FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE

friedhofderkuscheltiere

Friedhof der Kuscheltiere
Pet Sematary | USA | 1989
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Louis Creed (Dale Midkiff) zieht mit seiner Frau Rachel (Denise Crosby), seiner Tochter Ellie (Blaze Berdahl) und seinem Sohn Gage (Miko Hughes) in ein neues Haus auf dem Land. Genau vor dem Haus führt eine stark befahrene Schnellstraße vorbei, der der Familienkater Church recht schnell zum Opfer fällt. Doch der alte Jud (Fred Gwynne) von Gegenüber kennt eine Möglichkeit, das verstorbene Haustier ins Leben zurückzuholen; mit fatalen Folgen.

friedhofderkuscheltiere_1

Der 1983 veröffentlichte Roman Friedhof der Kuscheltiere von Stephen King gilt bis heute als das kommerziell erfolgreichste Werk des Horrorautors. Da ist es dann schon erstaunlich, dass ganze sechs Jahre ins Land ziehen sollten, bis das Werk endlich seine obligatorische Verfilmung erhielt. Ein Grund dafür könnte allerdings sein, dass King bei diesem Film selber das Drehbuch schrieb. Wo ansonsten andere den Inhalt der Bücher für die Filme zurechtschrieben, setzte sich der Schöpfer der Geschichte dieses Mal selber hin und machte aus seinem Buch ein Filmscript. Bei vorherigen Verfilmungen war King nämlich des Öfteren mit der inhaltlichen Umsetzung unzufrieden; bei Kubricks SHINING (1980) verweigerte er dem Film gar den Titel einer offiziellen King-Verfilmung. In der deutschen Presseinformation zum Film findet sich dann allerdings das King-Zitat: „Es war interessant für mich, dieses Drehbuch zu schreiben – ich konnte Dinge in den Film einbringen, die nicht im Buch waren“, welches es wiederum merkwürdig erscheinen lässt, dass King anderen Filmemachern die zuvor genommenen Freiheiten übel nahm.
Im Endergebnis beschränken sich die Erweiterungen dann allerdings auf zwei kleinere Feinheiten: Eine Haushälterin, die der Geschichte allerdings nichts Relevantes hinzufügt und das deutlich häufigere Auftreten von Victor Pascow. Letzteres kann man allerdings mit der im Film so einfacheren Schaffung von Spannung und Grusel erklärt werden.

friedhofderkuscheltiere_x1

Denn die Buchvorlage zieht diese aus der von Beginn an augenscheinlichen Ausweglosigkeit, die vor allem in den Gedanken der Protagonisten entsteht. Im Film funktioniert dieser Pessimismus dann trotzdem gut, und rückt den Film in nicht unerheblichem Maße in Richtung Drama. Bereits als die Familie Creed ihr neues Domizil erreicht wird klar, dass man hier mitnichten ein perfektes Familienleben erwarten darf. Ungereimtheiten zwischen den Eheleuten werden geschickt angedeutet – und im Verlauf bestätigt – was von Beginn eine unruhige Stimmung konstituiert. Diese schwächelt dann zwar im Mittelteil ein wenig, bleibt aber bis zum Schuss auf konstant ordentlichem (und deprimierendem) Niveau.
Dazu trägt auch der erstaunlich routinierte Inszenierungsstil von Regisseurin Mary Lambert bei (die hier erst ihren zweiten Spielfilm ablieferte), der sich nicht vor anderen Vertretern dieses Genres zu verstecken braucht. Ob sie sich dabei allerdings wie geplant mit Werken wie DER EXORZIST (1973) oder DAS OMEN (1976) messen kann, darf doch bezweifelt werden. Trotzdem zählt der Stil des Films mit Sicherheit zu den gelungeneren Darbietungen des klassischen 80er Horrors. Interessant wäre es natürlich gewesen, wenn der lange Zeit eingeplante George A. Romero tatsächlich die Regie übernommen hätte. Unter Umständen wäre die Darstellung der Untoten dann etwas anders ausgefallen …

Jud Crandall: Der Acker im Herzen eines Mannes ist steiniger … so steinig wie die alte Begräbnisstätte der Micmac-Indianer!

Aber auch so weiß deren Auftreten zu unterhalten, auch wenn insbesondere Billy Baterman ein wenig zu trashig daherkommt. Dafür kann aber der wiederauferstandene Gage mit seiner Performance bestens unterhalten. Seine Auftritte wurden zum Teil vom dreijährigen Miko Hughes und zum Teil von einer von bis zu sieben Technikern bewegten Puppe übernommen. Diese wurde unter anderem von Lance Anderson gebaut, der neben DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982), auch an GHOSTBUSTERS – DIE GEISTERJÄGER (1984) und DER BLOB (1988) beteiligt war. Darüber hinaus fertigten die Jungs von der Abteilung Spezialeffekte noch einige nett anzusehende Gewaltszenen, die dem Streifen neben ein paar günstigen Schauwerten in Deutschland auch eine Indizierung einbrachten. Viel wichtiger ist allerdings, dass eben diese Effekte im letzten Drittel des Films dafür sorgen, dass die vormals ernste und dunkle Stimmung ein wenig in Richtung billigen Horrors kippt. Das ist nicht wirklich schlimm, wirkt allerdings ein wenig unstimmig; die mit dem Holzhammer vollführte Schlussszene bestätigt diesen Eindruck übrigens ein weiteres Mal.

friedhofderkuscheltiere_x2

Das ist vor allem schade, weil die Mimen trotz ihrer relativen Unbekanntheit eine ordentliche Leistung abliefern. Vor allem Fred Gwynne, der als Herman Munster in der TV-Serie THE MUNSTERS (1964 – 2007) noch das meiste Renommee vorweisen kann, bringt die Rolle des Jud Crandell hier wundervoll auf den Punkt. Trotz gelegentlichem Overactings finden Kenner der Buchvorlage hier eine weitestgehend stimmige Interpretation des Charakters. Aber auch Dale Midkiff und Denise Crosby bringen die kriselnde Ehe der Creeds ordentlich, wenn auch mit gelegentlichen Schwächen, auf die Leinwand.
Aus kaum nachvollziehbaren Gründen erfuhr der Film dann allerdings nie die Aufmerksamkeit, die er eigentlich verdient hätte. Gerne wird er dann der qualitativ schlechten Welle an kostengünstigen King-Verfilmungen in den 90er Jahren zugeordnet, womit man dem Film allerdings Unrecht tut. Denn auch wenn er nicht mit großartigen Werken wie CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER (1976), SHINING (1980) oder auch CHRISTINE (1983) mithalten kann, so ist der Film doch deutlich gelungener als sein Ruf; und wer spannendes Horrorkino aus den späten 80ern mag, kommt an diesem Film ohnehin nicht vorbei.

friedhofderkuscheltiere_2

Unterschätzte King-Verfilmung, die deutlich besser ist, als gemeinhin behauptet. Vorausgesetzt, man mag pessimistische Dramen und klassischen 80er Horror.

Advertisements

4 Antworten zu “FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE

  1. Pingback: FREDDY’S NEW NIGHTMARE | SPLATTERTRASH·

  2. Pingback: FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 | SPLATTERTRASH·

  3. Pingback: DAS GROßE STEPHEN KING FILM-BUCH | SPLATTERTRASH·

  4. Pingback: THE LOST BOYS | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s