HASSE DEINEN NÄCHSTEN

Hasse deinen Nächsten
Odia il prossimo tuo | Italien | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als der Bruder von Ken Dakota (Spiros Focas) von dem Banditen Gary Stevens (George Eastman) ermordet wird, schwört dieser Rache. Dabei stößt er auf ein Komplott, zu dem auch der Reiche Chris Malone (Horst Frank) gehört. Dieser plant nämlich den unrechtmäßigen Erwerb einer Goldmine, den er mit einem Banküberfall finanzieren möchte.

Nachdem er sich die ersten Sporen mit diversen Sandalenfilmen verdient hatte, wechselte Ferdinando Baldi 1966 das Genre und widmete sich dem aufkommenden Italowestern. Mit DJANGO, DER RÄCHER (1966) lieferte er auch sogleich eine sehr ordentliche Arbeit ab, die zeigte, dass Baldi sein Handwerk verstand. Zwei Jahre später sollte das hingegen ganz anders aussehen, als Baldi mit HASSE DEINEN NÄCHSTEN einen Genrebeitrag kredenzte, der trotz einer guten Besetzung selbst Grundlegendes falsch machte.
Größtes Manko ist dabei wohl die Hauptrolle in Form von Spiros Focas (der hier unter seinem Pseudonym Clyde Gamer auftritt). Der von ihm verkörperte Ken Dakota tritt zwar mit der Intention an, den Tod seines Bruders zu rächen, verhält sich allerdings bestenfalls wie ein netter Kommissar. Es gibt weder Wut noch Rachedurst zu sehen, Focas – der übrigens acht Jahre zuvor in ROCCO UND SEINE BRÜDER (1960) durchaus Talent bewiesen hat – ist wohl der blasseste Rächer, den die Leinwand je gesehen hat. Dementsprechend erhält er auch so wenig Screentime, dass er kaum nach als zentraler Protagonist zu bezeichnen ist.
Diese Rolle fällt dann eher George Eastman und Horst Frank zu, die immerhin die Seite der Bösewichte ordentlich ausstaffieren. So bietet George Eastman einen ständig kichernden Schurken, der sich stereotyp böse durch die Wüste kämpft. Nichts außergewöhnliches, aber allemal eine solide Leistung des späteren Splatter-Fachmanns. Die deutsche Schauspielergröße Frank Horst hingegen bietet ein sehr gelungenes Spiel und präsentiert einen zwischen Wahn und Boshaftigkeit schwankenden Antagonisten, der auch schon mal Sklavenkämpfe zur Unterhaltung veranstaltet. Und in einer Nebenrolle gibt es dann noch Nicoletta Machiavelli zu sehen, die bereits 1996 an der Seite von Burt Reynolds in AN SEINEN STIFELN KLEBTE BLUT durch die Prärie stromerte.

Richter: Ruhe, Ruhe im Gerichtssaal! So, bringen wir die Sache schnell hinter uns. Ich will in zehn Minuten wieder in der Kutsche sitzen, damit das klar ist!

Prärie gibt es hier übrigens weniger zu sehen, denn die gewählten Lokationen sind meistens Waldränder oder steinige Gegenden mit Graswuchs. Zusammen mit den sehr knalligen Farben und den arg klischeebeladenen Kostümen erweckt der Streifen so oftmals eher den Eindruck einen Heimatfilms, denn eines Italowesterns.
Viel schlimmer als das wiegt aber die unklare Linie, die Baldi dem Film verpasst. Die Hauptrolle ist zu gut, die Bösen sind ordentlich, aber auch nicht herausragend. Die Nebenrollen sind unwichtig und oftmals zu karikiert. Das wahre Graus erwartet den Zuschauer aber erst zum Filmende, wenn Ken Dakota den endlich gestellten Chris Malone nicht erschießt, sondern den verletzten Mann einfach auf den Wagen legt, um dann mit Frau und Neffe gemütlich gen Sonnenuntergang zu wandern. Ein unpassenderes Ende hat man wohl selten gesehen, sodass man mit einem ganz schlechten Gefühl in der Magengrube zurückbleibt.
Da helfen auch die durchaus netten Einfälle nicht mehr weiter, die der Film stellenweise aufbieten kann. George Eastman kopfüber in einer Schlangengrube oder eine auf umherfliegendes Dynamit schließende Hauptrolle sind dann nur noch nette Gimmicks, die die übergroßen Mankos dieses Streifen allerdings nicht mehr kaschieren können.

Italowestern-Verschnitt, der vor allem an seiner flachen Hauptrolle und der genreuntypischen Inszenierung krank. Da helfen weder George Eastman, noch Horst Frank oder die paar netten Ideen, die ja durchaus vorhanden sind.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..