THE RIFFS – DIE GEWALT SIND WIR

The Riffs – Die Gewalt sind wir
1990: I guerrieri del Bronx | Italien | 1982 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Im Jahre 1990 ist die Bronx ein heruntergekommenes Loch ohne Gesetz und Perspektive. Als einzige Bewohner haben sich verschiedene Banden dort breit gemacht, die ihre Territorien mit Gewalt verteidigen. Trash (Mark Gregory), dem Anführer der Riffs, fällt eines Tages die hübsche Ann (Stefania Girolami) in die Hände; diese ist ihrem reichen Vater entlaufen und möchte ihr Glück in der Bronx finden. Dummerweise hat jener schon einen skrupellosen Gesetzeshüter (Vic Morrow) entsandt, so dass sich Trash an den König der Bronx (Fred Williamson) wenden muss.

1979 schuf Walter Hill mit DIE WARRIORS einen der Bandenfilme schlechthin. Bis heute ein Klassiker zog der Streifen dann in den Folgejahren die üblichen Nachahmer nach sich. An vorderster Front ist dabei Enzo G. Castellari zu nennen. Dieser war nach METROPOLIS 2000 ohnehin gerade auf einem Endzeit-Trip, so dass man auch gleich die apokalyptische Bronx im Jahre 1990 darstellen konnte. Da zwei Einflüsse jedoch besser sind als einer, bediente sich Castellari auch gleich noch bei Carpenters frisch veröffentlichtem Kracher DIE KLAPPERSCHLANGE. Daraus mixt er dann einen toll ausgestatteten Banden-Action-Flick, dessen Drehbuch ihm jedoch leider höhere Weihen versagt.
Dabei kann sich vor allem der Cast wirklich sehen lassen. Die Hauptrolle schnappte sich Mark Gregory, der sich bei der Bewerbung angeblich gegen rund 2.000 Mitbewerber durchsetzen konnte. Das belegt dann auch, dass sein bewusst körperbetontes Auftreten auch so gewollt und keineswegs aus der Not geboren ist. Schauspielerisch ist der Herr zwar arg limitiert, aber seine schlichte Präsenz bleibt im Gedächtnis. Sein Gegenspieler Vic Morrow mimt dann einen durch und durch bösen Law-and-Order-Bullen, der gen Ende deutlich faschistische Züge offenbart. Noch über diesen beiden thront dann Fred Williamson, der als Chef der aristokratisch-pimpigen Tigers zu beeindrucken vermag. Für die Blaxploitation-Legende natürlich eine Rolle die er im Schlaf beherrscht.

Ice: Hey Mann, lass‘ die Kacke im Arsch!

Und wo wir gerade von den Tigers sprechen, sind wir auch schon beim Kern des Films angelangt. Der überraschend gut ausgestattete Film lebt nämlich von seinen teils originellen, teils grotesk überzeichneten Banden. Sind die zentralen Riffs noch eine stereotype Rockerbande (deren Mitglieder übrigens bis auf die Sprechrollen von echten Hells Angels gemimt wurden), fallen die Rollers schon als extrem trashige Rollschuh-Truppe in bunten Kostümen auf (deren Chef übrigens niemand anders als George Eastman ist). Die barbarischen Scavengers erinnern dann wieder sehr stark an die kannibalischen Tunnelratten aus DIE KLAPPERSCHLANGE, während die Iron Men eine „Reminiszenz“ an die Droogs aus Kubricks UHRWERK ORANGE darstellen. Richtig zu Sache geht es zwischen den Gruppen allerdings nur selten, irgendwie führen diese ein recht einvernehmliches Dasein.
Deutlich mehr Ärger gibt es dann schon mit der Staatsmacht. Was sich zunächst in ein paar Graffiti-Schmiererein äußerst, wird nachher zu einem blutigen Kampf. Von Staatsseite wird dieser dann tatsächlich mit Flammenwerfern auf Pferden geführt. Den strategischen Nutzen muss Castellari zwar noch mal erklären, aber immerhin gibt es so massig Brandwunden im Finale. Dabei bleibt jedoch alles im Rahmen des Erträglichen, so dass der Film die Grenzen des guten Geschmacks nie überschreitet.

Trotz der teils tollen Bilder – vor allem die menschenleeren Straßen der Bronx sind für italienische Rip-Off-Verhältnisse sehr schön eingefangen – muss sich der Zuschauer bis zum flotten Finale durch so manche Länge kämpfen, was vor allem dem etwas rumpeligen Drehbuch anzulasten ist. Die bekannten Genre-Versatzstücke (inklusive einem Verräter in den eigenen Reihen) sind zwar nicht schlecht gewählt, wollen aber in dieser Form nicht richtig zusammenpassen. Auch Trashs sehr unspektakuläre Reise durch die Bronx, die de facto keine Gefahren birgt, ziehen den Film in die Länge. Das ist vor allem in Anbetracht der ansonsten ambitionierten Ausstattung des Films schade, denn er verfügt über genug skurrile Ideen und Szenen. Denn ein Schlagzeuger am East River, Ogres prächtiger Palast und ständiger Synthie-Sound bieten eigentlich einen Rahmen für einen echten Kracher. Umso verwunderlicher ist das noch, wenn man bedenkt, dass die italienische Drehbuch-Legende Ardano Sacchetti mit am Script gewerkelt hat.
Wer aber über diese Schwächen hinwegsehen kann, erhält trotzdem einen unterhaltsamen Banden-Flick, der zwar nicht der ganz große Wurf ist, aber immerhin eine Menge skurriler Typen in merkwürdigen Klamotten, sowie eine Handvoll passabler Action-Sequenzen bietet. Und wem genau so was richtig Spaß macht, der kann sich gleich noch Castellaris Fortsetzung THE RIFFS II – FLUCHT AUS DER BRONX antun. Und wem das dann immer noch nicht reicht, dem haben die deutschen Titel-Bastler mit Bruno Matteis THE RIFFS III – DIE RATTEN VON MANHATTAN noch mehr Futter geliefert.

Skurrile Typen, merkwürdige Kostüme, schöne Bilder und eine versiffte Bronx: Wer auf ein ordentliches Drehbuch verzichten kann wird sicherlich gut unterhalten. Und auch wer das nicht kann sollte sich das Dingen trotz einiger Längen trotzdem mal ansehen.

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7 Antworten zu “THE RIFFS – DIE GEWALT SIND WIR

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