CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER

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Carrie – Des Satans jüngste Tochter
Carrie | USA | 1976 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Carrie White (Sissy Spacek) ist die typische Außenseiterin an der Bates Highschool. Sie wird von ihren Mitschülerinnen gemobbt und muss zu Hause auch noch unter ihrer fanatisch gläubigen Mutter Margaret (Piper Laurie) leiden. Dieser ist ihre Tochter ohnehin nicht ganz geheuer, denn Carrie besitzt telekinetische Fähigkeiten. Als die Sticheleien ihrer Mitschüler den Höhepunkt erreichen, setzt Carrie ihre Fähigkeiten schließlich gegen ihre Schulkameraden ein.

Anfang der 70’er Jahre saß ein gewisser Stephen King ausgebrannt in einem Wohnwagen und schrieb diverse Skripte für Bücher. Eines Tages zog seine Frau eines der weggeworfenen Schriftstücke aus dem Mülleimer ihres Mannes und reichte es bei einem Verlag ein. Ein paar Monate später konnte das Buch einen respektablen Erfolg erzielen, doch der richtig große Knall blieb vorerst aus. Da las der Produzent und Regisseur Brian de Palma – der Jahre später mit SCARFACE zu Weltruhm kommen sollte – das Ding und sah gleich die Möglichkeit, aus dem Stoff einen Film zu machen. Gesagt, getan, und nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Buches Carrie erblickt auch der Film das Licht der Welt. Dieser wurde ein riesiger Erfolg (er spielt allein in den USA bei nur 1,8 Mio. US$ Produktionskosten über 30 Mio. US$ ein), und sorgt so dafür, dass sich plötzlich jeder für die Bücher von Herrn King interessierte. Dieser Film ist somit maßgeblich für die folgende Erfolgsgeschichte der heutigen Horror-Ikone verantwortlich und begründete schon ganz zu Anfang die enge Verknüpfung von King-Filmen und –Büchern.
Im Gegensatz zu vielen späteren Produktionen hält sich der Drehbuchautor von CARRIE, Lawrence D. Cohen, sehr eng an die Vorlage. Mancherorts wird zwar bemängelt, dass eine zu starke Verschiebung von Jugend-Drama hin zu Horror-Thriller stattfände, aber nichtsdestotrotz hält sich das Skript sehr eng an die Vorlage. Und das funktioniert blendend. Die Identifikation mit Carrie ist von Beginn an äußerst hoch, auch wenn die Probleme, denen sie sich gegenüber sieht doch sehr karikiert sind. Insbesondere ihre Mutter und ihre Widersacherin Chris wirken sehr stark überzeichnet. Was der Stimmung allerdings an dieser Stelle zuträglich erscheint. Alle Charaktere, außer Carrie, sind sehr stereotyp, was sie austauschbar, und die Identifikation mit Carrie einfacher macht. So fällt auch vor allem Sissy Spacek im Cast positiv auf, verkörpert sie die Hauptrolle doch unheimlich eindringlich und facettenreich. Der Rest bleibt, den stereotypen Rollen entsprechend, zwar etwas blasser, was Spacek dann aber wiederum die Möglichkeit lässt aufzutrumpfen. Apropos Cast: Natürlich hat auch in diesem Horror-Klassiker mal wieder ein bekannter Schauspieler sein Debut gegeben; diesmal handelt es sich um John Travolta, der hier als mieser Proll 15 Minuten Leinwandzeit bekommt.

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Neben Story und Cast sorgt aber vor allem Palma großartige Inszenierung dafür, dass der Film auch heute noch funktioniert. Er verwendet allerdings Kamera- und Schnitttechniken, die zwar äußerst schwer zu handhaben, dafür aber bei richtiger Anwendung unheimlich wirkungsvoll sind. Allem voran muss hier die Abschlussball-Szene genannt werden. Fünf Minuten ununterbrochener Zeitlupen-Einstellungen, vergehen hier wie im Flug, und erzeugen nervenzerreißende Spannung. Wohl nur wenigen Kollegen dürfte es gelingen, hier nicht in Langeweile abzudriften. Auch die Splitscreen-Montagen in dieser Szene kommen wohlüberlegt zu Einsatz und vervielfachen die Eindrücke, anstatt zu irritieren. Diese und ähnliche Einfälle ziehen sich durch den ganzen Film, und sorgen auch auf der technischen Seite dafür, dass CARRIE stets fesselt.
Das de Palma ein großer Fan von Alfred Hitchcock ist, möchte er auch nicht verheimlichen. So nutzt er gleich mehrfach die schreibenden Geigen, baut eine reminiszierende Duschszene ein und nennt die Schule gleich Bates Highschool. Dass dann noch ein großartiger Schluss-Schocker geboten wird, rundet das Ganze sehr schön ab.
Bis heute zählt CARRIE zu den besten King-Verfilmungen. Hier gilt es auf dem Teppich zu bleiben, und Knaller wie CHRISTINE und SHINING (wenn auch von Kings selbst geschmäht) nicht zu vergessen, und doch bleibt Brian de Palmas Coming-of-Age-Drama ohne Frage eine der richtig guten King-Streifen.

Mitreißend, finster, traurig: Der Streifen funktioniert als Horror-Drama genau so gut wie vor 35 Jahren.

8 Antworten zu “CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER

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