KOMMISSAR X JAGT DIE ROTEN TIGER

Kommissar X jagt die roten Tiger
Kommissar X jagt die roten Tiger | Deutschland/Italien | 1971
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Privatdetektiv Jo Walker (Tony Kendall) und Captain Tom Rowland (Brad Harris) sind unterwegs in Pakistan, um zu verhindern, dass noch mehr Drogenexporte von dort die amerikanischen Großstädte überschwemmen. Vor Ort stellen die beiden schnell fest, dass eine geheime Gesellschaft namens Die Roten Tiger ihr Finger tief im Drogengeschäft hat und erste Morde legen nahe, dass die Aufklärung des Falles keine einfache wird.

Zwischen dem ersten Teil der KX-Reihe – KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT (1966) – und dem sechsten – KOMMISSAR X – DREI GOLDENE SCHLANGEN (1969) – sollten nur drei Jahre vergehen. Bis die Reihe dann allerdings ihren Abschluss fand, sollten weitere zwei Jahre ins Land ziehen. Und diese zeitliche Entfernung findet auch formal und inhaltlich ihre Bestätigung, möchte der Abschluss der Agenten-Saga doch so gar nicht zu seinen poppig-bunten Vorgängern passen.
Als Produzent war natürlich ein weiteres Mal Theo Maria Werner tätig, allerdings gelang es ihm weder Gianfranco Parolini noch Rudolf Zehetgruber mit ins Boot zu holen, die bisher im Wechsel die Regie aller vorherigen Filme übernahmen. Stattdessen ging die Regie an den renommierten österreichischen Regisseur Harald Reinl, der 1959 mit DER FROSCH MIT DER MASKE und 1963 mit WINNETOU 1. TEIL zwei der ganz großen deutschen Filmreihen mitbegründet hatte. Anfang der 70er Jahre waren Reinls glanzvolle Jahre allerdings vorbei, stattdessen schwamm er nur noch im inszenatorischen Mittelfeld. Das merkt man dem Film dann auch an, außer einer einleitenden Rückblende und der – durchaus gelungenen – Idee, Tom Rowland als Voice-Over einzusetzen, gibt es wenig Einfallsreiches zu betrachten.

Paradiso: Der Blitz soll Sie erschlagen!
Tom Rowland: Ich bin gut geerdet, mein Lümmel ist aus Stahl …

Das Script weist dabei eine Tendenz auf, die sich schon bei KOMMISSAR X – DREI GOLDENE SCHLANGEN zwei Jahre zuvor andeutete. Die lustig leichten 60er sind vorbei, im Kino herrschte ein neuer, rauerer Ton. Themen wie Drogenkonsum, Mädchenhandel und Gewalt dominieren und geben dem siebten KX-Abenteuer einen deutlich pessimistischeren Unterton. So kann man gleich zu Beginn ein paar Hippies dabei zusehen, wie sie sich – neben dem Konsum äußerst überdimensionierten Joints – drogengefüllte Nadeln in die Vene jagen und auch Kunstblut hält Einzug in die ansonsten kuschelig unblutige Welt des Agentenpärchens. Leider ist der Film aber nicht gänzlich konsequent und hält folglich trotz dieser neuen Ausrichtung an altbekannten Albernheiten und Späßen fest, sodass eine Mischung entsteht, die einfach nicht richtig zünden will.

Dafür ist bisweilen auch das ungewohnte Auftreten der beiden Hauptrollen verantwortlich, an den die zwei Jahre Pause ebenfalls nicht spurlos vorbeigegangen sind. Vor allem Tony Kendall dürfte mit seiner wilden Mähne inklusive hippen Koteletten für einige verwunderte Blicke sorgen, aber auch Brad Harris‘ Auftreten vermag zu irritieren. Der Charme und das herausgeputzte Auftreten der vorherigen Produktionen sind vergessen, die beiden sind ebenfalls in den rauen 70ern angekommen. Zusammen mit der noch um einiges trashigeren deutschen Synchronisation entsteht so eine weitere Angriffsfläche, an der sich Serienveteranen reiben dürften.

Jacky Clay: Ich dachte schon, Sie sind wasserscheu!
Jo Walker: Nein, wasserscheu bin ich nur an der Bar.

In den Nebenrollen sind diesmal wieder Gisela Hahn und Ernst Fritz Fürbringer zu sehen, die beide bereits in KOMMISSAR X – IN DEN KLAUEN DES GOLDENEN DRACHEN (1966) Genre-Erfahrung sammeln konnten. Ungewohnt ist hingegen die große Anzahl an Nebenrollen, die durchaus dafür sorgen kann, dass man einzelne Charaktere aus den Augen verliert; nicht wirklich schlimm, aber hier wäre weniger wohl mehr gewesen.
Neben all diesen negativen Anklängen bietet der Streifen aber natürlich eine Menge an KX-typischer Action und flotten Sprüchen, und erfüllt so den Mindestanspruch ohne weiteres. Wenn die zweit liebgewonnenen Haudegen sich durch Pakistan wurschteln, stets einen Kuss oder eine Handkante parat haben und schließlich mal wieder grinsend von dannen ziehen, dann kann das schließlich keine schlechte Unterhaltung sein. Dass es dem Film trotzdem nicht gelingt, einen gelungeneren Abschluss der Filmreihe darzustellen, liegt schlicht an den sich zu Beginn der 70er Jahre verändernden Rahmenbedingungen. Ein KX gehört nun mal in die 60er Jahre, wo Agenten-Action noch unbeschwert war; anfang der 70er stellt er eher ein – nichtsdestotrotz interessantes – Kuriosum dar.

Skurriler Abschluss der Filmreihe, der so gar nicht zu seinen Vorgängern passen will. Das im Kern gleiche Konzept wird hier völlig anders ausformuliert, was letztlich nicht ganz funktioniert; als flotte Agenten-Hatz trotzdem unterhaltsam und für Freunde der Reihe allemal interessant.

4 Antworten zu “KOMMISSAR X JAGT DIE ROTEN TIGER

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