ausstattung gibt es dann eine Menge Nonsens und flotte Sprüche, irrwitzige Action und bunte Kostüme. Herz, was willst du mehr …

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2 Antworten zu “MEGAFORCE

    • Hey,
      es stimmt zwar, dass die DVD von Cosmopolitan Pictures um die Endsequenz geschnitten ist, diese ist aber in den Extras der DVD enthalten. Ansonsten gibt es keinerlei Schnitte. Kannst also bedenkenlos zugreifen 😉

      Gruß!

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