FROM BEYOND – ALIENS DES GRAUENS

From Beyond – Aliens des Grauens
From Beyond | USA | 1986
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Crawford Tillinghast (Jeffrey Combs) assistiert dem exzentrischen Dr. Edward Pretorius (Ted Sorel) bei seinen Experimenten. Dabei kommen die beiden in Berührung mit Wesen aus einer Parallelwelt und Pretorius stirbt. Tillinghast wird des Mordes angeklagt und in die Miskatonik-Klinik eingeliefert. Dort trifft er auf Dr. Katherine McMichaels, mit der zusammen er das Geheimnis um den Tod von Pretorius lüften will. Ihnen zur Seite steht der Polizist Bubba Brownlee (Ken Foree).

1985 knallten Regisseur Stuart Gordon und Produzent Brian Yuzna dem geneigten Horror-Fan zusammen RE-ANIMATOR vor den Latz. Auf dem Grundgerüst einer Geschichte aus der Feder des legendären US-amerikanischen Grusel-Literaten H. P. Lovecraft bot der Streifen eine tolle Geschichte und massig brutale Effekte – Kult-Status vorprogrammiert. Und da dieses System augenscheinlich gut funktionierte, setzten sich die beiden Herren nur ein Jahr später wiederum zusammen, und nach dem gleichen Rezept einen weiteren Fantasy-Horrorfilm zu produzieren, der ihrem Debut in der Filmwelt nacheifern sollte.
Basierend auf der nur wenige Seiten umfassenden Kurzgeschichte Vom Jenseits aus dem Jahre 1920 schufen Yuzna, Gordon und dessen etatmäßiger Drehbuchschreiber Dennis Paoli ein Buch, welches sich einige Freiheiten erlaubt; was in Anbetracht des geringen Umfangs der Vorlage weder erstaunlich noch verwerflich ist. So erscheint die Figur Pretorius – in Anlehnung an James Whales Klassiker FRANKENSTEINS BRAUT (1935) – nicht in der Vorlage, ebenso wie die sexuelle stimulierende Wirkung des Re-Sonators oder die ganze Geschichte um Dr. Katherine McMichaels; dass man der in der Vorlage schon vertretenen Hauptrolle Crawford Tillinghast dann ein T-Shirt der in RE-ANIMATOR vorkommenden Miskatonik University überstreift, darf darüber hinaus aus gewollte Verknüpfung der ohnehin sehr artverwandten Welten der beiden Filme gewertet werden.

Crawford: Es hat ihn gefressen! Den Kopf einfach abgebissen wie bei einem Lebkuchenmann!

Aber es ist wahrlich nicht nur ein Stück Oberbekleidung zu nennen, wenn es um Ähnlichkeiten zwischen Stuart Gordons ersten beiden Spielfilmregiearbeiten geht. Wieder ist ein medizinisches Thema Zentrum der Geschichte und wieder driftet dieses nach kurzer Zeit in Absurditäten und Brutalitäten ab. Wie schon ein Jahr zuvor offenbart der Film schon in seiner Exposition all seine Absichten, um danach einen Gang zurückzuschalten und in der zweiten Filmhälfte ein Inferno losbrechen zu lassen. Auch die Reduzierung auf wenige zentrale Figuren, deren Anliegen sich gegenseitig zuwiderlaufen, wird beibehalten und so könnte man dem Film an mancher Stelle fast ein wenig Innovationsarmut vorwerfen – wenn Gordon ihn nicht mit einem seinen Gleichen suchenden Schwung und Anmut inszenieren würde.

Tatsächlich stattete Empire Pictures, das Studio des bekannten US-amerikanischen B-Moguls Charles Band, ihn dafür mit rund 4,5 Millionen US-Dollar aus, immerhin dem Fünffachen dessen, was noch ein Jahr zuvor zur Verfügung stand, schickte die ganze Crew dafür aber auch ins kostengünstige Rom. Diese Disposition sorgte dafür, dass sich vor allem die Effekte-Crew, die ansonsten in L.A. zu arbeiten gewohnt war, einige Kniffe einfallen lassen musste, um auch in der italienischen Hauptstadt in der Lage zu sein, die zahllosen Effekte des Films umzusetzen.
Denn mehr noch als RE-ANIMATOR setzt FROM BEYOND – ALIENS DES GRAUENS auf bunte und fröhliche Splatter- und Spezialeffekte. Die Transformation des Dr. Pretorius ist schlicht atemberaubend und in ihrer Skurrilität kaum zu beschreiben. Immer wieder brechen neue Wesen aus dem Körper eines anderen hervor, Verformungen und Zerstörungen machen die dimensionale Ferne des Wesens glaubwürdig. Die thematisch-zentrale Epipyhse bekommt ebenfalls schmissige Effekte verpasst und sorgt so für Staunen und Lachen gleichermaßen. Vor dezentem Pochen hinter der Stirn des Betroffenen bis hin zu völlig abwegigen Bewegungen der Zirbeldrüse außerhalb des Schädels wird hier alles geboten. Das alles vermischt mit der stilsicheren lila Beleuchtung verpasst dem Film einen Look, der einen hohen Wiedererkennungswert sein Eigen nennen darf; und der von Richard Band, Charles Bruder, der auch schon RE-ANIMATOR mit jenem grandiosen Soundtrack versorgte, wiederum gelungen untermalt wird (wenn auch nicht auf dem selten Level wie ein Jahr vorher).

Und wenn man schon den Werten und Qualitäten eines erfolgreichen Films treuzubleiben gedenkt, dann tut man das auch in Sachen Schauspielerei. Jeffrey Combs ist also wieder mit von der Partie und darf als Crawford Tillinghast erneut einen Wissenschaftler am Rande des Wahnsinns geben. Da er diesmal keine Brille trägt, besteht übrigens keine Verwechselungsgefahr und man kann seine Darbietung erneut bestens genießen. Selbiges gilt für Barbara Crampton, die nach RE-ANIMATOR nur kurz einen Ausflug ans Set von Jim Wynorskis SHOPPING (1986) machte, um dann gleich wieder Yuzna/Gordon zur Verfügung zu stehen. Ihre Dr. McMichaels mischt dabei geschickt Prüderie und Sexualität und wird so zur insgeheimen Hauptrolle des Films. Ken Foree, der sich nach seiner legendären Darbietung in ZOMBIE (1978) acht Jahre lang im Fernsehen verdingen musste, darf hier endlich mal wieder dumme Sprüche in einem Spielfilm kloppen und Gordons Ehefrau Carolyn Purdy-Gordon darf auch mal wieder eine Nebenrolle bekleiden.

Katherine: Verstehen Sie denn nicht, das ist die größte Entdeckung seit van Leeuwenhoek erstmals durch sein Mikroskop eine Amöbe gesehen hat.
Bubba: Von mir aus, aber er wurde auch nicht gebissen von der Amöbe!

Und auch wenn der Streifen in den USA nur knapp ein Viertel seiner Produktionskosten einspielen konnte, so mauserte er sich doch über die Jahre zu einem Heimkino-Geheimtipp für Freunde expliziter Horror- und Splatterunterhaltung. Sein durchaus günstiges Ambiente und seine Reduzierung auf wenige Motive verwehren ihm dabei (im Gegensatz vom nun oft genug erwähnten RE-ANIMATOR) höhere Weihen, aber der von den deutschen Verleihern mal wieder mit einem erstaunlich sinnbefreiten Titelzusatz versehene FROM BEYOND – ALIENS DES GRAUENS bleibt doch ein feiner kleiner Horror-Reißer, der Freunde dieser filmischen Gangart bestens unterhält.

Ein Jahr nach seinem legendären Debut liefert das Team Gordon/Yuzna ein ähnlich gelagertes Werk nach, dass dem Erstling zwar nicht das Wasser reichen kann, dessen Qualitäten wie brachiale Effekte, eine schöne Atmosphäre und tolle Figuren aber in einem sehr unterhaltsamen Neuarrangement darbietet.

6 Antworten zu “FROM BEYOND – ALIENS DES GRAUENS

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