THE FRIGHTENED WOMAN

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The Frightened Woman
Femina Ridens | Italien | 1969
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Dr. Sayer (Philippe Leroy) entführt seine Angestellte Maria (Dagmar Lassander) und sperrt sie auf seinem Landsitz ein. Dort misshandelt er die junge Frau tagelang und macht sie zu seiner Sklavin. Doch schon bald zeigt sich, dass Maria mitnichten das unschuldige Mädchen ist, für das man sie zunächst halten mag und das Blatt beginnt sich zu wenden.

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Der italienische TV-Regisseur Piero Schivazappa brach im Jahre 1969 aus seinem Fernsehseriendasein aus und ging unter dem Produzenten Giuseppe Zaccariello daran, einen Kinofilm zu drehen. Das Drehbuch hatte Schivazappa bereits seit einigen Jahren im Kopf, es fehlte nur an Geld und Möglichkeit zur Umsetzung. Als beides sich 1969 bot, schnappte sich Schivazappa schnell Philippe Leroy und die am Anfang ihrer Karriere stehende Dagmar Lassander und drehte mit diesen beiden einen sehr außergewöhnlichen Film, bei dem er alle TV-Fesseln gänzlich abstreifte.
Die Geschichte steht dabei oft hinter der Form zurück, bietet aber ein paar nette Twists und Unwägbarkeiten, die die Spannung kontinuierlich hoch zu halten vermögen. Das Hauptaugenmerk liegt aber glasklar auf den beiden Charakteren und deren Verhältnis zueinander. Die Entwicklung innerhalb der Beziehung wird gekonnt variiert, Inszenierung und Inhalt greifen ineinander und lassen den Zuschauer das Wechselspiel der beiden auch optisch miterleben.
Doch auch jede andere Einstellung im Film strotzt nur so vor Einfallsreichtum und Verspieltheit. Das exzentrisch modische Inventar des Landhauses dient immer wieder dazu, Montagen voller Farbe und Form zu schaffen, die maßgeblich dazu beitragen, dass das Geschehen schnell in einem surrealen Raum stattzufinden scheint. Schivazappa trägt den Betrachter so unmittelbar in das Geschehen hinein, was auch einige Phasen mit fehlender inhaltlicher Entwicklung locker wett macht.

Dr. Sayer: Es ist alles vorbei. Ich werde dir nicht mehr weh tun.
Maria: Das sagen Sie jetzt, und vielleicht denken Sie es wirklich, aber dann werden Sie mich genauso töten, wie all die anderen Frauen …

Die beiden Darsteller runden diesen guten Eindruck ab, bieten sie doch beide Facettenreichtum und Engagement. Lassanders Wandlung im dritten Akt ist großartig gespielt und stellt so einen schönen Gegenpol zu Leroys zu nächst kaltem, dann angstvollem Spiel dar. Neben dem gelungenen Schauspiel darf auch Stelvio Ciprianis Musik nicht unerwähnt bleiben, stellt diese doch den passenden Rahmen für die optischen Spielereien dar. Der schmissige 60ies-Sound fängt den Hörer schnell ein und arbeitet ebenfalls gekonnt mit Bild und Mimen zusammen.
So bewegt sich der Film dann auf sehr hohem und durchaus auch mal surrealem Niveau und präsentiert ein beachtliches Charakterspiel der beiden Hauptdarsteller. Das Ende erklärt genauso viel wie es offen lässt und gibt damit den nötigen Rahmen zur Interpretation. Diese kann dabei je nach Betrachtung sehr unterschiedlich ausfallen, was noch einmal die Qualitäten dieses – zugegeben nicht immer ganz einfachen – Films unterstreicht. Nicht ganz einfach ist es im Übrigen auch, eine Erklärung dafür zu finden, warum Schivazappa sich nach diesem Film recht schnell wieder ins TV zurückzog. Sein Ausflug in die Welt der künstlerischen Kinofilme kann nämlich nur als sehr gelungen bezeichnet werden; schade, dass er diese Betätigung nicht konsequent weiterverfolgt hat.

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Kein einfacher, aber ein sehr eindringlicher Film, der in Sachen Inszenierung, Ausstattung, Besetzung und Musik wirklich zu beeindrucken weiß.

4 Antworten zu “THE FRIGHTENED WOMAN

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