MAN-EATER (DER MENSCHENFRESSER)

man-eaterMan-Eater (Der Menschenfresser)
Antropophagus | Italien | 1980 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eine Gruppe Abenteuerlustiger erreicht mit einem Segelschiff eine kleine, scheinbar verlassene Insel. Nachforschungen ergeben, dass etwas Schreckliches passiert sein muss, und schon nach kurzer Zeit stellt die Truppe fest, dass ein menschenfressender Irrer (George Eastman) alle Menschen auf der Insel umgebracht hat und nun auch ihnen nach dem Leben trachtet.

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Joe D’Amato hatte nach eigenem Bekunden zwei Lieblingsgenres: Den Horror- und den Sexfilm. Dementsprechend lauten seine klassischen Titel FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT oder NACKT UNTER KANNIBALEN. Manchmal drehte er jedoch auch Streifen, die nur einem der beiden Genres zuzuordnen waren. In diese Spalte gehört dann der vorliegende MAN-EATER. Unterstützt wurde er dabei von Luigi Montefiori – besser bekannt unter dem Pseudonym George Eastman – der schon vorher des Öfteren als Drehbuch-Autor und Darsteller für D’Amato arbeitete und in diesem Film auch gleich die Rolle des Menschenfressers übernahm. Zusammen haben die Beiden dann etwas geleistet, was D’Amato im Nachhinein als seinen am wenigsten gelungenen Horrorfilm bezeichnet hat. Und das der Mann damit über eine ordentliche Fähigkeit zur Selbsteinschätzung verfügt, wird beim Betrachten des Werkes schnell klar, auch wenn die selbstreflexive Formulierung doch etwas überhart ausfällt. Denn MAN-EATER ist zwar wahrlich kein Meisterwerk in Sachen Spannung oder Einfallsreichtum, aber ein ordentlicher Splatter-Streifen ist er allemal; vor allem in Relation zu D’Amatos übrigem Portfolio.
Hauptmanko des Films sind seine teils übermäßig langatmigen Sequenzen, in denen nichts Handlungsförderndes passiert. Mehrere Minuten wird ohne erkennbaren Sinn und Zweck diskutiert und umhergeschlichen. Das zehrt dann arg an des Zuschauers Nerven und macht den zweiten Akt des Films zu einer wahren Mutprobe. Immerhin waren die deutschen Kinobetreiber so gütig, ungefähr zehn Minuten an unnützem Material herauszuschneiden, was dem Film deutlich mehr Stringenz verleiht. So wird gerade der Anfang deutlich verkürzt, was das Loch in der Filmmitte besser erträglich macht.

Rita: Komm rein, das Wasser ist herrlich …
Typ: Wir haben erst vor einer halben Stunde gegessen, warte noch ein bisschen, Rita!

Erstaunlicherweise schafft es D’Amato dann aber dem Film in der zweiten Hälfte deutlich mehr Schwung zu verleihen. Die Inszenierung kommt hier deutlich flotter daher und in Verbindung mit der zunehmenden Brutalität ergeben sich doch einige Schauwerte. Das Drehbuch bleibt zwar weiterhin sehr überschaubar und liefert eine genretypische Auflösung, aber besser als die bildgewordene Nichtigkeit zu Beginn ist das allemal.
Die Besetzung ist dabei weitestgehend vernachlässigbar, keiner der Protagonisten schafft es wirklich, sich in den Vordergrund zu spielen. Immerhin kann Tisa Farrow (die Schwester von Mia Farrow), die ein Jahr zuvor als Hauptrolle in Fulcis WOODOO – DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES schon Erfahrung im Genre sammeln konnte, einigermaßen überzeugen und bleibt so neben dem legendären Antagonisten als einzige in Erinnerung. Denn für George Eastman war die Rolle als starrender Menschenfresser ein Meilenstein seiner Karriere. Warum das so ist, ist dabei bestenfalls zu erahnen. Schauspielerisch bietet er nichts Erwähnenswertes, der Kultstatus der Figur beruht einzig und allein auf seinem skurrilen Auftreten und den durch ihn verübten Gewalttaten.

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Diese machen nämlich einen Hauptteil des Reizes dieses Streifens aus. Während zunächst analog zur inhaltlichen Flaute auch in Sachen Effekte kaum etwas geboten wird, dreht D’Amato – der die Blutrünstigkeiten mal wieder selber bastelte – ab der Mitte des Films richtig auf, und bietet ein paar äußerst brutale Szenen auf. Deren beiden Maxima, das Verspeisen eines Embryos (dargestellt durch ein gehäutetes Kaninchen) und der eigenen Eingeweide, wurden zu ikonischen Szenen des gesamten Genres und sind bis heute maßgeblich für die Bekanntheit des Films verantwortlich. In Deutschland sorgte dass natürlich für die umgehende Indizierung und Beschlagnahmung des Films, welche bis heute Bestand haben. Selbst das deutsche Kinoposter wurde als gewaltverherrlichen indiziert und erst Ende 2006 wieder freigegeben.
Neben den Gewaltszenen trug natürlich auch dieser Umstand zum Ruf des Films bei, der bis heute zu den All-Time-Classics des Splatterfilms gezählt wird. In Anbetracht seiner Härten mit Sicherheit nicht gänzlich zu Unrecht, aber bei Betrachtung anderer Werte gehen einem schnell die Argumente für diesen Film aus. Die flache Geschichte und die – zumindest in der ersten Hälfte – grausam langweilige Inszenierung lassen sich eben nicht mit einer paar Litern Kunstblut übertünchen. Gerade wegen Eastmans legendärem Auftritt und der Tatsache, dass der Film immer noch zu den Besseren D’Amato zählt, kann man aber festhalten, dass er eine gewisse Relevanz für das Genre besitzt und – wenn auch kein Meisterwerk – so doch zumindest eine netter kleiner Splatterfilm ist.

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Wer die schreckliche erste Hälfte übersteht, bekommt im zweiten Teil einen ordentlichen Splatterfilm mit ein paar legendären Gore-Szenen geboten. Das ist zwar immer noch kein ganz großer Wurf, aber immerhin Genre-Mittelmaß.

7 Antworten zu “MAN-EATER (DER MENSCHENFRESSER)

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