FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2

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Friedhof der Kuscheltiere 2
Pet Sematary II | USA | 1992
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nach dem Tod seiner Mutter zieht Jeff Matthews (Edward Furlong) mit seinem Vater Chase (Anthony Edwards) in das beschauliche Ludlow. Jeff freundet sich mit dem Außenseiter Drew (Jason McGuire) an und als dessen Hund stirbt, machen sich die beiden daran, das Haustier auf einem alten Indianerfriedhof zu begraben, von dem man sagt, dass er Tote wieder zu Leben erwecken könne.

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Mary Lamberts FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE stellte sich 1989 als großer Erfolg an den Kinokassen heraus – der Streifen ist bis heute die viererfolgreichste King-Verfilmung – und regte so Interesse an einem Nachfolger. Lambert, die mit dem ersten Teil ihren größten Erfolg verbuchen konnte, war auch gleich mit von der Partie und ging drei Jahre später daran, eine Fortsetzung zu drehen; etwas, dass für Verfilmungen von King-Büchern eigentlich ungewöhnlich ist. So stand King, der für den ersten Teil noch am Script mitarbeitete, hier auch nicht mehr zur Verfügung und Richard Outten übernahm diesen Posten.
Das Ergebnis tendiert dann in eine etwas kindliche Richtung, was vor allem an der Wahl der Hauptrollen liegt. Edward Furlong hatte sich als Vierzehnjähriger gerade als John Connor in TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG (1991) einen Namen gemacht und präsentiert hier ein weiteres Mal eine jener nihilistisch-negativen Rollen, die im Laufe der Jahre zu seinem Steckenpferd werden sollten. Das alleine würde nun nicht unbedingt für die erwähnte kindliche Tendenz sorgen, aber da wäre ja noch Jason McGuire. Dieser spielt einen klassischen dicken Sidekickbuddy, dessen humorvoll tollpatschige Präsenz Furlongs düsteres Spiel ausgleicht und ein stereotypes Team entstehen lässt. Das funktioniert zwar weitestgehend gut, verpasst dem Film aber einen deutlich komödiantischeren Stil, als er beim Vorgänger der Fall war. Neben den beiden jungen Hauptrollen muss Clancy Brown in der Rolle des Gus Gilbert noch Erwähnung finden, der aus dem zunächst klischeebeladenen Dorfbullen im Verlaufe des Films einen humorvoll überzeichneten Zombiedad macht. Bekanntheit erlangte Brown im Übrigen als Bösewicht Kurgan in HIGHLANDER – ES KANN NUR EINEN GEBEN (1986).

Drew: Manchmal wünsche ich mir Gus wäre tot!
Jeff: Sowas sagt man nicht über seine Eltern, nicht mal über seinen Vater …

Und Browns Rolle ist auch die optische Manifestation dessen, was das Script vom King-Drehbuch des Vorläufers unterscheidet. Während im Original eine morbide Stimmung herrscht, in der das unausweichliche Elend immer näher kommt und sich alles um Kindstod und Wahnsinn dreht, bekennt sich die Fortsetzung offen zu ihrer Substanzlosigkeit und reproduziert die bekannte Geschichte vermengt mit einer ordentlich Portion Humor. Die tragischen Beweggründe einen Louis Creed sucht man hier vergebens, die beiden Jungs schleppen einfach alles was tot ist auf den Friedhof; egal ob Tier oder Mensch. Die Wiedergänger nehmen dann am sozialen Leben teil, verfolgen darüber hinaus eigensinnige Ziele und sind sich selbst für kleine Scherze nicht zu schade.

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Was dem horrorafinen King-Freund nun übel aufstoßen dürfte, kann als kleiner Nobrainer durchaus funktionieren. Dafür sorgt nämlich auch die deutlich erhöhte Anzahl an blutigen Gewalttaten, die schon fast in Splatterfilm-Manier vorgetragen werden. Dabei gibt es dann vor allem im weiteren Verlauf des Films einige hübsche Effekte zu begutachten, die den sinnfreien Spaß ordentlich aufzulockern wissen. Befremdlich erscheint hingegen, dass der Streifen im Gegensatz zum Vorgänger einer Indizierung unterliegt. Ob die überzeichnete Gewalt in diesem Film wirklich schlimmer ist, als die zutiefst pessimistische Stimmung des Vorgängers, darf dabei gerne diskutiert werden …

Chase: Was hat das alles zu bedeuten, Gus? Wieso haben Sie meine Frau ausgegraben?
Gus: Weil ich sie ficken wollte!

Trotz einer Verbindungen zu ersten Teil bleibt der Streifen übrigens weitestgehend eigenständig, Verständnisschwierigkeiten sollten auch ohne Kenntnis des Vorgängers nicht aufkommen. Trotzdem hält das Filmchen für Eingeweihte ein paar nette Anspielungen und Späße bereit. Ansonsten erreicht FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 zu keinem Zeitpunkt eine dem Original ebenbürtige Atmosphäre, allerdings erweckt der Film auch gar nicht den Anschein das zu wollen. Mary Lambert inszeniert hier mit gekonnter Hand einen sinnfreien Horror-Unterhaltungsfilm, der mit zahlreichen Effekten und einer Prise Trash die fehlende Substanz relativ gut zu kaschieren vermag. Das macht das Dingen zwar noch lange nicht zu einem guten Film, aber zu einem ansehbaren 90er-Vehikel macht es das allemal.

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Mit der dichten Atmosphäre des Vorgängers hat das hier nichts mehr zu tun, aber wenn man Atmosphäre und Horror gegen Blut und komödiantische Anteile eintauschen möchte, kann man sich dieses Filmchen durchaus angucken.

Eine Antwort zu “FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2

  1. Pingback: BRAINSCAN | SPLATTERTRASH·

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