DAS SCHWERT DES BARBAREN

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Das Schwert des Barbaren
Sangraal, la spada di fuoco | Italien | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Sangraal (Pietro Torrisi) ist der Sohn des berühmten Barbaren Ator und selber ein mächtiger Krieger. Doch bei einem Angriff werden seine ganze Sippe und sein Dorf niedergemetzelt und seine Frau wird entführt. Also macht sich Sangraal mit seinen Gefährten Twan (Hal Yamanouchi) der hübschen Aki (Yvonne Fraschetti) auf den Weg, Rache an den Entführern zu nehmen. Dabei müssen sie sich den Herrscharen der Feuergöttin Rani (Margareta Rance) stellen.

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Der italienische Regisseur Michele Massimo Tarantini verdingte sich jahrelang als Hersteller von schmuddeligen Komödien á la FLOTTE BIENEN AUF HEIßEN MASCHINEN (1979), HELM AUF – HOSE RUNTER (1980) oder DIE LETZTEN HEULER DER MARINE (1981). Doch 1983 wandte er sich einem weiteren leicht produzierbaren Genre zu, dass gerade stark an Beliebtheit zulegte: Dem Barbarenfilm. CONAN – DER BARBAR (1982) hatte just die Lichtspielhäuser dieser Welt verzaubert und in Italien begab man sich fast synchron zu diesem Ergebnis daran, Plagiate en Masse aus dem Boden zu stampfen.
Einer der schnellsten seiner Zunft war dann schon immer Joe D’Amato, der seinen ATOR – HERR DES FEUERS noch im selben Jahr mit CONAN – DER BARBAR veröffentlichen konnte. Tarantini ließ es etwas behäbiger angehen, hatte dafür aber die Möglichkeit, sich auf D’Amatos Werk zu beziehen. So bekommt es der Zuschauer dann mit Ators Sohn zu tun, der auf den Namen Sangraal hört. Das dessen Vater nur ein Jahr später in ATOR II – DER UNBESIEGBARE (1984) dann schon wieder durch diverse mittelalterliche Burgen turnte, obwohl er doch eigentlich in der Steinzeit von DAS SCHWERT DES BARBAREN gestorben ist, ist natürlich gänzlich irrelevant.
Denn das italienische Autoren-Urgestein Piero Regnoli zimmerte ohnehin einfach ein klassisches Conan-Rip-Off zurecht. Mehr noch als in anderen Genreproduktionen ähnelt die Geschichte dem großen Vorbild, teilweise werden sogar ganze Einstellungen kopiert. Das Sangraal eine hübsche Frau und ein asiatischer Bogenschütze zur Seite stehen ist da schon fast obligat. Trotzdem beweist die Geschichte auch einiges an Eigenständigkeit und reichert die gewöhnliche Hatz mit einigen Fantasy-Elementen an. Eine Feuergöttin, ein paar blinde Höhlenbewohner und sonstiger Schnickschnack sorgen für Abwechslung und können im Endeffekt erstaunlich gut unterhalten.

Sangraal: Wir haben‘s geschafft, man!
Wang: Ja, altes Sprichwort: Wenn du drei ins Wasser wirfst und zwei tauchen nur auf, kann einer nicht schwimmen!

Leider eiert Tarantinis Inszenierung teilweise sehr stark, sodass der recht kurze Film trotz durchaus vorhandenem Ideenreichtum doch einige Längen aufweist. Das ist ärgerlich, denn rein inhaltlich wird alles geboten, was ein ordentlicher Barbaren-Smasher so leisten muss: Es gibt immer wieder Aufnahmen, die sich ellenlang auf die Geschlechtsmerkmale der Damenwelt konzentrieren, ölige nackte Männer ringen mit Monstren und immer mal wieder gibt es Blitze und andere Billigeffekte zu sehen.
Darüber hinaus hält der Film eine Vielzahl an unfreiwilligen Lachern parat, was in diesem Genre ebenfalls der Habenseite zuzurechnen ist. Allein der Umstand, dass Sangraal im ganzen Film nicht ein einziges Mal sein riesiges, stets mitgeführtes Schwert zückt, sondern stattdessen immer nur mit einem vergleichsweise unauffälligen Dolch/Kurzschwert in den Kampf zieht, entwickelt sich schnell zum Running Gag. Aber auch der gänzlich inaktive Bösewicht oder die nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen sämtlicher Protagonisten können immer wieder Lacher verbuchen. Das es dann noch eine erquickliche Anzahl an blutigen Effekten gibt – ein Umstand, der in diesen kostengünstigen Genre nun wirklich nicht immer gegeben ist – rundet den guten Gesamteindruck weiter ab.

Aki: Er muss dich sehr lieben. Ich habe gesehen, wie er dich angeschaut hat, bevor er fortritt.
Sangraals Frau: Ja, das tut er. Ich habe aber auch gesehen, wie er dich angeblickt hat …

Die Hauptrolle Pietro Torrisi macht ihre Sache dann schließlich gewohnt dilettantisch. Frei von Mimik oder jedweder schauspielerischen Begabung saust der Herr durch den Film und mimt den wohl unsichersten und weinerlichsten Barbaren, den die Vorzeit je gesehen hat. Erfahrung für diese Darbietung sammelt Torrisi übrigen schon bei GUNAN – KÖNIG DER BARBAREN (1982) und somit erfüllt er alle Anforderungen, die man an den Hauptdarsteller eines italienischen Barbaren-Reißer stellt. In einer Nebenrolle gibt es dann noch Sabrina Siani, die als Hauptrolle in MONDO CANNIBALE 3 – DIE BLONDE GÖTTIN DER KANNIBALEN (1980) und in ATOR – HERR DES FEUERS (1982) ebenfalls über einschlägige Erfahrungen verfügte.
Alles in allem bietet DAS SCHWERT DES BARBAREN also klassische Kost, die trotz einiger inszenatorischer Problemchen erstaunlich gut unterhält. Vor allem die Vielzahl an Fantasy-Versatzstücken in Verbindung mit wirklich allen Stilelementen des Barbarenfilms ergibt eine gangbare Mischung, die für Spaß und Kurzweil sorgt; vorausgesetzt man kann derartigen Filmen etwas abgewinnen …

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Schöner kleiner Barbaren-Reißer, der sich im oberen Genremittelfeld einordnet. Nichts grandioses, aber allemal gute Barbaren-Unterhaltung mit einem Schuss Fantasy-Trash.

Eine Antwort zu “DAS SCHWERT DES BARBAREN

  1. Pingback: THE THRONE OF FIRE | SPLATTERTRASH·

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