DIE TEUFELSWOLKE VON MONTEVILLE

Die Teufelswolke von Monteville
The Trollenberg Terror | Großbritannien | 1958
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die telepathisch begabten Schwestern Sarah (Jennifer Jayne) und Anne (Janet Munro) sitzen im Zug nach Genf, als Sarah beim Anblick eines Berges in Trollenberg plötzlich darauf besteht, den Zug zu verlassen. Mit den beiden steigt auch Alan Brooks (Forrest Tucker) aus, der eben diesen Berg genauer zu untersuchen gedenkt, da sich in dessen Umfeld seit einiger Zeit mysteriöse Unfälle ereignen.

In den Jahren 1956 und 1957 strahlte die britische ATV die sechsteilige TV-Serie THE TROLLENBERG TERROR aus. Die Miniserie entstand unter Regie von Quentin Lawrence, der schon bei der Sci-Fi-Serie THE STRANGE WORLD OF PLANET X diverse Erfahrungen gesammelt hatte. Die neue Serie bekamen auch die beiden Produzenten Monty Berman und Robert S. Baker zu Gesicht und beide waren sich schnell einig, dass man aus dem Stoff auch einen erfolgreichen Spielfilm machen könnte. Also stellten sie mit ihrer bereits 1948 gegründeten Produktionsfirma Tempean Films ein Budget zu Verfügung, dass es Lawrence ermöglichen sollte, einen Spielfilm zu drehen, der den beiden Produzenten ein Teil vom großen Sci-Fi-Kuchen einbrächte, den die US-Amerikaner zu Beginn der 50er Jahre gebacken hatten.
Neben Peter Key – der schon die Drehbücher der TV-Serie verfasste – war dann auch Jimmy Sangster am Filmscript beteiligt. Dieser hatte zuvor schon den Hammer-Hit XX UNBEKANNT (1956) geschrieben und war gerade mit seinen Arbeiten für Terence Fishers DRACULA (1958) fertig geworden. Die größte Änderung im Vergleich zur Vorlage ist wohl die Einfügung der Rolle Alan Brooks. Gespielt von Forrest Tucker – der bereits die Hauptrolle bei THE STRANGE WORLD OF PLANET X spielte – entspricht diese Rolle dem damaligen Heldenstereotyp und schafft so eine Identifikationsrolle für das Kinopublikum.

Brooks: Dann wird es Zeit, dass wir etwas unternehmen.
Prof. Crevett: Rufen Sie die Regierung an!
Brooks: Blödsinn!

Dieser Blaupause entsprechend zieht Tucker dann auch rauchend und trinkend durch die Gegend, hat für alle übrigen Charaktere bestenfalls einen flapsigen Spruch übrig und besiegt das Monster letztendlich natürlich per Molotowcocktail im Alleingang. Business a usual. Die beiden Darstellerinnen Jennifer Jayne und Janet Munro fügen sich – der Zeit entsprechend – diesem Umstand und bleiben dementsprechend blass.
Punkten kann der Film dann aber mit seiner straffen und ernsthaften Inszenierung. Obwohl das Monstrum erst sehr spät seinen ersten Auftritt hat, ist der Film zu jedem Zeitpunkt spannend und wendungsreich. Ständig passiert etwas von Belang, die meisten Handlungsfäden – von der telepathischen Begabung Sarahs einmal abgesehen – werden geschickt miteinander verwoben. Und sobald das Untier sich dann zeigt, dürfte der Film ohnehin jeden Zuschauer auf seiner Seite haben.

Denn auch wenn die Tricktechnik im Film durchaus etwas unter der kostengünstigen Produktion leiden muss, so sorgt das Wesen, dem sich die Protagonisten schließlich stellen müssen, doch mit Sicherheit für einige offenstehende Münder. Und mehr noch, wenn Lawrence seinen Film trotz dieser unfassbar trashigen Präsenz weiterhin ernsthaft und überlegt zu Ende inszeniert.
Ansonsten gibt es noch ein paar Besessene, die mit Äxten umherziehen, einige zwar schöne, wenn auch simple Landschaftsmodelle und massig naive Vorstellungen bezüglich Technologie und Radioaktivität. Und nicht zuletzt natürlich die umherziehende Wolke, die eine ebenfalls charmant dilettantische Umsetzung erfuhr.

Dewhurst: Ich nehm drei Whiskey und eine Flasche für den Weg; die wärmt doch besser als jeder Ofen …

Das Konzept der geheimnisvollen Wolke, die ein schreckliches Geheimnis birgt, faszinierte übrigens auch John Carpenter, der dieses Sujet 1979 mit THE FOG – NEBEL DES GRAUENS wieder aufgriff. In Anbetracht von Carpenters DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) ist es schon fast schade, dass sich der Herr nicht auch einem direkteren Remake von Lawrence‘ Film widmete. Trotzdem bestätigt Carpenter – der nach eigenem Bekunden auch ein großer Fan von DIE TEUFELSWOLKE VON MONTEVILLE ist – mit seiner Hommage, dass der Streifen sich deutlich vom Durchschnitt der 50er Jahre Sci-Fi-Werke abzugeben vermag. Die ernste Inszenierung, gepaart mit einem ikonischen Monster und allerlei Absurditäten, funktioniert nämlich äußerst gut und macht den Film so zu einem empfehlenswerten Vertreter seinen Genres.

Gelungene Sci-Fi-Kost, die durch ihre Mischung aus ernsthafter Grundstimmung und trashigem Monster zu gefallen weiß. Kleine inhaltliche Ungereimtheiten fallen da kaum noch ins Gewicht.

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Eine Antwort zu “DIE TEUFELSWOLKE VON MONTEVILLE

  1. Pingback: THE FOG – NEBEL DES GRAUENS | SPLATTERTRASH·

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