MASTERS OF THE UNIVERSE

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Masters of the Universe
Masters of the Universe | USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Skeletor (Frank Langella) hat Castle Grayskull erobert und ist nun der uneingeschränkte Herrscher über die Welt Eternia. He-Man (Dolph Lundgren) will sich dem Bösewicht begleitet von Man-At-Arms (Jon Cypher) und dessen Tochter Teela (Chealsea Field) entgegenstellen, muss aber in letzter Sekunde durch ein Dimensionsportal fliehen. Dieses schleudert den halbnackter Hünen allerdings inklusive des Schlüssels, der das Tor öffnete, in eine amerikanische Kleinstadt im Jahr 1987. Da ist Ärger vorprogrammiert …

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1982 veröffentlichte der amerikanische Spielzeugkonzern Mattel eine Serie von Actionfiguren, die den etablierten Konkurrenzprodukten von Hasbro (unter anderem G.I. Joe und Star Wars) das Wasser abgraben sollte. Es handelte sich dabei um eine Mischung aus Fantasy und Sci-Fi, deren Hauptcharakter Prinz Adam von Eternia war; der sich bei Bedarf in den muskulösen Helden He-Man verwandeln konnte. Der Rest ist Geschichte. Das Franchise mauserte sich – unterstützt von Comics und vor allem der 1983 startenden Zeichentrickserie – zu einem der Aushängeschilder der 80’er-Popkultur. Kein Schulhof, kein Kinderzimmer, in dem nicht einige der unzähligen Charaktere aus der Welt Eternia Verwendung fanden.
So war es nur folgerichtig, dass sich bei Mattel irgendwann Interesse an einer filmischen Auswertung des Stoffes regte. Auf der Suche nach einem Filmstudio stieß man dann relativ schnell auf die Action-Schmiede Cannon Films, mit denen man sich recht schnell handelseinig wurde. Der Vertrag sah vor, dass beide Parteien die Hälfte des Gesamtbudgets von rund 20 Mio. US$ stemmen sollten. Das Cannon allerdings forderte, dass Mattel die erste Hälfte stellte, hätte diese schon stutzig machen sollen, hatte allerdings erst Auswirkungen auf die geplante Fortsetzung; aber dazu später mehr.

Skeletor: Ja, ich fühle es, die Macht strömt in mich, sie erfüllt mich, ja! Ich fühle das Universum in mir! Ich bin ein Teil des Kosmos, seine Energie fließt, fließt durch mich hindurch. Das Universum ist Macht, reine, nicht aufzuhaltende Macht! Und ich bin die Kraft! Ich bin die Macht! Auf die Knie mit dir, du kleiner, alberner Wurm! Du … du bist nicht mehr meinesgleichen. Ich bin mehr als die ganze Menschheit! Ich bin mehr als das Leben! Ich hab es geschafft! Jetzt bin ich … jetzt bin ich Gott!

Leider reichte das Budget aber nicht aus, um alle Ideen umzusetzen, die der Vorlage gerecht geworden wären. Also entschied man sich – auch aufgrund der Tatsache, dass sich die Spielzeugserie langsam wieder auf dem absteigenden Ast befand – dazu, den Großteil des Films auf der Erde spielen zu lassen. Das brach natürlich aufs Ärgste mit der Struktur der Vorlage und rief so den Unmut unzähliger Fans hervor, war allerdings aufgrund der begrenzten Mittel nicht zu ändern. Irritierender ist es da schon, dass man darüber hinaus unzählige inhaltliche Änderungen vornahm, die nicht mit fehlender Kohle zu begründen sind. He-Man wird zum Beispiel nur als ebensolcher vorgestellt, Prinz Adam findet keine Erwähnung. Des Weiteren fehlen fast alle Hauptrollen der Vorlage bis hin zu zentralen Rollen wie She-Ra und Battle Cat. Immerhin gibt es dafür Man-At-Arms, Teela, Gwildor (dessen Darsteller Billy Barty gleich mal die Goldene Himbeere als Schlechtester Nebendarsteller abstaubte) und auf der bösen Seite Blade, Beast Man oder Evil-Lyn. Für Fans der Vorlage natürlich viel zu wenig, so dass der Film den erzeugten Unmut wohl oder übel ertragen musste.

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Als Regisseur verpflichtete man Gary Goddard, der sich zuvor mit TARZAN, HERR DER AFFEN (1981) einen Namen gemacht hatte. Dieser bezeichnete die Dreharbeiten dann im Nachhinein mehrfach als nahezu unerfüllbare Aufgabe. Geldprobleme, der schon vor Produktionsbeginn aufkommende Unmut der Fans und ein Drehbuch, das wohl kaum weiter vom originalen Flair entfernt sein konnte, machten die Dreharbeiten zur Tortur. Denn ein weiteres Problem war, dass das Franchise sich nun mal hauptsächlich an Kinder richtete, so dass es He-Man verboten war, allzu grausam zu sein, ja gar jemanden zu töten. Das führte zum einen dazu, dass He-Man auf Eternia nur gegen Stormtrooper-Klone (die dann das Originaldesign noch weiter untergraben) antritt und zum anderen bewirkte es, dass der Teil des Films, der auf der Erde spielt, als unterhaltsame Komödie konzipiert wurde. Drehbuchautor David Odell hat das dann auch gnadenlos so umgesetzt, was dem Film dann bei der Fangemeinde endgültig das Genick brach.

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Und tatsächlich, über weite Teile des Streifens fühlt man sich wie in einer Highschool-Komödie; dumme Sprüche, platte Gags und mäßige Actionsequenzen. Doch dann turnen  plötzlich nackte Hünen und futuristische Monster durchs Bild und wollen dem unschuldigen Keyboarder an die Wäsche. Und was sich derart skurril anhört, ist es auf der Leinwand in der Regel auch. So fällt es dem Film schwer, eine einheitliche Stimmung zu konstruieren. Denn die ersten und die letzten 20 Minuten spielen auf Eternia und erzeugen dort durchaus eine gelungene Atmosphäre (auch wenn aus Budgetgründen fast nur der Palast als Kulisse herhalten konnte). Wer auf trashige Sci-Fi-Kost steht, wird hier sicherlich gute Unterhaltung finden, da wird von Laserstrahlen und Lichtpeitschen bis hin zu Dimensionstoren und massig Latex alles geboten. Dazu noch eine angenehm wirre Besetzung mit Dolph Lundgren in seiner ersten Hauptrolle und den beiden Genre-Spezialistinnen Courteney Cox sowie Meg Foster und fertig ist die unterhaltsame Trash-Action. Wäre da eben nicht diese oftmals frappierende, weil nicht zu erklärende Abweichung von der Vorlage.

Detective Lubic: Na schön, ihr hässlichen Vögel, dann darf ich mal mitspielen, ja? So … jetzt gibt’s mit der groben Kelle!

Letztlich muss sicherlich jeder selbst entscheiden, ob er an dem Film Spaß haben kann, eines ist der Streifen aber sicherlich nicht: Ein Film, der dem He-Man-Universum gerecht wird. Und die Entscheidung einen Film mit einem Sujet von fernen Welten und magischen Abenteuern ausgerechnet auf der Erde spielen zu lassen,  wird man wohl bis heute nur schwer erklären können. Denn auch mit weniger Budget hätte man einen billigen Reißer auf einem Eternia drehen können. Und für mehr hat es vor allem aufgrund der Verortung auf Mutter Erde schlussendlich einfach nicht gereicht.
Immerhin war der Videomarkt dazu in der Lage, den miserablen Kinoschnitt des Films so weit zu heben, dass Cannon einen Nachfolger drehen wollte. Dieser wurde auch schon fleißig beworben und gedreht, bis plötzlich das Geld zur Neige ging. Kurzerhand drückte man B-Fachmann Albert Pyun, der sich mit TALON IM KAMPF GEGEN DAS IMPERIUM (1982) bereits bewiesen hatte, das Material, die Kulissen und die letzten Groschen in die Hand und der zimmerte daraus die Action-Granate CYBORG (1989). Auch nicht schlecht.

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Wer einfach nur trashige Action in einer amerikanischen Kleinstadt sehen möchte, kann bedenkenlos zugreifen. Wer allerdings eine ordentliche Adaption der Vorlage – oder gar einen coolen Sci-Fi-Fantasy-Streifen – erwartet, der wird maßlos enttäuscht. Schade drum …

3 Antworten zu “MASTERS OF THE UNIVERSE

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