U 4000 – PANIK UNTER DEM OZEAN

U 4000 – Panik unter dem Ozean
Ido zero daisakusen | Japan/USA | 1969 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Dr. Ken Tashiro (Akira Takarada), Dr. Jules Masson (Masumi Okada) und der Reporter Perry Lawton (Richard Jaeckel) gehen in einer Tauchkugel daran, den Cromwellstrom in Pazifik zu erforschen. Doch während ihrer Mission bricht ein Unterwasservulkan aus und trennt die Gruppe von ihrem Forschungsschiff. In letzter Not werden sie von Kapitän Craig McKenzie (Joseph Cotton) gerettet, der sie an Bord des U-Boots Alpha nimmt. Nun sind die drei Forscher Teil von McKenzies Kampf gegen den bösen Dr. Malic (Cesar Romero), der die phantastische Unterwasserwelt Äquatoriana zerstören möchte.

Am 11. Februar 1941 veröffentlichte der Autor Ted Sherdeman ein Radiohörspiel namens Latitude Zero, welches sich stark an Jule Vernes‘ Kapitän Nemo aus dem Roman 20.000 Meilen unter dem Meer orientierte. Damals war es in den USA übliche, phantastische Fortsetzungsserien im Radio auszustrahlen, so dass auch dieser Sendung großer Erfolg beschieden war und sie schon bald landesweit zu empfangen war. Sherdeman stieg dann im Laufe der 50’er Jahre ins Filmbusiness ein und schrieb unter anderem das Drehbuch zu FORMICULA (1954). In Japan erfreuten sich zu dieser Zeit die von der Produktionsfirma Toho produzierten Kaiju-Eiga-Monster-Klopper einer ungebrochenen Beliebtheit. Da diese Filme sich im Laufe der 60’er Jahre auch auf dem Weltmarkt durchsetzen konnten, begann man damit, sukzessive mehr amerikanische/nicht-asiatische Schauspieler in die Geschichten zu integrieren.
Diese Entwicklung sollte bei U 4000 nun ihren Höhepunkt erleben. Toho arrangierte eine Zusammenarbeit mit dem Briten Don Sharp, der sich im Zuge der Pre-Production vor allem um das Anwerben namhafter Schauspieler kümmerte. So kommt es dann, dass der böse Dr. Malic von Cesar Romero (bekannt aus IN 80 TAGEN UM DIE WELT oder BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM) gemimt wird und Kapitän McKenzie von Joseph Cotton. Jener hatte sich schon in den 40’er Jahre mit Filmen wie CITIZEN KANE oder DER DRITTE MANN einen Namen gemacht. Neben Richard Jaeckel gibt es dann noch Linda Haynes, die damalige Miss Miami, zu sehen. Leider zog sich Sharp vor Produktionsbeginn aus dem Produzententeam zurück, so dass es zu kleineren Unruhen bzgl. der Bezahlung der berühmten Mimen kam. Doch glücklicherweise konnten alle Steine aus dem Weg geräumt werden, auch wenn die Darsteller erst sechs Monate nach dem Ende der Dreharbeiten bezahlt werden konnten.

Doch Sharps Rückzug hatte noch weitere Auswirkungen auf den Film. Das Budget schmolz auf rund eine Millionen US$, was sich dann natürlich auch bei den Produktionsbedingungen bemerkbar machte. Vor allem die Abteilung Effekte musste an allen Ecken und Enden sparen, um im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zu bleiben. Das fällt bei den Räumlichkeiten und Unterwasser-Sequenzen  noch nicht allzu stark ins Gewicht, diese sind liebevolle designt und gut ausgestattet, aber sobald Federmausmenschen, Riesenratten und ein Löwe die Bühne betreten, dafür umso mehr. Die Kostüme wirken teils sehr dilettantisch und können so manchen Lacher für sich verbuchen. Auch einige der zahlreichen Matte Painting bzw. bildschirmfüllenden Zeichnungen liegen deutlich unter dem Standard der Toho. Doch auch trotz dieser kleinen Schwächen gibt es auch hier mal wieder eine riesige Menge an wilden Effekten und skurrilen Momenten zu begutachten. Wenn Dr. Malic ein menschliches Gehirn in einen Löwen transferiert und diesen dann noch mit Condorflügeln ausstattet, die Helden ein immunisierendes Ganzkörperbad nahmen oder eine Doktorin in Klarsichtfolie verpackt ein U-Boot dirigiert, ist sicherlich für jeden Phantastik-Freund etwas dabei.
Das Drehbuch füllt diesen Sturm optischer Eindrücke dann mit einer recht überschaubaren Abenteuer-Geschichte, die weder in Sachen Dramaturgie noch in Puncto Einfallsreichtum Preise zu gewinnen vermag. Tatsächlich ähnelt das Script eher einem Abenteuer- bzw. Agentenfilm, als einem klassischen Kaiju Eiga. Die Truppe vom Joseph Cotton kämpft sich also dem Thronsaal des finsteren Bösewichts entgegen und muss dabei diverse Unpässlichkeiten bestehen. Viel ist das zwar nicht, bietet allerdings einen runden wie unkomplizierten Rahmen für das Effekt-Gewitter. Die Darsteller können weitestgehend mit den gleichen Prädikaten versehen werden, einzig Romero sticht natürlich mit seinem ureigenen Overacting hervor und macht aus Dr. Malic einen Klischee-Bösewicht allererster Couleur.

Wie übliche wurde die deutsche Kinofassung dann damals etwas zurechtgestutzt. Doch während es zu jener Zeit üblich war, politische oder militärische Thematiken für den deutschen/internationalen Markt zu entfernen, fehlt bei U 4000 das ganze Ende. Dieses ist aufgrund der Produktionsbedingungen sowohl in der japanischen als auch der internationalen Fassung enthalten und zeigt Lawtons Rückkehr an die Oberfläche. Die gesamten Geschehnisse des Films werden dabei aufgrund fehlender Beweise in Frage gestellt. Diverse Szenen, die nur für dieses Ende in den Film gelangten wurden dann gleich mit entfernt, so dass der deutschen Kinofassung der sehr interessante und für dieses Genre ungewöhnliche Schluss-Twist fehlt. In Anbetracht der ohnehin vorhandenen Eigenwilligkeit des Streifens ein herber Verlust.
Eine weitere deutsche Eigentümlichkeit stellt der Titel dar. Dieser suggeriert, dass es sich um eine Fortsetzung des ebenfalls von Toho produzierten und von Ishiro Honda gedrehten U 2000 – TAUCHFAHRT DES GRAUENS handelt. De facto haben die Filme allerdings nichts miteinander zu tun. In der deutschen Fassung wird das (zweitrangige) U-Boot Black Shark dann allerdings zur U 4000, um den Titel zu rechtfertigen.

Wilder Mix aus Abenteuer- und Agentenfilm, der sich im Stile eines Kaiju Eiga präsentiert. Trotz des engen Budgets gibt es vielerlei Effekte zu bestaunen, die den Film dann trotz der überschaubaren Geschichte zu einem sehr sehenswerten Vertreter der japanischen Phantastik machen.

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