EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT

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Eine Million Jahre vor unserer Zeit
One Million Years B.C. | Großbritannien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Tumak (John Richardson) lebt in grauer Vorzeit beim Felsen-Stamm, der von seinem Vater Akhoba (Robert Brown) angeführt wird. Eines Tages kommt es zum Streit, und Tumak muss seinen Stamm verlassen. Nach einer Odyssee durch die Steinzeit trifft er schließlich auf einen deutlich zivilisierteren Stamm und die schöne Loana (Raquel Welch). Doch die Konfrontation zwischen den beiden Stämmen lässt nicht lange auf sich warten.

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Der Brite Don Chaffey, der sich im Laufe der 80’er Jahre vor allem als Serienregisseur einen Namen machen sollte, war zwei Jahrzehnte zuvor an diversen Fantasy-Produktionen beteiligt. Vor allem der 1963 entstandene JASON UND DIE ARGONAUTEN muss an dieser Stelle erwähnt werden, ragt er doch aus dem Gros an durchschnittlichen Monumentalschinken heraus. Und das nicht zuletzt dank der Mitarbeit von Effekt-Legende Ray Harryhausen. Diese vielversprechende Zusammenarbeit sollte dann drei Jahre später ihre Fortsetzung erfahren. Doch anstatt sich wieder der griechischen Mythologie zu widmen – dem Ende von JASON UND DIE ARGONAUTEN hätte eine Fortsetzung gut zu Gesicht gestanden – begab man sich noch ein paar Jahre weiter in die Vergangenheit und gab der Frühgeschichte der Menschheit den Vorzug. Das dürfte vor allem eine Idee Harryhausens gewesen sein, der nun endlich die Zeit gekommen sah, seine schon seit der Jugend bestehende Leidenschaft für Dinosaurier mit seiner Arbeit als Effektspezialist zu verbinden.
Das Drehbuch (welches im Übrigen ein Remake von TUMAK – DER HERR DES URWALDS (1940) darstellt) steuerte Michael Carreras bei, der als alter Hammer-Studio-Haudegen auch gleich für die Finanzierung des Streifens verantwortlich war. Mit diesem Geld wurde dann neben dem aus DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (1960) bekannten John Richardson die bis dato unbekannte Raquel Welch verpflichtet. Und deren Auftritt als fellbewährte Amazone ermöglichte es ihr, noch im selben Jahre mit DIE PHANTASTISCHE REISE den großen Durchbruch zu feiern.

Erzähler: Akhoba hat zwei Söhne, Sakana und Tumak, brüderliche Liebe ist ihnen unbekannt. Und hier beginnt unsere Geschichte …

Das Script ist dann auch ganz possierlich ausgefallen, und erzählt eine gefällige Geschichte von Liebe und Rivalität. Leider ist das alles aber wenig zusammenhängend oder gar kausal, so dass sich der Film über weite Strecken ziemlich belanglos darstellt. Das liegt mit Sicherheit zu nicht unerheblichen Teilen an den gänzlich fehlenden Dialogen. In der Steinzeit wurde halt nicht gesprochen, und der Film hält sich knallhart an diese Tatsache. Bis auf ein paar gegrunzte Namen gibt es nur drei Textzeilen vom Erzähler zu hören. Zusammen mit der ebenfalls fehlenden Musikkulisse sorgt das dafür, dass einige Längen entstehen, die die überschaubare Storyline nicht zu kaschieren vermag. Wunderlich ist das – historisch korrekte – Fehlen von Sprache dann vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Dinosaurier sowie riesige Echsen und Kröten die Landschaft bevölkern. Es gibt also keinen Grund, sich hinter vermeintlicher Akkuratesse zu verstecken; es handelt sich schließlich um einen Fantasyfilm.

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Jedoch fällt auch dieser Aspekt bestenfalls durchschnittlich aus. Zwar gibt es in regelmäßigen Abständen gelungene Effekte zu sehen (vor allem die sehr gute Stop-Motion-Arbeit während der Attacke auf das Dorf des blonden Stammes muss hier erwähnt werden), aber trotz beleibt ein fader Beigeschmack, weil die Sequenzen meist reiner Selbstzweck sind. Hier zeigt sich noch einmal, dass es dem Film schlicht an einer stringenten Handlung fehlt. Das ist zwar per se nichts Schlechtes, aber es bleibt der Eindruck, dass man sich im Stab nicht ganz einig war, ob man nun einen Dino-Reißer oder ein Steinzeit-Epos drehen wollte. Beides passt nur schlecht zusammen und ergibt schließlich das vorliegende Filmchen, welches nicht weiß, wo es hingehört.

Erzähler: Die ersten Menschen … den anderen Lebewesen nur durch ihre Schlauheit überlegen …

Die Darstellerriege kann bei solchen Umständen natürlich nur bedingt glänzen. Trotzdem gelingt es vor allem Raquel Welch, sich mit einem zauberhaften Lächeln und knapper Kleidung ins Gedächtnis zu spielen und so den Grundstein für ihre weitere Karriere zu legen. Und Senta Berger wird für ihre sehr ähnlich gelagerte Rolle in ALS DIE FRAUEN NOCH SCHWÄNZE HATTEN (1970) wohl auch mal einen Blick auf Welchs Darbietung geworfen haben.
Die Hammer Studios ließen es sich natürlich nicht nehmen, den Stoff noch weiter auszuschlachten und schoben 1970 den lose mit diesem Film zusammenhängenden ALS DIE DINOSAURIER DIE ERDE BEHERRSCHTEN nach. Auch dort wird auf Dialoge verzichtet, so dass sich jeder, dem EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT gefallen hat, auch auf jenes Werk stürzen darf.

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Fehlende Dialoge machen die durchschnittliche Geschichte zu einer faden Angelegenheit. Da können auch die netten Harryhausen-Effekte nichts dran ändern …

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Eine Antwort zu “EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT

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