SIE NANNTEN IHN EL LUTE

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Sie nannten ihn El Lute
Bobbie Jo and the Outlaw | USA | 1976
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Lyle Wheeler (Marjoe Gortner) ist ein junger Mann, der durch Amerika fährt und macht was er will. Sein Vorbild ist dabei sein spanischer Vorfahr El Lute, der das dortige verrottete Gesellschaftssystem aufgemischt hat. Bei seinem Vorhaben, dasselbe auch in den USA zu tun, begleiten Wheeler die hübsche Bobbie Jo (Lynda Carter) und das Nachtclub-Pärchen Slick (Jesse Vint) und Pearl (Merrie Lynn). Schnell gehören auch Morde zum Repertoire der Truppe, was dann eine Unmenge an Gesetzeshütern auf den Plan ruft.

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In der Mitte der 70’er war in Kalifornien alles im Lot. Günstiger Sprit und ein allgemeines Gefühl von Freiheit brachte den Bürgern das schöne Leben wieder, welches nach Problemen in der Gesellschaft und in Südostasien in den Jahren zuvor ordentlich gelitten hatte. Dementsprechend bemühten sich zahlreiche Filmemacher, dieses Gefühl in Form von Roadmovies einzufangen. Sehr beliebt war dabei auch immer das Bonnie & Clyde-Thema, welches sich auch Mark L. Lester schnappen sollte, um seiner Karriere auf die Beine zu helfen. Also kurbelte auch der Mann, der später mit dem weitsehenden Drama DIE KLASSE VON 1984 (1982) und dem Schwarzenegger-Klopper PHANTOM-KOMMANDO (1985) bekannt werden sollte, einen kleinen, schmutzigen Beitrag zu diesem Genre runter.
Das Drehbuch stammt von Vernon Zimmermann und die Hauptrolle erhielten der Trash-Fachmann Marjoe Gortner – bekannt für Streifen wie INSEL DER UNGEHEUER (1976) und STAR CRASH – STERNE IM DUELL (1978) – und Lynda Carter, die von 1975 bis 1979 in der Fernsehserie WONDER WOMAN die Hauptrolle inne hatte. Die beiden geben dann auch ein charmantes, wenn auch sehr stereotypen Pärchen ab, das den beiden großen Vorbildern ordentlich nacheifert und massig Geballer und Erotik liefert; das die Sexszene dabei gleich zweimal gezeigt wird, kann man getrost übersehen. Und weil Viel bekanntlich auch viel hilft, gibt es in Form von Slick und Pearl noch ein zweites Pärchen, das – verkörpert von Jesse Vint und Merrie Lynn – genau das Gleiche macht wie die anderen zwei. Erwähnenswert ist noch der stereotype Sheriff, der pöbelnd und spuckend hinter den Ganoven herjagt. Hier macht Gene Drew einen tollen Job, hat er doch in seiner Karriere ohnehin nur dreimal genau Rollen dieser Art gespielt.

Lyle: Wenn du hier weiter die Hühner verscheuchst, dann flipper ich gleich mit deinem Kürbis!

Diese Truppe eiert dann von Städtchen zu Städtchen und ballert was das Zeug hält, ständig verfolgt von einer Unmenge an Gesetzeshütern, die genauso verfahren. Dass dabei kaum ein Protagonist stirbt, und die zwei Pärchen stets entkommen können stört genauso wenig, wie der Umstand, dass hinter dem Ganzen eigentlich kaum ein vernünftiger Sinn steckt. Die zweimal zaghaft eingestreuten Verweise auf einen spanischen Revoluzzer reichen da auch nicht aus. Einzelne Szenen, in denen die Protagonisten nackt in einem See sitzend halluzinogene Pilz mit einem alten Indianer verputzen bestätigen den Eindruck, dass es hier mehr um Unterhaltung und Lebensgefühl geht, als um das Erzählen einer spannenden Geschichte.

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Das macht aber auch nichts, denn die Actionsequenzen und vor allem die allgegenwärtigen Sprücheklopfereien sind ohnehin das Hauptargument, sich diesem Streifen zu widmen. Es vergeht kaum ein Satz ohne dummen Spruch, was die Geschehnisse zusätzlich ad absurdum führt. Jedwede Ernsthaftigkeit wird so schon zu Beginn über Bord geworfen, um hemmungslosem Entertainment Platz zu machen. Da ballern Mädels dann auch mit Sturmgewehren umher, man duelliert sich zum Spaß (nicht ohne danach den Sarg des Verlierers zu bezahlen) oder zieht einen Tresor gleich mit Hilfe eines Trucks und einer Kette aus der Bank; bei letzterer Szene kommt man übrigens nicht umher zu vermuten, dass Peter Thorwarth sich auch mal mit dem frühen Schaffen von Mark L. Lester beschäftigt hat.
In Verbindung mit flotter Musik und schönen Landschaftsaufnahmen kann man dann auch manche Länge oder das lahme Ende verschmerzen und bekommt so ein flottes Roadmovie geboten, in dem es deutlich weniger um die Suche nach Freiheit oder dem Selbst geht, als vielmehr um Geballer und dumme Sprüche. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein.

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Nettes Roadmovie mit massig dummen Sprüchen und exzessivem Waffeneinsatz. Sicherlich kein ganz großer Wurf, aber als Frühwerk von Mark L. Lester sicherlich ebenso interessant wie unterhaltsam.

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