MAD MAX

Mad Max
Mad Max | Australien | 1979 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

In einer nahen Zukunft beherrschen motorisierte Banden die Straßen des australischen Hinterlandes. Die Polizei ist weitestgehend machtlos, bis schließlich der junge Gesetzeshüter Max Rockatansky (Mel Gibson) das Oberhaupt der Gesetzlosen, einen Verrückten namens Nightrider (Vincent Gil), zur Stracke bringt. Doch die Höllenjockeys sinnen auf Rache und schrecken dabei auch nicht vor Rockatanskys Familie zurück.

Als zum Ende der 70’er Jahre der Actionfilm seinen Durchbruch feierte, und im folgenden Jahrzehnt seinen Höhepunkt erreichen sollte, begannen auf der ganzen Welt Filmschaffende, bekannte Stoffe mit viel Krawumm neu zu inszenieren. Just zu dieser Zeit entschied sich der australische Unfallarzt George Miller, Dramaturgie und Regie zu studieren um ins Filmgeschäft einzusteigen. Maßgeblich für diesen Sinneswandel verantwortlich waren übrigens seine Freunde Byron Kennedy, seines Zeichens Filmproduzent, und Mel Gibson, ein angehender Schauspieler. Zusammen brachten die drei dann einen Film auf den Weg, der für zwei der von ihnen zum Startschuss großer Karrieren werden sollte.
Das Thema Endzeit ist dabei sicherlich keine Neuerfindung gewesen. Bereits 1964 feierte das Thema sein Filmdebut mit THE LAST MAN ON EARTH, Richard Mathesons Buchvorlage Ich bin Legende stammt gar von 1954. Doch die starke Vermischung mit den überall um sich greifenden Action-Elementen sorgte doch dafür, dass sich der Film nach einem ganz neuen Genre anfühlte. Auch der Drehort, das australische Hinterland, trägt stark zum Stil des Films bei. Ohne großen Aufwand stand der Crew hier eine Landschaft zur Verfügung, die ohne weiteres Zutun postapokalyptisch anmutet. Bis heute bilden verstaubte, einsame Straßen wie diese den Rahmen für fast jeden Endzeitfilm.

Junge: Hey Mister, was is’n mit dem Wagen los?
Typ: Was meinst du denn was los ist?
Junge: Sieht aus, als ob den einer ausgespuckt hätte …
Typ: Vielleicht war’s ein Akt der Befreieung?!

Doch auch fast alle anderen typischen Genre-Motive waren bereits in MAD MAX vorhanden. Die Gesellschaft ist aus den Fugen geraten und die Polizei ist kaum noch in der Lage, die Gesetze aufrechtzuerhalten. Gesetzlose Banden beherrschen weite Teile des Landes und begehen Straftaten nach gutdünken. Doch auch kleine Details wie ständige autoritäre Lautsprecherdurchsagen lassen sich im Film finden. Auch wenn all diese Eigenschaften budgetbedingt nicht immer zu sehen sind, sondern oft nur angedeutet werden, darf MAD MAX getrost als Geburtsstunde des modernen Endzeitfilms bezeichnet werden. Und als solcher zog der Streifen dann auch Dutzende Nachahmer nach sich, welche mit oft sehr geringen Mitteln versuchten, dass Flair der Vorlange einzufangen.
Dabei war auch das Budget von MAD MAX sehr begrenzt. Verschiedenen Quellen zufolge dürfte der Etat bei ca. 500.000 US$ gelegen haben. Um Geld zu sparen stellt Miller unter anderem seinen eigenen Wohnwagen für die Eröffnungssequenz zur Verfügung. Das sieht man dem Film zwar teilweise auch an, aber vor allem die bereits erwähnte Wahl der Drehorte fängt das geringe Budget sehr gut ab. Endzeit muss eben dreckig aussehen.

Und Endzeit muss coole Karren haben. Auch dieses typische Motiv von Endzeitfilmen wurde bereits in Millers Film begründet. Was mit ein paar gelben Schlitten beginnt und sich dann über unzählige Motorräder steigert, mündet schließlich im Auftritt des Interceptor. Dabei lässt zwar nur letzter markante Umbauten (abgesehen von der Bemalung) erkennten, aber die unzertrennliche Verbindung von Endzeit und heißen Öfen ist an dieser Stelle bereits für immer geschmiedet, wenn auch budgetbedingt nich nicht in Perfektion.
Nicht gespart wurde hingegen an einem funktionierenden Drehbuch. Das ist es nämlich, was den Film auszeichnet. Die Geschichte um den optimistischen jungen Polizisten Rockatansky, der im Laufe des Films seinen Glauben an das Gute verliert und zum mordenen Rächer wird, ist höchst stringent erzählt und lässt kaum Längen aufkommen. Der Zuschauer wird mit Rockatansky auf die dunkle Seite gezogen, da sein Handeln jederzeit nachvollziehbar ist, auch wenn es nicht legitimiert wird. Es ist klar, dass sein Vorgehen falsch ist, aber die Situation ihn dazu zwingt. Diese Zwangslage vermag ungemein zu fesseln und füllt die gerade einmal gut 90 Minuten locker.

Max: Die Kette an der Handschelle ist aus Edelstahl, du brauchst etwa zehn Minuten um sie durchzusägen. Aber wenn du Glück hast, dann schaffst du es in fünf Minuten deinen Knöchel durchzusägen.

Zum rasanten Stil des Films tragen dann noch zwei weitere Elemente bei. Zum einen die zahlreichen und in Anbetracht des Budgets grandios umgesetzten Actionszenen, und zum anderen die raue Inszenierung. Sowohl Bild- als auch Tonschnitt sind teils sehr ungehobelt und geben dem Film so zusätzlich Tempo. Einem unachtsamen Zuschauer kann in wenigen Sekunden der Unaufmerksamkeit eine wichtige Szenen glatt entgehen. Das macht den Film – gerade für heutige Sehgewohnheiten – zwar ein wenig umständlich, trägt aber ebenso zum unverzichtbar kantigen Stil bei.
Die Melange von Endzeit, Action und Drama machte aus dem Streifen dann einen weltweiten Kassenschlager, der dem Genre Endzeit-Action den Weg bereitete. Die beiden Nachfolger MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER (1981) und MAD MAX – JENSEITS DER DONNERKUPPEL (1985) staffierten das Thema weiter aus und fügten neue Aspekte hinzu. Vor allem für Mel Gibson bedeutete der Film den internationalen Durchbruch, aber auch George Miller sollte danach voll ins Hollywood-Business einsteigen und schließlich im Jahre 2006 einen Oscar für seinen Animationsfilm HAPPY FEET gewinnen. Lediglich Produzent Byron Kennedy war keine große Karriere – abgesehen von seiner Mitarbeit an MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER – vergönnt.

Der Beginn der modernen Endzeit mit allem Drum und Dran. Heiße Karren, harte Action und obendrein noch eine fesselnde Drama-Story. Ganz groß!

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