TÖDLICHES ERBE

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Tödliches Erbe
L’Assassino ha le mane pulite | Italien | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als der alte Cesar bei der Arbeit an den Gleisen von einem Zug überfahren wird, sieht alles zunächst nach einem unglücklichen Zufall aus, doch als sein Testament verlesen wird, stellt sich heraus, dass der alte Mann über einiges an Geld verfügte. Das Erbe soll jedoch dem letzten Willen entsprechend erst ausgezahlt werden, wenn sein behinderter Adoptivsohn Janot (Ernesto Colli) die Volljährigkeit erreicht hat. Das gefällt den drei leiblichen Töchtern Cesars und deren Männern natürlich gar nicht.

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Schon bevor Dario Argento 1969 mit DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE dem Giallo zu seinem Höhenflug Anfang der 70’er Jahre verhalf, gab es interessante Veröffentlichungen in diesem Genre. Mario Bava hatte den Grundstein ja schon 1963 mit LA RAGAZZA CHE SAPEVA TROPPO respektive 1964 mit BLUTIGE SEIDE gelegt und der TV-Serien-Fachmann Vittorio Sindoni ließ sich davon inspirieren und ging 1968 daran, seinen eigenen Beitrag zum Genre zu leisten.
In Sachen Drehbuch erhielt er dabei Unterstützung von Romano Migliorini, der bereits am Script von Bavas DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA (1966) mitgearbeitet hatte, und ein paar Jahre später das Buch für Castellaris EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE (1978) schreiben sollte. Migliorini orientiert sich dabei am klassischen Whodunit-Motiv, welches er gekonnt, wenn auch stellenweise etwas konstruiert, aufbaut. Leider wirkt die Schlusswendung etwas gewollt, aber davon abgesehen bietet der Film eine erstaunlich ausgereifte Geschichte, die von Sindoni ebenso erstaunlich souverän inszeniert wird.

Mädel: Ihr Mann sieht gut aus.
Natalie: Sie können ihn haben, wenn Sie wollen. Unsere Beziehungen sind rein finanzieller Art.
Mädel: Warum lassen Sie sich dann nicht einfach scheiden?
Natalie: Das wäre zu einfach. Er hat mir die besten Jahre meines Lebens genommen, wenn er jetzt seine Freiheit haben will, muss er dafür zahlen. Und nicht wenig …

Ihren Anteil dazu tragen natürlich auch die gut gewählten Schauspieler bei, die durch die Bank zu gefallen wissen. Genretypisch kommt der Damenwelt natürlich besondere Beachtung zu. Hier muss allen vor Femi Benussi als kühle Simone Erwähnung finden. Eindringlich und gefühlvoll verkörpert sie die ausgewogenste der drei Töchter, während Valerie Ciangottini als hübsche Colette und Giovanna Lenzi als schnell dahinscheidende Rosalie sie ebenso engagiert begleiten. Auf Seiten der Herren bleibt vor allem Tom Drake als Inspector Greville im Gedächtnis. Ebenfalls in Erinnerung, wenn auch eher aufgrund seiner auffallenden Fehlbesetzung, bleibt Ernesto Colli. Dabei verkörpert er den Janot recht gelungen, das Einzige was nicht funktionieren möchte, ist schlicht die Altersangabe; angeblich ist die Rolle nämlich noch drei Jahre von der Volljährigkeit entfernt, was das faltige Gesicht von Colli (der während der Dreharbeiten übrigens 28 Jahre alt war) einfach nicht zu vermitteln vermag. Da hilft auch die jugendliche Kappe nichts mehr …
Neben dem sehr gelungenen Soundtrack gibt es dann auch schon frühe Anzeichen von Farbspielereien und bewusst künstlerischer Inszenierung der Morde, was den Film insbesondere im Genrekontext zu einem interessanten Frühwerk macht. Sowohl der Gewaltgrad, als auch die Nutzung von Farbe und Surrealismus bleiben jedoch auf einem überschaubaren Niveau und können sich keineswegs mit den Exzessen der frühen 70’er Jahre messen.
Das ist aber auch gar nicht nötig, denn Sindoni präsentiert hier einen äußerst gelungen Genrebeitrag, der in Deutschland mangels Kinoauswertung leider nie zu großer Bekanntheit gelangte. Das ist schade, denn der Film bietet neben vielen interessanten Bauteilen des gelben Kinos schlicht sehr gute Unterhaltung.

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Klasse Früh-Giallo, der vor allem bewanderten Genrefreunden als bisher kaum bekanntes Werk angeraten sei.

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