HUNDRA – DIE GESCHICHTE EINER KRIEGERIN

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Hundra – Die Geschichte einer Kriegerin
Hundra | Spanien/USA | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Hundra (Laurene Landon) ist die tapferste Kriegerin eines Stammes von Frauen. Als sie eines Tages ausreitet, um Nahrung zu jagen, wird ihr Dorf jedoch von Männern überfallen und der gesamte Stamm – inklusive Hundras Schwester – wird ermordet. Auf Rache sinnend zieht die Kriegerin also los, das Greul zu rächen, doch die Dorfälteste trägt ihr stattdessen die Pflicht auf, den Stamm zu retten, indem sie sich schwängern lässt.

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Seine Frühphase als Regisseur verbrachte Matt Cimber mit einigen Filmen für Erwachsene, die neben vielen nackten Tatsachen immer auch einen Touch Drama oder Dokumentation enthielten. Danach widmetet er sich mit THE BLACK 6 (1973) oder THE CANDY TANGERINE MAN (1975) dem Blaxploitation-Genre, bevor er sich dann in der Mitte der 80er Jahre daran begab, ein paar flotte Fantasy-Streifen runterzukurbeln. Dazu schnappte er sich Laurene Landon, die gerade als vorlaute Stewardess in DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERRÜCKTEN RAUMSCHIFF (1982) Bekanntheit erlangt hatte, und ließ sich von José Truchado und John F. Goff – der als Darsteller unter anderen in den Carpenter-Streifen THE FOG – NEBEL DES GRAUENS (1980) und SIE LEBEN! (1988) zu sehen war – ein Drehbuch schreiben, dass diese ins Zentrum einer Mischung aus Barbaren-Trash und Komödie steckte.
Die Exposition erinnert dabei noch sehr viel mehr an das omnipräsente Genre-Vorbild CONAN – DER BARBAR (1982), als bei anderen Vertretern dieser Spielart. Nicht genug, dass die Familie/der Stamm/die Verwandten ermordet werden, das Ganze findet auch noch in einem verschneiten Wald statt. Wenn man nicht genau hinsieht, kann man sich fast in Milius‘ Meisterwerk wähnen. Dafür mitverantwortlich ist dann sicherlich auch die tolle Ausstattung, die die meisten Konkurrenzprodukte weit hinter sich lässt. Egal ob Kostüme oder Requisiten, alles wirkt hochwertig und stimmig und wenn es dann später in Städte und Tempel geht, kann man fast schon zu diskutieren beginnen, ob das hier noch Barbaren-Trash ist oder nicht schon Hochglanz-Fantasy

Rothrar: Oh, stellt euch nur vor, Eure Hoheit, die Angebote werden schwindelerregend sein für so ein seltenes Tier! Ich erschaudere vor Erregung!
Pateray: Ich auch! Komm‘ mit, kleide mich an für das Fest!
Rothrar: Mit Vergnügen, Hoher Priester. Den ganzen Tag Weiber zu schmücken ist ja so ermüdend. Ihr Mangel an physischer Kraft und Schönheit wird nur noch übertroffen durch ihre nicht existente Intelligenz und ihr grauenerregendes Geplapper, das einem die Sinne schwinden lässt …

Dafür, dass diese Diskussion sich schnell wieder legt, sorgt dann allerdings das Drehbuch, welches im Laufe der Spielzeit immer wieder ordentliche Portionen an Albernheiten einstreut. Ist die Jagd einer Barbarin nach des Mannes Samen an sich schon abstrus genug, potenzieren kleinwüchsige Banditen, latent willige Höhlenbewohner und der Besuch einer Haremsschule das Ganze noch einmal. Landons ebenso forsche wie hilflose Versuche, sich endlich schwängern zu lassen, sorgen somit dafür, dass die Storyline nicht in der üblichen Rachethematik versinkt, sondern eine gewisse – wenn auch gewöhnungsbedürftige – Eigenständigkeit bietet.
Laurene Landon spielt dabei bestenfalls durchschnittlich, aber das tut der Unterhaltsamkeit keinen Abbruch. Wer von einem solchen Film bzw. seiner Hauptrolle schauspielerische Höchstleistungen erwartet, sollte sein Weltbild ohnehin korrigieren. Da in Spanien gedreht wurde, hat man alle übrigen Rollen kurzerhand mit lokalen Schauspielern besetzt, die allesamt nett mitspielen, ohne allerdings Bäume auszureißen.

Hundra: Ich fühle lieber ein Pferd zwischen meinen Schenkeln, als einen Mann! Denn es bereitet mit Freude anstelle von Schmerz!

Selbiges tut dafür der von niemand anderem als Ennio Morricone beigesteuerte Soundtrack umso mehr. Auch wenn der Score nur eine handvolle Stücke und Variationen umfasst, fesselt er ab dem ersten Ton und stellt so einen der Glanzpunkte des Films dar. Wann immer das Hauptthema sich erhebt, gewinnt der Film an Drive; und erfreulicherweise wird mit dem Stück nicht gespart.
Wer also schon einiges an Barbarenfilmen gesehen hat, der kann sich diesen Streifen vollkommen sorglos zu Gemüte führen. Neben der erfrischend ungewöhnlichen Geschichte, gibt es einiges an Klamauk zu sehen und einen grandiosen Soundtrack zu hören. Und wenn man sich dann am Ende durch zehn Minuten ununterbrochene Zeitlupenkämpfe quält, nur um dann begutachten zu können, wie einen Tempelhure sich auf das Gesicht des Bösewichts setzt, dann weiß man schließlich, warum man dieserlei Filme guckt.

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Netter kleiner Barbarinnen-Trasher, der mit tollem Morricone-Soundtrack und einer ordentlichen Portion (Sex-)Klamauk zu unterhalten vermag. Für Kenner des Genres somit sicherlich interessantes Futter.

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Eine Antwort zu “HUNDRA – DIE GESCHICHTE EINER KRIEGERIN

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