ABSURD

absurd

Absurd
Rosso Sangue | Italien | 1981
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Mikos Stenopolis (George Eastman) wurde durch freigesetzte Radioaktivität zu einem mordenden Ungeheuer. Nun irrt er durch eine amerikanische Kleinstadt und bringt alles um, was ihm in die Hände fällt. Die Polizei ist ihm bereits auf den Fersen, als Mikos ein alleinstehendes Haus erreicht, in dem der kleine Willy (Kasimir Berger) auf seine weitgehend gelähmte Schwester Katia (Katya Berger) aufpasst.

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Der 1980 erschienene MAN-EATER (DER MENSCHENFRESSER) konnte aufgrund seiner zwar kruden aber dafür sehr expliziten Gewaltdarstellungen einiges an Renommee einheimsen und deshalb hegte Regisseur Joe D’Amato – seiner Auffassung vom Filmwesen folgend – natürlich ein Interesse daran, weitere ähnlich gelagerte Filme zu produzieren. D’Amatos fester Grundsatz sein filmisches Schaffen betreffend war es nämlich, immer gerade das zu drehen, was sich dem Geschmack des Publikums an ehesten annäherte, um den größten Profit zu ermöglichen. Diese zwar wenig bewundernswerte, dafür aber umso nachvollziehbarere Herangehensweise sorgte dann dafür, dass D’Amato bereits wenige Monate nach dem Release seines berühmten Menschenfresser-Streifens ein Drehbuch für einen Nachfolger zusammengeschustert hatte.
Doch ein enger Vertrauter sollte ihm einen Strich durch die Rechnung machen: Luigi Montefiori, besser bekannt unter seinem Pseudonym George Eastman. Der hatte schon in MAN-EATER die Hauptrolle gespielt und war auch für die Fortsetzung eingeplant. Aber da das Script ihm wiederum nur wenig Screentime zumaß, stellte er die Forderung, ein eigenes Buch schreiben zu dürfen, wenn er ein weiteres Mal den Menschenfresser mimen sollte. D’Amato schlug ein, Eastman kritzelte ein paar Wochen herum und schon konnten die Dreharbeiten beginnen.

Sgt. Engleman: Wir sind ‘nen starkes Team, hm? Ein Priester, ein abgehalfterter Sherlock Holmes und ‘nen Anfänger, der gerade begreift, wie man ‘nen Strafzettel ausfüllt, na das wird ein Spaß …

Das endgültige Script hat dann nichts mehr mit dem nur noch an manchen Alternativtiteln zu erkennenden Vorgänger zu tun, sondern Eastman hat sich kurzerhand bei Carpenters HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978) bedient. Mick Myers wird dann zu einem verstrahlten Irren, Dr. Loomis zu einem Pfarrer und Laurie Strode ist gelähmt. Klingt merkwürdig? Ist es auch! Denn mit Spannung oder Horror hat das alles nichts zu tun. Das Drehbuch erfüllt nur einen Zweck, es soll die zahlreichen Goreszenen einigermaßen zusammenhalten. Und selbst diese vergleichsweise simple Aufgabe stellt ein schier unüberwindbares Hindernis dar. So werden einzelne Einstellungen teilweise minutenlang in die Länge gezogen, ohne dass sie irgendeinen Sinn oder Inhalt hätten. Fast schon erleichternd stürzen dann immer wieder die brachialen Splatterszenen auf den Zuschauer ein und füllen das Bild mit massig knallrotem Kunstblut. Die Effekte sehnen dabei überwiegend recht billig aus, haben aber immerhin die Attribute Härte und Vielzahl auf ihrer Seite.

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Die Szene, in der ein junges Mädchen einen Bohrer durch den Kopf gerammt bekommt, muss man im Übrigen als Reminiszenz an Lucio Fulcis ikonische Bohrer-Szene aus EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980) lesen. Teilweise identisch huldigt D’Amato hier einer der wohl bekanntesten Splatterszenen des italienischen Kinos. Zusammen mit der Tatsache, dass Eastman in seiner ersten Szene seine Gedärme in den Händen hält, gibt der Film dem Betrachter immerhin die Möglichkeit, sein Wissen um die bekanntesten Splattereffekte noch einmal abzurufen.
Ebenerwähnter Eastman mimt dann einen Killer, der dank seines verstrahlten Hintergrundes gar nichts leisten muss; von irrem Grinsen mal abgesehen. Das unterfordert dann allerdings selbst den mäßig begabten George, sodass die Rolle recht trist daherkommt. Die Kinderdarsteller Kasimir und Katya Berger tun ebenfalls nur das Nötigste, immerhin kann man letztere dabei beobachten, wie sie trotz Lähmung und fixierten Halswirbeln den Finalfight gegen den hünenhaften Eastman bestreitet. Zu diesem Zeitpunkt sind Sinn und Verstand aber schon lange von Bord und der Film eiert vorbei an undefinierbarem Unsinn dem Ziel entgegen.
Einer der wenigen Lichtblicke ist die Musik von Carlo Maria Cordio, der ansonsten ein Dasein in den Untiefen des italienischen Genrekinos fristete. Cordio – der ein Jahr später in Form von ATOR – HERR DES FEUERS schon wieder für D’Amato arbeiten sollte – beglückt mit seinem treibenden Synthie-Score zumindest die Ohren des Zuschauers; ein Umstand, für den man durchaus dankbar sein sollte. Neben Quietschen und Getrommel hörte man übrigens auch im Soundtrack immer wieder klare Anleihen bei Carpenters Slasher-Meisterwerk heraus.

Elaine: Hauptsache es schmeckt!
Freundin: In Italien wärst du eine fette Mama!
Elaine: Das wär‘ mir egal, so gut ist das!

Obwohl der Film nun kaum etwas bietet, das mehrmaliges Anschauen rechtfertigen würde, gelangte er doch zu einiger Bekanntheit. Das hat er vor allem den deutschen wie internationalen Zensoren zu verdanken, die, von seiner kruden Brutalität entsetzt, zahlreiche Verbote aussprachen und den Film so erst interessant machten. Vermutlich würde heute niemand mehr ein Wort über diesen Streifen verlieren, wenn die BPjS und Co. den Film nicht indirekt beworben hätten. So haben die Sittenwächter ihn dann genau der Zielgruppe in die Arme getrieben, für die er auch heute noch einiges an Schauwerten bereithält: Gorehounds. Und für ebenjene ist er sicherlich ein interessanter Film, für alle anderen schlicht nicht.

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Totlangweilige Fortsetzung, die inhaltlich nichts mehr mit dem bereits durchwachsenen Vorgänger zu tun hat. Außer zahlreichen brutalen Effekten und einem zugegebenermaßen gelungenen Score gibt es folglich nichts, was man dem Streifen anrechnen könnte.

3 Antworten zu “ABSURD

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