DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN

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Die Nacht der lebenden Toten
La Noche del terror ciego | Portugal/Spanien | 1971 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Roger (César Burner) fährt mit seiner Freundin Virginia (María Elena Arpón) und deren alter Freundin Elizabeth (Lone Fleming) mit dem Zug raus aufs Land. Unterwegs kommt es zum Streit und Virginia verlässt den Zug im spanischen Niemandsland. Sie sucht Unterschlupf in einer alten Festung, die verlassen scheint, doch in der Nacht kehren die Bewohner zurück: Längst verstorbene Tempelritter steigen aus ihren Gräbern und machen Jagd auf die Lebenden.

Bis zum Ende der Franco-Zeit 1977 war Spanien kein gutes Pflaster für Horrorfilme. Der allseits bekannte Paul Naschy war zu der Zeit einer der wenigen, die dieser kreativen Dürre (unter anderem mit internationaler Hilfe) zu trotzen versuchten. Ein weiterer Herr, der in diesem Zusammenhang Erwähnung finden muss ist Amando de Ossorio. Dieser kurbelt zunächst einige Italowestern runter, bevor er dann ansetzte, mit der Geschichte um reitende Leichen (die im Originaltitel und den meisten internationalen Versionen übrigens nicht das Attribut reitend sondern blind inne haben) eine, wenn nicht die, Klassikerreihe des spanischen Horrors zu verwirklichen.
Die Story um die wiederkehrenden (und schon zu Lebzeiten grausamen) Tempelritter schrieb Ossorio dann recht platt ins Drehbuch. Nachts stehen die Untoten auf, um sich an den Lebenden zu vergreifen. An dieser Stelle scheint es nicht gänzlich unmöglich dass auch Ossorio schon einmal von einem gewissen George A Romero und einem Film aus dem Jahr 1968 gehört hat. Allerdings versucht er hier gar nicht, Gesellschaftskritik zu erzeugen oder Wert auf die Beziehungen der Charaktere zu legen, sondern nutzt einfach jede sich bietende Möglichkeit, um Horror-Sequenzen einzubauen. Ellenlang Vorbereitungen des eigentlichen Schock-Moments gibt es dann genauso, wie mehr-minütige Bedrängungs- und Fluchtszenarien. Tatsächlich dürfte es nur wenige andere Filme geben, in denen die Opfer derart lange schreien und warten, bis die mit Bewegungen in Zeitlupe voranschreitenden Bösewichte sie endlich erreicht haben. Da wird dann auch schon mal das mehrmalige Umrunden der gleichen Säule genutzt, um den Untoten eine Chance zu lassen. In der Betrachtung vermag das dann ungemein zu amüsieren und sorgt so für mehrere legändere Kills. Als wäre die träge Bewegung nicht schon zu Viel des Guten, lässt Ossorio auch noch jede Sequenz, in der die Leichen tatsächlich reiten, in Zeitlupe ablaufen. Das steigert zwar auch nicht die Spannung, untermauert aber den Stil des Film noch weiter: Hier geht es tatsächlich nur darum, ständig Grusel-Szenen zu präsentieren.

Dass darunter dann die Charakterentwicklung etwas zu leiden hat muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden, trotzdem können die dusseligen Dialoge und die sinnfreien Aktionen ebenfalls bestens unterhalten. Die ohnehin unwichtige Geschichte füllt die Lücken zwischen den Leichen-Vorkommnissen somit prächtig aus und lässt trotz extrem langsamer Inszenierung nie Langeweile aufkommen.
Graphische Gewaltdarstellungen kommen dann zwar auch noch einige vor, allerdings sind diese kaum der Rede wert. Einzige die Folter einer Dame am Andreaskreuz bleibt in Erinnerung und dürfte auch maßgeblich dafür gesorgt haben, dass auch dieser Streifen in Deutschland den Weg auf den Index fand. Seit 2008 ist das aber auch Geschichte und ein jeder kann sich heute die trashig-unterhaltsamen Abenteuer der reitenden Leichen ansehen. Und wer gar nicht genug bekommt, der kann sich auch noch über die Fortsetzungen DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN, DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN und DAS BLUTGERICHT DER REITENDEN LEICHEN sowie das von Jess Franco inszenierte Rip-Off MANSION OF THE LIVING DEAD freuen.

1A-Unterhaltung mit blöden Dialogen, wenig Story und ellenlangen Bedrängungs-Szenen.

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4 Antworten zu “DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN

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