EAT THE RICH

Eat the Rich
Eat the Rich | Großbritannien | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Alex (Lanah Pellay) verliert seinen Job im Nobelrestaurant Bastards und fällt fortan zügig durch die Maschen des sozialen Systems. Also sucht er sich ein paar Mitstreiter, um – unterstützt von ein paar sowjetischen Spionen – einen Angriff auf das System zu starten. Gleichzeitig kämpf der ungehobelte Innenminister Nosh (Nosher Powell) um seine Wiederwahl. Die beiden Protagonisten treffen sich schließlich im Restaurant Eat the Rich, in dem Alex und seine Mannen mittlerweile Menschenfleisch servieren.

Seit den frühen 80er Jahren bereitete die britische Comedy-Truppe The Comic Strip den Zuschauern im royalen Fernsehen Freude und Spaß. Daran wirkte auch Peter Richardson mit, der 1985 mit SUPERGRASS – UNSER MANN BEI SCOTLAND YARD den Weg zum trashig-komödiantischen Spielfilm fand. Dort fühlte er sich offensichtlich wohl, denn nur zwei Jahre später sollte sein nächstes Werk ebenfalls diesem Bereich entspringen. Zusammen mit seinem ebenfalls dem Comic Strip angehörigen Kumpel Pete Richens schrieb Richardson ein Script, dass wenig Zusammenhang, dafür aber die volle Breitseite an überzeichneter Gesellschaftskritik bietet. Und solche Drehbücher sorgen dann in der Ausführung bekanntlich für sehr spezielle Filme, die den Geschmack einer speziellen Zielgruppe bedienen; vor allem, wenn dem Ganzen auch noch der berüchtigte britische Humor innewohnt.

Spider: Der Belagerungsheld Nosher Powell hat es mal wieder geschafft! Zu guter Letzt hat Großbritannien endlich einen Politiker, der bewiesen hat, dass er keine Pfeife ist – zumindest, wenn es darum geht, es einer Hausfrau gut zu besorgen. Wir sagen: Großbritannien braucht dich! Mach weiter so, Nosh!

Dementsprechend wild fällt das Ergebnis dann auch aus, schon nach wenigen Minuten dürfte ein Großteil der Zuschauer entnervt abwinken. Spätestens, wenn die Rolle Nosh als Ein-Mann-Armee ein besetztes Gebäude stürmt und die Unholde per Standpredigt zur Raison ruft, ist klar, wohin der Weg führt. Den folgenden Szenen liegt dabei immer eine starke Gesellschaftskritik zu Grunde, die dem Zuschauer jedoch meist mit dem Holzhammer serviert wird. Klotzen statt kleckern heißt es, und so treibt der Film größtenteils zwischen derbem Klamauk und flacher Kritik umher.
Dazu gehören dann auch massig platte Sprüche und Zoten, die vor allem von Nosh durch die Gegend gebrüllt werden. Der auch als Boxer tätige Schauspieler Nosher Powell entwickelt sich dabei mehr und mehr zur eigentlichen Hauptrolle des Films, ist er doch mit seiner rüpelhaft-lauten Darbietung immer für einen Lacher gut. Darunter leidet dann Lanah Pellay – der ebenfalls zur oben erwähnten Komikertruppe gehört – ein wenig, der als Revolutionär hier eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte. Das macht aber nichts, denn der Film strotzt nur so vor skurrilen Rollen – ähnlich einem Troma-Film gibt es eigentlich keinen „normalen“ Charakter. Egal ob schwangere Raucherin, übergewichtige First Lady, sowjetischer Agent oder Commander Fortune, eine Rolle ist abstruser als die nächste. Da fällt Lemmy Kilmister, seines Zeichens Bassist und Sänger von Motörhead schon gar nicht mehr auf.

Prostituierte: Du hast einen wunderbaren Körper …
Nosh: Ja, bedien‘ dich …

Dessen Truppe sorgte übrigens auch für den Soundtrack des Films und ist somit dafür verantwortlich, dass die ohnehin anarchistische Bilderflut auch noch überwiegend mit dröhnendem Metal unterlegt wird; inklusive eines Cameoauftritts der gesamten Band. Was sich formal wunderbar mit dem Bild zusammenfügt, sorgt im Ergebnis ein weiteres Mal dafür, dass unbedarfte Zuschauer schnell überfordert sein dürften.
Denn – und so ehrlich muss man sein – hinter dem Krach, den Pöbeleien und der vordergründigen Kritik verbirgt sich nicht viel Substanz. Jeder, der nach Sinn sucht, und die Formalia nur als notwendiges Übel betrachtet, wird also bitter enttäuscht werden. Wer sich aber genau an diesen erfreuen kann, der kommt hier voll auf seine Kosten. Motörhead-Metal, markige Sprüche und allerlei makabere Darbietungen vermögen bei entsprechendem Interesse eben wunderbar zu unterhalten. Und eine Parabel, bei der sich die Snobs letztlich gegenseitig vertilgen, kann doch eigentlich gar nicht zu flach sein, oder?

Anarchische Komödie mit platter Gesellschaftskritik. Markige Sprüche und feine Musik machen das Dingen aber zu einem Erlebnis; den entsprechenden Geschmack vorausgesetzt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..