ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT

Assault – Anschlag bei Nacht
Assault on Precinct 13 | USA | 1976 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

In Anderson, einem sehr heruntergekommenen Stadtteil von Los Angeles, soll das örtliche Polizeirevier geschlossen werden. Der frischgebackene Cop Ethan Bishop (Austin Stoker) soll die letzte Nacht durch mit dem übriggebliebenen Personal Wache schieben. Als erst eine Gefangentransport und danach ein von einer mörderischen Bande verfolgter Vater an der Station ankommen, erkennt Bishop, dass es eine lange Nacht wird.

Der junge John Carpenter hatte gerade seinen ersten Spielfilm DARK STAR (1974) beendet, da begab er sich auch schon an die Planung zu seinem nächsten Streifen. Inspiriert durch die tägliche (oftmals sinnlose) Gewalt auf den Straßen amerikanischer Großstädte, schrieb er dann ein Drehbuch zu einem Film, der die Macht der Gangs und Gesetzlosen aufzeigen sollte. Also macht er in ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT ein Polizeirevier zum Ort der Gefahr. Der eigentlich sicher(st)e Ort wird zur Falle und gewährt den Insassen kein Entkommen. Auch wenn das Budget arg begrenzt war (der Film wurde für geschätzt 150.000 US$ produziert), war es doch deutlich größer als bei DARK STAR, so dass Carpenter bei den Dreharbeiten dass erste Mal in den Genuss kam, nach Plan drehen zu können, und nicht auf finanzielle Mittel warten zu müssen. Der Cast kann sich ebenfalls sehen lassen, so dass unter anderem Tony Burton (der in den folgenden Jahren mit SHINING und der ROCKY-Reihe Bekanntheit erlangen sollte) mit von der Partie ist. Interessanter ist aber die Besetzung von Austin Stoker. Wie Romero bei DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN, geht Carpenter hier einen für die Zeit sehr emanzipierten Weg und besetzt die Hauptrolle mit einem Farbigen (übrigens nicht die einzige Parallele zwischen den beiden Filmen). Darüber hinaus ist Laurie Zimmer, welche die Leigh verkörpert, erwähnenswert, verschwand sie doch einige Jahre nach dem Dreh und tauchte erst nach eingehenden Nachforschungen vor einigen Jahren wieder auf. Der Abbruch ihrer Karriere und ihr Werdegang sind bis heute schleierhaft, die Dokumentation DO YOU REMEBER LAURIE ZIMMER? versucht allerdings etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Storyline wirkt dann auf den ersten Blick ein wenig karg. Nach einer kurzen Eröffnung (die Carpenter nachträglich produzierte, um dem Wunsch der Produzenten nach mehr Hintergrund nachzukommen) laufen mehrere Handlungsstränge parallel ab, um sich dann am Polizeirevier zu treffen. Viel Background gibt es jedoch trotzdem nicht, die einzelnen Geschichten arbeiten mehr mit schnellen Eindrücken, denn mit großer Ausstaffierung. Gerade deshalb kommt der Film aber auch ungemein rasant daher. Das setzt sich dann im Polizeirevier nahtlos fort. Lange Erklärungen oder hintergründige Dialoge müssen zugunsten der Atmosphäre und Geschwindigkeit zurückstehen. Und das funktioniert erstaunlich gut. Was vielen Film das Genick gebrochen hat, setzt Carpenter hier äußerst gelungen um. Die ständige Zuspitzung der Situation macht die kaum vorhandene Geschichte fast gänzlich vergessen. Kurze Momente, in denen die Handlungsarmut doch durchblitzt sind da schnell vergessen.
Die Actionsequenzen sind dabei – in Anbetracht des Budgets – solide umgesetzt. Hat man zwar auch zu der Zeit alles schon besser gesehen, aber für einen Low-Budget-Produktion ist das alle mal ordentlich. Obwohl die Gewalt zwar nicht im Vordergrund steht, lässt Carpenter sie doch an einer Stelle geradezu explodieren, wenn  er einer der Fiesling ein kleines Mädchen eiskalt erschießen lässt. Die Szene ist immens  wichtig, um der Bedrohung nachher im Polizeirevier Nachdruck zu verleihen, rief  aber natürlich auch die Moralapostel auf den Plan. Die amerikanische MPAA drohte dem Film ein X-Rating an, so dass Carpenter den Film geschnitten einreichte, seine Freigabe bekam, und den Film dann trotzdem ungeschnitten ausliefern ließ. In Deutschland wurde der Streifen dann nach einer ungeschnittenen Kinoauswertung bei seinem VHS-Release indiziert und erst 2005 wieder mit einer FSK-16-Freigabe von der Liste gestrichen.

So kann sich heute jeder dieses frühe Stück von Carpenter ansehen. Allerdings sei die Warnung ausgesprochen: Der Film ist schroff und eckig und somit mit modernen Sehgewohnheiten nur schwer zu vereinbaren. Wer allerdings nach einem fiesen, kleinen Action-Thriller sucht, der eine ganze Menge Atmosphäre zu bieten hat, der sollte sich das Ding mal sehen. Die tolle Atmosphäre gründet sich übrigens nicht unerheblichen Teilen auf die musikalische Untermalung. Der tolle Score (den die deutschen Toningenieure anscheinend so klasse fanden, dass sie ihn noch einige Mal öfter als im Original in die Tonspur hineinkopierten) ist ungemein treibend und offenbarte schon früh, warum Carpenter neben Regie- und Drehbucharbeiten vor allem aufgrund seiner großartigen Scores Bekanntheit erlangte.

Eckiger und kantiger, aber sehr intensiver und atmosphärischer Action-Thriller aus dem Hause Carpenter.

7 Antworten zu “ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT

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