TURTLES

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Turtles
Teenage Mutant Ninja Turtles | Hongkong/USA | 1990
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die mysteriöse Foot Gang begeht in New York massenhaft Diebstähle und andere kriminelle Delikte. Die Medien und die Polizei sind ratlos, doch es gibt eine Instanz, die sich der Bedrohung entgegenstellt. Eine Gruppe mutierter Schildkröten, die in der Kanalisation der Stadt lebt, geht mit Hilfe der Reporterin April O’Neil (Judith Hoag) und des selbsternannten Helden Casey Jones (Elias Koteas) daran, dem finsteren Syndikat das Handwerk zu legen.

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1984 veröffentlichten die beiden Zeichner Kevin Eastman und Peter Laird eine Comicreihe namens Teenage Mutant Ninja Turtles über mutierte Schildkröten, die pizzaessend Verbrechen bekämpften. Die Beiden sahen ihr Werk vor allem als Parodie auf die strahlenden Comichelden der 80’er Jahre, und waren dementsprechend überrascht, als sich das Konzept als tragfähig und erfolgreich entpuppte. Drei Jahre später war auch das Fernsehen auf den Stoff aufmerksam geworden und es wurde eine TV-Adaption in Angriff genommen. Diese sollte sich allerdings an die jüngeren Zuschauer richten und so wurde die vormals eher düstere und blutige Vorlage komplett umgekrempelt. Heraus kam eine knallbunte Kinderserie, die trotz dieser massiven Änderungen großen Erfolg feierte und die bis heute immer weitere Fortsetzungen erfährt.

Shredder: Es gibt einen neuen Feind, Missgeburten der Natur, die sich in unsere Geschäfte einmischen. Ihr seid meine Ohren und ihr seid meine Augen, findet sie! Gemeinsam werden wir diese widerlichen Kreaturen bestrafen … diese … Schildkröten!

Ein solcher Erfolg zieht dann natürlich irgendwann das Interesse von Filmstudios auf sich, die ebenfalls ein Stück vom Kuchen abbekommen möchten. In diesem Fall sicherten sich Golden Harvest und Limelight Entertainment die Rechte und gingen mit rund 13 Mio. US$ Budget daran, die Schildkröten ins Kino zu verfrachten. Als Glücksgriff entpuppte sich dabei die Wahl des Regisseurs, denn Steve Barron, dessen Portfolio sich bis dato nur auf ein paar TV-Serien belief, ging mit dem Willen an das Projekt heran, das finstere Flair der Comics wieder aufleben zu lassen. Das gelingt schlussendlich zwar nur in Teilen, aber der Wille dazu verdient schon Anerkennung und tut dem Film merklich gut.

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Natürlich bleibt der Streifen trotz allem eine weitestgehend kindgerechte Komödie, aber die stimmige Ausstattung und immer wieder eingestreute Momente ernsthafterer Natur sorgen dafür, dass der Film sich angenehm von der arg poppigen TV-Serie abzuheben vermag. Vor allem die Rückbezüge auf Splinters Vergangenheit tragen – trotz der teilweise unfreiwillig komischen Tricktechnik – zum allgemeinen Flair bei. Aber auch die Auftritte von Bösewicht Shredder und dessen Gehilfen kommen deutlich rauer daher als im Nachmittagsprogramm. Für die deutschen Kinobetreiber wohl übrigens zu rau, gingen diese doch daran, alle Kampfsequenzen mit vermeintlich lustigen Zirkus-Sounds zu verharmlosen. Das stört natürlich ungemein, verleiht dem im Film getätigten Gag über CRITTERS – SIE SIND DA! (1986) jedoch eine ungewollte Tragweite; stellt doch der zweite Film der außerirdischen Plüschtiere, CRITTERS 2 – SIE KEHREN ZURÜCK (1988), einen der urkomischen Höhepunkte deutscher Synchronisationsarbeit dar.

Rafael: Critters, schon sechzehnmal gesehen und nicht einmal gelacht …

Eine der größten Herausforderungen des Projekts waren aber die Kostüme. Monatelang war die Abteilung Tricktechnik damit beschäftigt, die Schildkrötenklamotten so zu konzipieren, dass diese einerseits tragbarbar und andererseits belastbar genug für die zahlreichen Kampfszenen waren. Schlussendlich gab es Lagerhäuser voller unterschiedlicher Kostüme, die je nach Bedarf eingesetzt wurden. Im Film funktioniert das Zusammenspiel von Menschen in Kostümen mit mechanischen Gesichtern dann erstaunlich gut und nach wenigen Minuten hat man sich an den ungewöhnlichen Look gewöhnt. Stark dazu bei tragen auch die gelungenen Sets, vor allem die heimische Kanalisation der Helden kommt sehr stimmig und liebevoll ausgestattet daher.

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Da der Großteil des Budgets also in die Tricktechnik floss, blieb für Stab und Besetzung dann nicht mehr viel Kohle übrig, was aber zu verkraften war, da die fünf Hauptdarsteller ohnehin ständig im Kostüm stecken. Die weibliche Hauptrolle fiel dann an Judith Hoag, die bis dato – und auch in der Folge – fast ausschließlich im TV tätig war und auch eine dementsprechend mittelmäßige Darbietung zeigt. Ihr menschliches und männliches Gegenüber wird von Elias Koteas gemimt, der als beständiger Hollywood-Nebendarsteller schon die größte Nummer im gesamten Cast darstellt. Aber wen interessiert das schon, das Augenmerk liegt ohnehin auf den grünen Helden, die ausschließlich sprücheklopfend durch die Gegend ziehen. Diese Kanonade an Onelinern ist zwar nicht immer lustig, vermag im Gesamtkontext aber bestens zu unterhalten.
So stellt der Streifen eine überraschend gelungene Verfilmung dar, die – wenn man denn die grünen Nahkämpfer als Hauptrollen akzeptieren kann – beste Unterhaltung bietet; natürlich immer vorausgesetzt, dass man mit dem nötigen Augenzwinkern an die Sache herangeht. Viele Millionen Kinobesucher bestätigten diese Meinung übrigens und verhalfen den Schildkröten somit in Form von TURTLES II – DAS GEHEIMNIS DES OOZE (1991) und NINJA TURTLES III (1993) zu zweiten weiteren Kinoauftritten, die jedoch nicht mehr an den Erfolg des Erstlings anknüpfen konnten.

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Gelungener Action-Trash, der deutlich unterhaltsamer daherkommt als zahlreiche ähnlich gelagerte Filmchen; eine gewisse Nonsens-Resistenz immer vorausgesetzt …

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3 Antworten zu “TURTLES

  1. Pingback: TURTLES II – DAS GEHEIMNIS DES OOZE | SPLATTERTRASH·

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