TOPKAPI

Topkapi
Topkapi | USA | 1964
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die nymphomane Elizabeth (Melina Mercouri) plant den Raub eines smaragdbesetzten Dolches aus dem Istanbuler Topkapi-Museum. Doch dazu braucht sie Hilfe und heuert deshalb eine ganze Truppe an Spezialisten an, die ihr bei der Durchführung des Einbruchs helfen sollen. Darunter auch der charmante Walter (Maximilian Schell) und der trottelige Arthur (Peter Ustinov).

Bereits 1955 musste der Regisseur und bekennende Kommunist Jules Dassin aus den USA nach Europa fliehen, weil die dort angebrochene McCarthy-Ära dafür sorgte, dass Dassin seinen Beruf nicht mehr in Übersee ausüben konnte. Als künstlerische Antwort darauf schuf Dassin 1955 seinen Heist-Movie-Klassiker RIFIFI, der bis heute zu den herausragenden Klassikern des Genres zählt. Fortan drehte er weitere Filme in Europa und festigte seinen Ruf als herausragender Regisseur und Drehbuchautor. Und ein weiterer Vorteil der Arbeit in der alten Welt war, dass er hier seine Muse und spätere Ehefrau Melina Mercouri kennenlernte. 1964 schnappte sich Dassin dann Eric Amblers Roman Topkapi und schneiderte daraus ein Drehbuch, welches in weiten Teilen eine parodistische Aufarbeitung von RIFIFI darstellt. Das fällt vor allem während der finalen Einbruchssequenz auf, aber auch viele andere Elemente verweisen auf seinen großen Erfolgsfilm.

Der Unterschied ist, dass TOPKAPI tatsächlich eine Komödie darstellt, die die in den 50er Jahren entstandenen Mechanismen der Heist-Movies feinsinnig parodiert. Hauptverantwortlich ist hier natürlich Tollpatsch Arthur Simon Simpson, der von Peter Ustinov grandios verkörpert wird und der dem Briten dafür auch vollkommen zu recht den Oscar als Beste Nebenrolle einbrachte. Aber auch viele andere Elemente zielen darauf ab, den Zuschauer eher zum Lachen als zum Staunen zu bringen. Zahlreiche wortwitzige Dialoge, und die nymphomane Neigung der tonangebenden Elizabeth sind nur zwei der zahlreichen komödiantischen Aspekte.

Elizabeth: Kümmert es dich nicht, dass ich eine Nymphomanin bin? Walter: Das ist deine reizendste Eigenschaft! Elizabeth: Dann verschwende sie nicht, nutze sie!

Ansonsten lebt der Film hauptsächlich von seinem tollen Cast, bei dem die bereits erwähnte Melina Mercouri stets im Mittelpunkt steht. Es gibt kaum einen Darsteller der nicht zumindest einen Kuss von ihr erhält, und ihre stete Lust und Begierde sind teilweise so überzeichnet, dass man seinen Augen – vor allem in Anbetracht der Entstehungszeit – nicht trauen möchte. An Mercouris Seite mimt Maximilian Schell einen stereotyp charmanten Draufgänger, der stets eine Lösung oder einen flotten Spruch parat hat. Schells Rolle fällt dabei nicht unbedingt witzig aus, und stellt so die Verbindung zum klassischen Heist-Movie dar. Der übrige Cast bildet den Rahmen für diese drei, ist aber nicht weniger originell und passend besetzt. Vor allem die Istanbuler Geheimpolizei weiß zu gefallen und kann einige Lacher für sich verbuchen. In Sachen Inszenierung zeigt Dassin dann, dass er einer der ganz Großen ist. Das Intro reißt den Betrachter mit seinen Farbspielen und dem direkten Zuschauerbezug gleich in den Film hinein und ständig wechselnde Farbstimmung und Settings lassen ihn bis zum Ende nicht mehr los. Und wenn

Gilles Ségal dann im Zeitlupentempo an Seilen hängend in die Schatzkammer hinabgelassen wird, ist ohnehin jede Frage nach dem Können Dassin obsolet; was sich Brian De Palma 1996 übrigens auch gedacht haben dürfte, als er MISSION: IMPOSSIBLE drehte. Und auch wenn die Einbruchsszene dem großen Vorbild aus RIFIFI ein wenig hinterherhinkt, machte sie doch die leichten Längen, die der Film zuvor stellenweise mit sich herumschleppt, spielend vergessen. Nun mag manch einer anführen, dass der Streifen heutzutage betrachtet einiges an Logiklöchern aufweist und viele Stellen aus heutiger Sicht schlicht naiv wirken, aber genau das verleiht dem Film eben auch ein Leichtigkeit, die man heute bei vielen ähnlich gelagerten Filmen vergebens sucht. In unserer vollends technisierten und überwachten Welt gibt es keinen Platz mehr für Gauner-Romantik und Einbrüche, bei denen ein von Ustinov gespielter Tölpel eine zentrale Rolle inne hat. Das ist einerseits schade, erhöht aber andererseits den Wert dieses Films noch einmal beträchtlich.

Selbstironischer Gaunerstreifen mit dem Jules Dassin sein eigenes Schaffen parodiert. Unkompliziert und charmant unterhält der Film, auch wenn aus heutiger Sicht manches angestaubt wirken mag.

3 Antworten zu “TOPKAPI

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