DIE INSEL DER BLUTIGEN PLANTAGE

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Die Insel der blutigen Plantage
Die Insel der blutigen Plantage | Deutschland/Philippinen | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Auf einer Südseeinsel führt der skrupellose Otto Globocnik (Karl-Otto Alberty) mit seinen Untergebenen eine Plantage, auf der er unzählige einheimische Mädels arbeiten lässt. Was er nicht weiß: Hermano (Udo Kier) ist in eines der Mädchen verliebt und plant eine gemeinsame Flucht. Doch der Plan fällt ins Wasser, was bedeutet, dass sich die Situation für das junge Paar bedenklich zuspitzt.

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1978 gründete der Österreicher Peter Kern das Filmstudio Luxor-Filmproduktion. Um dann Finanzmittel für Filmvorhaben zu generieren mussten erst einmal ein paar Erfolge her. Mit dem Schauspieler Kurt Raab als Regisseur an Bord ging es dann auf die Philippinen, um dort einen kleinen, billigen Exploitation-Reißer runterzukurbeln; eine der einfachsten Möglichkeiten im Filmgeschäft Geld zu verdienen. Allerdings war der philippinische Produzent Felipe G. Ortega Jr. bereits aller Finanzen bar, als die Filmcrew die Insel erreichte. Als man ihm daraufhin mitteilte, dass er unter diesen Bedingungen nicht mehr gebraucht würde, erregte das dessen Zorn, und so versuchte Ortega in den nächsten Wochen den Dreh zu stören wo es nur ging. Das führte schließlich so weit, dass die Filmcrew ihre Besitztümer und Arbeitsmaterialien verstecken musste, um der Sabotage Ortegas zu entgehen. Der Umstand, dass der Film trotzdem fertiggestellt wurde grenzt an ein Wunder und reiht sich nahtlos in die Kuriositäten ein, die den Film sowohl in Sachen Produktionsumstände als auch in Sachen Inhalt umgeben.

Sanchez: Ein gepflegtes Nümmerchen ist besser als eine Schlaftablette!

Das Script von Kurt Raab ist nämlich feiste Exploitationkost, die als solche eigentlich ins Italien der späten 70’er Jahre gehört. Ein guter Schuss Women-In-Prison trifft hier auf klassische Naziploitation. Leider fehlte hier der letzte Mut, so dass die augenscheinlichen Nationalsozialisten nicht als solche bezeichnet werden und sich auf ihren roten Armbinden mit weißem Punkt nur ein Palmensymbol wiederfindet. Das Verhalten und die Aufmachung lassen allerdings nicht daran zweifeln, dass die Naziploitation-Reißer der 70’er Jahre hier Pate standen. Barbara Valentins Rolle als Blutige Olga weckt gar Erinnerungen an den Genre-Primus ILSA – DIE HÜNDINNEN VOM LIEBESLAGER 7 (1975). Aber auch wenn hier und da die letzte Konsequenz fehlt, besteht doch kein Zweifel daran, dass hier bewusst ein auf Ausbeutung bedachter Schmuddelfilm gedreht werden sollte. In schöner Regelmäßigkeit entblößte Brüste, sowie einige stellenweise schon Softcore-würdige Dialoge treiben dem Genrefreund Freudentränen in die Augen und vertreiben jeden Mainstream-Konsumenten.

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So ist es folglich eher persönlichen Bekanntschaften zu verdanken, dass der deutsche Horror-Superstar Udo Kier die Hauptrollen übernommen hat. Dieser hatte sich mit Knallern wie HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT (1969), DIE GESCHICHTE DER O (1975) oder Argentos SUSPIRIA (1977) bereits an die Spitze gespielt. Hier präsentiert er gewohnt kühl und abgeklärt einen Soldaten, der mit seinem Chef bricht und mit seiner Freundin fliehen möchte. In Anbetracht der ansonsten schwachen Darstellerriege trägt Kier den Film dann auch fast alleine, einzig Barbara Valentin kann – auch aufgrund ihrer ikonischen Rolle – ebenfalls punkten. Darüber hinaus bleibt Karl-Otto Alberty zumindest aufgrund seines gnadenlosen Overactings in Erinnerung.

Otto Globocnik: Hör mir gut zu. Armano und du, ihr werdet mir jetzt ein Liebesspiel vorführen, ein Liebesspiel voller Erotik. Ich hasse stumpfsinnige Vögeleien.

Der Film spult dann ein standardisiertes WIP-Exploitation-Programm herunter, ohne größere Überraschungen. Neben nackten Tatsachen gibt es auch ein paar Gewaltszenen, die in puncto Machart durchweg überzeugen können und zusammen mit dem allgemein dreckigen Flair des Films wohl auch für dessen zügige Indizierung verantwortlich waren. Diese sorgte dann leider dafür, dass der Film bis heute ein Nischendasein führt. Das ist besonders bedauerlich, weil er zu den wenigen deutschen Vertretern in diesem Genre zählt.
Natürlich stellt der Film letztendlich nur Durchschnittskost dar, aber vor allem die oben erwähnte Einzigartigkeit, die Besetzung Udo Kiers und die äußerst skurrile Entstehungsgeschichte sollten eigentlich dafür sorgen, dass diesem Streifen mehr Beachtung zu Teil wird. Wenn man nämlich hört, dass der vor Ort engagierte Sprengmeister sein Dynamit so manches Mal betrunken inmitten der Darsteller zündete und der erwähnte Herr Ortega selbst die örtliche Presse gegen die Produktion aufbrachte, ist es eigentlich erstaunlich, dass der Film es jemals auf die Kinoleinwand schaffte. Da braucht es den gnadenlos unpassenden Soundtrack gar nicht mehr, um in Erinnerung zu bleiben.

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Ein Streifen voller Kuriositäten und darüber hinaus einer der wenigen deutschen Women-In-Prison- bzw. Urwald-Exploitationfilme. Dazu noch Udo Kier, dumme Sprüche, viel nackte Haut und ein wenig Kunstblut. Da kann man kaum erklären, warum der Film bis heute kaum Beachtung findet.

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