ROBOTER DER STERNE

roboterdersterne

Roboter der Sterne
Supa Robot(to) Maha Baron(u) | Taiwan oder Hongkong | ca. 1975 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Im Bermudadreieck verschwinden andauernd Schiffe und Flugzeuge. Das ist zwar nichts neues, aber neu ist sicherlich die Erkenntnis, dass Außerirdische, die in einer Basis auf dem Meeresgrund hausen, daran schuld sein sollen. Gut, dass es eine kleine Einsatztruppe der Menschheit gibt, die ebenfalls auf dem Meeresboden residiert, und von dort aus die Roboter-Attacken der Außerirdischen mit ihrer Kampfmaschine Magischer Ballermann abzuwehren versucht.

Es gibt wohl nicht viele Filme, die über eine derart undurchsichtige, ja heute kaum noch nachvollziehbare Entstehungsgeschichte verfügen wie ROBOTER DER STERNE. Den Informationen auf etablierten Portalen wie IMDb oder OFDb ist dabei nur sehr bedingt zu trauen. Die dort verbreiteten Angaben zu Herstellungsland und Regisseur scheinen mehr Wunschdenken als Realität zu sein. Fest steht, dass es in Japan in den frühen 70’er Jahren eine Fernsehsendung namens SUPER ROBOT RED BARON bzw. SUPER ROBOT MACH BARON gab. Diese beiden Serien handeln von einem roten Super-Roboter, der die Menschen vor Außerirdischen rettet. Wahrscheinlich kam dann im Jahre 1975 ein Filmproduzent in Taiwan oder Hongkong auf die Idee, mit Hilfe dieser Erfolgsserien auch ein wenig Geld zu verdienen. Also wurde ein notdürftiges Drehbuch zusammengeschustert und ein paar Laiendarsteller verpflichtet. Das Drehbuch orientiert sich dabei an einzelnen Episoden der Fernsehserie, was die Handlungssprünge und den allgemein überschaubaren Zusammenhang erklärt. Gedreht wurden dann nur die Handlungsszenen, die Action-Sequenzen mit den Robotern stammen allesamt aus der japanischen Fernsehserie. Ob lizenziert oder geklaut kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden, allerdings haben die Produzenten nur eine überschaubare Menge an Sequenzen ergattern können, weshalb manche Einstellungen gleich mehrfach Verwendung finden. Des Weiteren wurden auch die Einstellungen und die Ausstattung der japanischen Serie eins zu eins übernommen. Vergleichsbilder belegen, dass ROBOTER DER STERNE ein fast perfektes Rip-Off der Handlung und Optik von SUPER ROBOT MACH BARON darstellt.
Doch damit noch nicht genug. Da hierzulande keiner wusste, wie der Streifen zu übersetzen sei, wurde diese ohnehin wirre Stück Film – das sich ursprünglich ganz im Sinne der Vorlage an Kinder richtete – mit einer Trash-Synchronisation aller erster Güte versehen. So hauen sich die Weltenretter einen Kalauer nach dem anderen um die Ohren und weil der Mach Baron ein großes MB auf der Gürtelschnalle trägt, musste auch da eine Übersetzung her; die kongenialen Übersetzer entschieden sich dann stilsicher für Magischer Ballermann. In Spanien setzten die örtlichen Verleiher noch einen drauf und vermarkteten den Steifen gleich als eine Realfilmversion der beliebten Trickfilmserie MAZINGER Z. Das dazu die ganze Handlung und alle Protagonisten umgemodelt werden musste störte anscheinend auch keinen.

Nach diesem Ausflug in die skurrilen Welten der Filmproduktionen nun aber auch ein paar Worte zu Werk selber. Wie die Geschichte oben schon erahnen lässt, präsentiert sich der Streifen als ziemliches Flickwerk. Von Anfang an wird der Zuschauer mit Handlungsfetzen bombardiert, die derart schnell und unzusammenhängend  daher kommen, dass man sich eher in einem Musikclip, denn in einem Kinofilm wähnt. Innerhalb weniger Sekunden ist die Rahmenhandlung umrissen und der Film widmet sich voll und ganz den ellenlangen Kämpfen verschiedener Roboter-Puppen. Diese zeigen neben Menschen in Kostümen vor allem Spielzeugfiguren, deren Maßstab nur ungenügend kaschiert wurde. Das wirkt dann auf den ersten Blick recht unterhaltsam, doch leider wiederholen sich alle Sequenzen (aufgrund oben genannter Gründe) im Film mehrfach. Das führt dann schnell zu einer gewissen Ermüdung beim Zuschauer.
Die Geschichte kann dem leider auch nicht entgegenwirken, da sie aufgrund ihrer Entstehung aus mehreren Episoden der Fernsehserie viel zu zusammenhangslos ist. Ähnliches gilt für den Cast. Die Laienkombo hängt sich zwar rein, aber außer dilettantischem Overacting gibt es nichts zu sehen. Immerhin sorgt die deutsche Synchronisation für den ein oder anderen Lacher. Die Tatsache, dass die Dialoge maximal zehn Sekunden dauern, sorgt zusammen mit den ruppigen Effekten und der stakkato-haften Handlung dann für ein wahres Inferno auf dem Bildschirm, bei dem so manchem Betrachter schwindelig werden dürfte.
So bleibt dieses wirklich skurrile Stück Zelluloid eine Vehikel für wahre Freunde des abseitigen Films. Otto-Normal-Zuschauer werden schon nach wenigen Minuten kapitulieren, aber auch gestandene Trash-Fans werden an diesem Gerät zu knacken haben.

Entstehung, Effekte, Story, Optik: Alles an diesem Film ist so skurril, dass sich nur schwer Worte dafür finden lassen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.