EIN MÄDCHEN KÄMPFT SICH DURCH DIE GRÜNE HÖLLE

Ein Mädchen kämpft sich durch die Grüne Hölle
I Miracoli accadono ancora | Italien | 1974
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Juliane (Susan Penhaligon) fliegt mit ihrer Mutter von Lima nach Pucallpa. Doch dort kommen die beiden nie an, denn die Maschine verunglückt über dem Dschungel und Juliane überlebt das Unglück als einzige der 92 Passagiere. Fortan kämpft sich das 17-jährige Mädchen durch das unwirtliche Dickicht.

Realer Stoff eignet sich bekanntlich immer gut, um darauf aufbauend einen Film zu drehen. Vor diesem Hintergrund bietet das reale Unglück des LANSA-Flug 508 also einiges an Material, um daraus einen spannenden Katastrophen- bzw. Survival-Streifen zu drehen. Das dachte sich auch der italienische Regisseur Giuseppe Maria Scotese, der 1974 daran ging, den Überlebenskampf der Juliane Koepcke auf Zelluloid zu bannen. Die Tatsache, dass Scotese sich zuvor mit Filmen mit teilweise dokumentarischen Zügen wie AMERIKA BEI NACHT (1961), MONDO NUDO – NACKTE WELT (1964) oder LSD-PARADIES FÜR 5 DOLLAR (1968) einen zweifelshaften Ruf erarbeitet hatte, ließ jedoch daran zweifeln, ob es diesen Projekt mit dem angebrachten Feingefühl würde umsetzen können.

Julianes Vater: Und vergiss nicht, mein Schatz, fliegt bitte mit Four Seven, nicht mit LANSA. Also mach’s gut mein Schatz!

Das Drehbuch war ja durch die realen Erlebnisse von Koepcke quasi vorgeben, sodass sich Scotese bei seiner Arbeit – die übrigens neben der Produktion in Cinecittà auch an Originalschauplätzen im peruanischen Dschungel stattfand – ganz auf eine ansprechende, packende Inszenierung konzentrieren konnte; und das gelingt ihm dann recht gut, wenn auch unaufgeregt. Sobald sich die Handlung nämlich in den Dschungel verlagert, hat Scotese Probleme, einen Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Da das Ende ohnehin vorbestimmt ist, fällt es den einzelnen Szenen teilweise schwer, Spannung zu erzeugen. Stattdessen wirkt vieles dokumentarisch, meist separierte Eindrücke schildern Koepckes Überleben im Dschungel.
Ein wenig unglücklich wirken dabei die in ihren Gedanken wiederkehrenden Ratschläge ihrer Eltern, die sich Juliane immer wieder ins Gedächtnis ruft. Stets hat sie einen passenden Tipp parat, der Überlebenskampf wirkt irgendwann wie ein Survivaltraining. Das raubt den einzelnen Szenen zwar nicht ihre durchaus vorhandene Faszination, wirkt aber stellenweise doch zu konstruiert.

Die Hauptrolle füllt die von den Philippinen stammenden Susan Penhaligon dabei ordentlich aber ohne wirkliche Glanzpunkte aus. Vor allem die Momente, in denen ihre innere Stimme das Geschehen kommentiert machen Penhaligon doch sichtbar Probleme; ansonsten ist ihr Gemisch aus Entsetzen und Panik solide. Hoch anzurechnen ist ihr allerdings, dass sie alle Szenen im peruanischen Dschungel selber gedreht hat, was vor allem bei den Fluss-Szenen mit Sicherheit nicht immer einfach war.

Julianes Mutter: Na was soll’s. Ein Flugzeug fliegt wie das andere. Das hoffe ich jedenfalls …

So bleibt der Film letztlich ein unaufgeregter und vorhersehbarer Survival-Streifen, der aber vor allem wegen seinen realen Bezugs und der kurzen Spielzeit durchaus gut unterhält. Scotese schafft es – von den etwas zu ekeligen Würmer-Szenen mal abgesehen – den Stoff nicht allzu reißerisch umzusetzen, sondern ein ordentliches Maß zu finden.
Juliane Koepcke bezeichnete den Film übrigens als kitschig und weit von der Realität entfernt, was einem solchen Werk jedoch zusteht, verfolgt es doch keineswegs dokumentarisch Ziele. Ebensolche machte sich im Jahre 2000 Werner Herzog zur Aufgabe und widmete sich dem Thema noch einmal in Form der Dokumentation JULIANES STURZ IN DEN DSCHUNGEL. Ein Jahr später veröffentlichte Juliane Koepcke dann eine Autobiographie, die die Geschehnisse möglichst akkurat aufarbeitet. Das ändert aber alles nichts daran, dass EIN MÄDCHEN KÄMPFT SICH DURCH DIE GRÜNE HÖLLE durchaus genießbare Survival-Unterhaltung bietet.

Zwar vorhersehbares, aber nichtsdestotrotz intensives Survival-Abenteuer, das vor allem durch seinen realen Hintergrund an Intensität gewinnt.

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Eine Antwort zu “EIN MÄDCHEN KÄMPFT SICH DURCH DIE GRÜNE HÖLLE

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