DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE

Der Mann mit der Kugelpeitsche
Il mio nome è Shanghai Joe | Italien | 1972
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der in der Kampfkunst äußerst bewanderte Karate Jack (Chen Lee) kommt 1882 in die USA um dort Cowboy zu werden. Doch statt Freiheit und Frieden begegnen ihm nur Vorurteile und Unhöflichkeiten. Jack reagiert darauf gelassen, bis er den Sklavenhändler Stanley Spencer (Piero Lulli) trifft, der jedoch aufgrund seines Reichtums von den übrigen Bürgern geachtet wird. Schnell geraten die beiden aneinander.

Zu Beginn der 70er Jahre war die große Zeit der Italowestern bereits vorbei, was dann der einfallsreichen Ausschlachtung der Genreüberreste Tür und Tor öffnete. Daran beteiligte sich auch Mario Caiano, der sich zuvor mit der Regie- und Drehbucharbeit an einem guten Duzend Italowestern in die Materie eingearbeitet hatte. Anders als viele Kollegen, die den mittlerweile hinlänglich bekannten Genreversatzstücken eine ordentliche Portion Komödie beifügten, entschied sich Caiano allerdings dafür, sich beim gerade im Aufwind befindlichen Eastern-Kino zu bedienen. Fluchs wurde mit Chen Lee ein unbekanntes Gesicht verpflichtet, dass auf den Spuren von Bruce Lee und Jacky Chan wandelnd die asiatische Kampfkunst in den rauen Westen bringen sollte.

Sheriff: Langsam, langsam. Ist dir überhaupt klar, was du da sagst? Mr. Spencer ist einer der angesehensten Bürger, einer der besten Steuerzahler dieses Landes!
Karate Jack: Er ist ein Sklavenhändler!
Sheriff: Ich kann nicht zulassen, dass dieser Mann beleidigt wird, und schon gar nicht von einem Chinesen!
Karate Jack: Vorsicht, gleich tropft ihnen der Rassenhass aus den Nasenlöchern!

Sehr viel mehr Ideen hatte Caiano dann allerdings nicht mehr, denn das daraus resultierende Drehbuch stellt lediglich eine inspirationslose Aneinanderreihung von Kämpfen dar. Die Hauptrolle Karate Jack (alternativ auch Shanghai Joe oder Chin Hao) eiert mit dem Ziel Cowboy zu werden durchs Land und muss sich immer wieder per Faustschlag oder Tritt gegen üble Gesellen wehren. Auch nachdem der zentrale Bösewicht Spencer (der übrigens am Ende des Films einfach nicht mehr vorkommt) eingeführt wurde, bleibt die Handlung äußerst episodisch und kann so kaum Spannung aufbauen.

Das ist vor allem schade, da ab der Mitte des Films einige durchaus namhafte Darsteller die bis dahin sehr dürftigen schauspielerischen Darbietungen aufzumöbeln versuchen. Aber wenn man den weltbekannten Mimen Gordon Mitchell und Klaus Kinski nur jeweils 10 Minuten Screentime zugesteht, dann muss man sich nicht wundern, dass auch die beiden den Karren nicht mehr aus dem Dreck gezogen bekommen. Und genau da steckt der Streifen nämlich, wenn man sich das flache Gemime von Chen Lee und Konsorten anguckt.
Bleiben also nur noch die Abteilungen Action und Effekte, um dieses Vehikel einigermaßen zu retten, aber auch das will einfach nicht gelingen. Die Kampfkunsteinlagen beschränken sich fast durchgehend auf Sprünge und Schläge, Innovation sieht anders aus. Immerhin hat man sich dazu entschlossen, dem Film einige Härten mit auf den Weg zu geben, sodass der geneigte Zuschauer immerhin einen Blick auf einige abgetrennte Gliedmaßen und ein paar Eimer Kunstblut werfen darf.

Opa: Der ganze Wochenlohn ist im Eimer …
Cowboy: Reg‘ dich nicht auf, Opa. Denk‘ an das alte Sprichwort: Pech im Spiel, Glück in der Liebe.
Opa: Red‘ bloß nicht von Liebe, mir ist vor zwei Wochen meine Lieblingskuh davongerannt …

Aber auch das kann nicht retten, was die übrigen Elemente längst verbockt haben; der Film eiert ziellos einfach vor sich hin. Dass am Ende plötzlich ein weiterer Kampfkünstler auftaucht, wundert dann auch keinen mehr, wenn der Streifen bereits über die gesamte Spielzeit jeden Zusammenhang vermissen lässt. Da wirkt es schon fast symptomatisch, dass Komponist Bruno Nicolai einfach seine Stücke aus SARTANA – NOCH WARM UND SCHON SAND DRAUF (1970) noch einmal verwendet hat, anstatt diesem Machwerk einen eigenen Soundtrack mit auf den Weg zu geben. Die folglich tollen Klänge retten hier aber auch nichts mehr …

Ganz maues Western-Eastern-Gemisch, das auf ganzer Linie versagt. Da können auch die ordentliche Musik und die netten Nebenrollen nichts dran ändern …

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