HALLOWEEN 2 – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK

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Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück
Halloween II | USA | 1981
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Wir befinden uns immer noch in der Halloweennacht des Jahres 1978. Michael Myers (Dick Warlock) ist verletzt geflohen und trachtet Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) nach wie vor nach dem Leben. Dr. Sam Loomis (Donald Pleasence) verfolgt den maskierten Killer in das örtliche Haddonfield Memorial Hospital, wo Laurie nun behandelt wird. Es dauert nicht lange, bis Michael auch in dem Krankenhaus zu morden beginnt.

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Der bahnbrechende Erfolg von HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978) machte die Frage nach einem Nachfolger schon früh obsolet. Insbesondere das offene Ende des Originals lässt kaum Zweifel daran aufkommen, dass Regisseur und Drehbuchautor John Carpenter die Türe schon damals bewusst offen stehen ließ. Aber spätestens nachdem der Film dann ein Vielfaches seiner Kosten eingespielt und nebenbei das Genres des Slasherfilms in Hollywood etablierte hatte, war klar, dass eine Fortsetzung her musste. An dieser wollte Carpenter allerdings nicht mehr als Regisseur beteiligt sein, so dass er sich – wiederum zusammen mit Debra Hill – auf die Arbeit als Produzent und Drehbuchautor beschränkte. Stattdessen übernahm Rick Rosenthal das Ruder am Set, der sich danach vor allem als Regisseur von TV-Serien verdingte und im Jahre 2002 beim Abschluss der Reihe HALLOWEEN: RESURRECTION ebenfalls Regie führte.
Das Script setzt dann nahtlos am Vorgänger an, und führt den Zuschauer per nachgedrehter Szenen sehr knapp in die Geschichte ein. Was für Unbedarfte sicherlich ein wenig kompliziert ist, vermag Freunde des Originals zügig in die Geschichte zu holen. Leider ist damit eines der größten Alleinstellungsmerkmale des Drehbuchs auch schon behandelt, denn die weitere Geschichte präsentiert sich auffällig innovationsarm; selbst die Fernseher-Hommage wiederholt sich, nur das diesmal DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) anstelle von DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1951) zu sehen ist. Wieder zieht Myers seine Kreise und meuchelte diesmal deutlich mehr Unschuldige dahin. Erst spät versucht das Buch, neue Aspekte wie die mythologische Untermauerung oder die familiäre Beziehung zwischen Myers und Laurie zu konstituieren. Diese Versuche sind zwar ebenso löblich wie interessant, werden aber zu wenig konsequent umgesetzt und bleiben so höchsten Beiwerk.

Nachbar: Was ist da draußen los?
Dr. Loomis: Rufen Sie die Polizei. Sagen die dem Sheriff, ich hätte ihn erschossen.
Nachbar: Wen?
Dr. Loomis: Sagen Sie ihm, er wäre geflohen!
Nachbar: Was soll das ganze Affentheater? Hab mich schon fast zu Tode geärgert über das Kindergeschrei!
Dr. Loomis: Sie wissen doch gar nicht, was „tot“ ist!

Sehr viel mehr als nur Nebensache sind hingegen die Gewaltszenen im Film. Im Gegensatz um Original, welches deutlich mehr auf Thrill und Suspense setzte, gibt es nun gleich eine beachtliche Bandbreite an Brutalitäten zu sehen. Dabei war der Film zunächst deutlich harmloser angelegt, bis erste Testvorführungen zeigten, dass das Publikum nicht entsprechend den Erwartungen reagierte. Das lang vor allem daran, das HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS einen wahren Reigen an Slasherfilmen losgetreten hatte, die sich, angeführt von FREITAG DER 13. (1980), stets in ihren Gewaltdarstellungen zu überbieten versuchten. Somit war das Publikum mit der unblutigen Halloween-Fortsetzung nicht zu begeistern. Carpenter selbst drehte daraufhin einige Szenen nach (unter anderem auch die Director’s Cut-Szenen für der ersten Teil), die den Film dann um einiges brutaler machten und so die Gunst der Publikums erwerben konnten. Hierzulande führt das zu einer umgehenden Indizierung sowie Beschlagnahmung, welche bis heute Bestand haben.

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Leider wirken die einzelnen Sequenzen dabei sehr unzusammenhängend, was den Eindruck entstehen lässt, dass hier um jeden Preis Kills eingebaut werden sollten. Das stringente Fortschreiten des Vorgängers bleibt dabei ebenso auf der Strecke, wie dessen ruhig aufgebaute Atmosphäre. Im Gegensatz dazu stehen die sehr ordentlichen Schauspielleistungen von Jamie Lee Curtis und Donald Pleasence, die beide wiederum überzeugen können. Leider erhält insbesondere Curtis deutlich weniger Screentime, was sie in wenig an den Rand des Geschehens drängt. Wenn es dann aber zur Sache geht, kann sie trotzdem mit eindringlichem Spiel überzeugen.
Das Gleiche gilt für Carpenters musikalische Begleitung der Geschehnisse. Natürlich hält sich der Meister dabei eng an die Komposition des Originals und nimmt nur minimale Anpassungen vor; was bei einem derart legendären Score aber genau die richtige Entscheidung ist. So vermag schon das Intro – welches dem des Vorgängers ebenfalls frappierend ähnelt – nur durch den Klang zu begeistern. Übrigens stellte HALLOWEEN 2 neben DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) den Beginn der Zusammenarbeit von Carpenter und Toneffektspezialist Alan Howarth dar, die in den folgenden Jahren äußerst fruchtbar verlaufen sollte.
Insgesamt stellt die erste von vielen Fortsetzungen des Halloween-Sujets also ein durchwachsenes Erlebnis dar. Als schmuckloser 80’er-Slasher durchaus zu empfehlen, fällt der Streifen im Vergleich zum Vorgänger in allen Belangen deutlich ab. Am schlimmsten wiegt dabei wohl die latente Ideenarmut, die jegliche Eigeninitiative vermissen lässt. Umso erschreckender ist das, wenn man bedenkt, dass das Drehbuch von Carpenter selbst stammt. Immerhin vermag der deutlich gesteigerte Bodycount in Verbindung mit dem tollen Soundtrack und solidem bis guten Schauspiel trotzdem dafür zu sorgen, dass HALLOWEEN 2 – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK ordentliche Slasher-Unterhaltung bietet; mehr aber auch nicht.

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Nette Fortsetzung, die dem Original aber nicht ansatzweise das Wasser reichen kann. Immerhin stehen dem schrecklich ideenlosen Drehbuch ordentliche Kills und der nach wie vor großartige Score gegenüber.

4 Antworten zu “HALLOWEEN 2 – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK

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