BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA

Big Trouble in Little China
Big Trouble in Little China | USA | 1986 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Jack Burton (Kurt Russell) ist Trucker in kommt gerade zurück nach San Francisco. Sein asiatischer Kumpel Wang Chi (Dennis Dun) wartet dort gerade auf seine Verlobte Miao Yin (Suzee Pai). Doch als die beiden das Mädchen am Flughafen abholen wollen, wird sie entführt. Auf der Suche nach ihr stoßen Jack Burton und Wang Chi in Chinatown auf eine mysteriöse Welt voller schwarzer Magie, aus der sie Miao Yin und die Anwältin Gracie Law () Kim Cattrall) retten müssen.

Nachdem John Carpenter bereits bei DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) für Universal Pictures und bei CHRISTINE (1983) und STARMAN (1984) für Columbia Pictures gearbeitet hatte, war seine Meinung von den großen Playern des Hollywood-Business durchaus eher zwiegespalten. Auf der einen Seite standen große Budgets, die es dem von phantastischen Stoffen faszinierten Carpenter erlaubten, seine Visionen auf die Leinwand zu bringen, auf der anderen Seite waren da aber auch die Studiobosse, denen finanzieller Erfolg wichtiger war, als die kreative Freiheit des engagierten Regisseurs.
Nichtsdestotrotz konnte John Carpenter einem Drehbuchentwurf von W. D. Richter nicht wiederstehen, der sich inhaltlich eng an dessen eigenem Regieprojekt BUKAROO BANZAI – DIE 8. DIMENSION (1984) orientierte; eine phantastische Geschichte voller Geister, Kung Fu und wilder Action. Doch schnell zeigt sich, dass 20th Century Fox – die Rechteinhaber des Stoffes – bei der Produktion ein erhebliches Wörtchen würden mitreden wollen. So reichte das Studio das Script, nachdem Carpenter bereits für den Film unterschrieben hatte, noch einmal an die Autoren Gary Goldman und David Z. Weinstein weiter, die dann einige Veränderungen vornahmen. Carpenter zeigte sich davon äußerst irritiert, hatte aber letztlich keine Handhabe gegen die Weiterentwicklung des Scripts. Was sich im Einzelnen geändert hat, ist auch nur schwer nachzuvollziehen und so schafften es letztlich alle drei Autoren namentlich in die Credits.

Jack Burton: Was wir hier brauchen ist haarscharfes Timing, Mann!
Wang Chi: Totale Konzentration! Fertig Jack?
Jack Burton: Ich bin fertig geboren geworden …

Erfreulicher war da schon der Umstand, dass dem Projekt runde 25 Millionen US-Dollar zur Verfügung standen, ein Budget, das alle Erfahrungen von Carpenter und seinem Team weit übertraf. Aber das Geld war für die geplante Effektschlacht auch bitter nötig, sollte der Film doch an optischen Effekten und Kulissen alles bisher Dagewesene übertreffen. Dieser Anspruch sorgte allerdings auch dafür, dass die dreieinhalb-monatigen Dreharbeiten zu einer unglaublichen Herausforderung in Sachen Logistik und Planung wurden.
Schließlich spielen fast 90% des Films in eigens angefertigten Kulissen, darunter sowohl die Mehrheit der Chinatown-Szenen, als auch die gesamten Unterwelt-Sequenzen (inklusive der riesigen Halle, in der das Finale stattfindet). Das alles ist dabei bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, was dem Film einen traumhaften Stil verleiht. Das wohlwissend überzeichnete Artdesign mischt klassische asiatische Themen mit an Popart grenzender Überstilisierung und gibt dem Film so einen ganz eigenen Look. Das Ganze wird natürlich mit einer Unzahl an Effekten präsentiert, die teilweise Bild für Bild auf das Zelluloid gemalt wurden. Die übrigen Effekte, die direkt aufgenommen wurden, musste dabei einen Umweg über eine 65 mm Rolle auf sich nehmen, was ein weiteres Mal sicherstellen sollte, dass alle Effekte in bestmöglich Qualität realisiert wurden. Sie wurden dann während der Postproduktion runterskaliert und in die originalen 35 mm Rollen eingefügt.

Auch die zahlreichen Kreaturen und sonstigen Requisiten sind überwiegend gut gelungen und tragen so auch ihren Teil zu der optischen Achterbahnfahrt bei, die dieser Film darstellt. Letztlich bleibt dem Zuschauer kaum die Zeit, sich an der fantastischen Optik des Films sattzusehen, wechseln das Setting und das Design doch in Minutentakt. Verantwortlich für diesen optischen Hochgenuss war übrigens niemand anderes als Richard Edlund, dessen Arbeiten für KRIEG DER STERNE (1977) und JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES (1981) jeweils mit einem Academy Award belohnt wurden.
In Sachen Schauspieler ist John Carpenter ja bekanntlich jemand, der auf Erfahrungswerte setzt. Folglich hatte er für die Rolle des tollpatschigen Antihelden Jack Burton sofort seinen altbewährten Mimen Kurt Russell vor Augen, der Carpenter bereits in DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) und in DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) vortreffliche Dienste als Hauptrolle geleistet hatte. Doch ganz anders als in jenen bärbeißigen Rollen, mimt Russell diesmal einen unbeholfenen Jedermann, der ohne eigenes Zutun in ihn überfordernde Geschehnisse hineinrutscht. Russell beweist hier durchaus komödiantische Qualitäten, viel mehr noch stellt diese Rolle aber eine Persiflage auf seine bisherigen Charaktere dar. An seiner Seite hat Russell dann Kim Cattrall, die zwei Jahre zuvor in POLICE ACADEMY – DÜMMER ALS DIE POLIZEI ERLAUBT (1984) zu internationalem Ruhm gelangte. Den Sidekick stellt Dennis Dun dar, der im Gegensatz zu Russell überwiegend Herr der Lage ist. Eine humorvolle Verdrehung der üblichen Konventionen, die im Film auch angenehm ungezwungen funktioniert. Den ikonischen Antagonisten Lo Pan mimt schließlich James Hong, der zu den frühen asiatischen Pionieren des amerikanischen Kinos zählt. Neben Dun und Hong umfasst die Besetzungsliste übrigens mehr asiatisch-amerikanische Schauspieler als jede andere Hollywood-Produktionen jener Zeit, was die Vorwürfe einiger asiatisch-amerikanischer Verbände, der Film sei rassistisch, vollkommen absurd wirken lässt. Tatsächlich sah sich der Film aber derartigen Anschuldigungen ausgesetzt, was wahrscheinlich nicht zuletzt an seiner gnadenlosen Überzeichnung klassischer asiatischer Stilelemente liegt.

Wang Chi: Ein richtiger Mann liebt die Berührung der Natur auf seinem Gesicht!
Egg Shen: Ja, und ein weiser Mann ist so klug, während es regnet nach Hause zu gehen!

Dabei verkannten die Kritiker aber die Tatsache, dass der gesamte Film eine groteske Anhäufung von Absurditäten und Karikaturen darstellt. Allein die Anzahl der Genre, die das Werk streift, macht deutlich, dass Carpenter hier einen vollkommen übertriebenen Action-Ritt inszeniert hat. Hinter jeder Ecke lauern Monster, Geister oder hunderte an Kämpfern. Stets gibt es grüne Explosionen oder Blitzattacken. Mystik mischt sich mit Popkultur, Action mit Komödie, Horror mit Fantasy. Der Zuschauer ist nie sicher vor der nächsten Ungeheuerlichkeit, ein unterirdischer Drache, der aus einer Höhle hervorzuckend einen Mitstreiter verspeist, stellt da kaum noch etwas Ungewöhnliches dar.

Diesen Husarenritt unterlegt John Carpenter dann wieder einmal mit einem selbstkomponierten Soundtrack, der mit seiner Mischung aus 80er Synthesizer-Sounds und rockigeren Stücken perfekt zum Stil des Films passt. Unterstützt wurde er dabei von Alan Howarth, der schon zuvor an vielen Filmen Carpenters beteiligt war.
Doch all diese tollen Sounds und Effekte, all die einfallreichen Settings und sympathischen Charaktere, all die Action und all der Humor konnten dem Film nicht das Wohlwollen der Kritiker einbringen. Vielfach wurde der Film als ein Overkill an Einflüssen wahrgenommen und dementsprechend als (weiterer) Carpenter‘scher Fehlschlag abgetan. Auch an den Kinokassen floppte der Film und konnte schließlich nur knapp die Hälfte seines Budgets wieder einspielen. Der Heimkinomarkt dürfte diese Bilanz dann zwar noch etwas geschönt haben, aber nichtsdestotrotz stellte das Projekt für 20th Century Fox einen Schlag ins Wasser dar. Und das, obwohl man auf Studioseite bis zum Schluss sehr darauf bedacht war, seinen Einfluss auch im künstlerischen Bereich geltend zu machen, was letztlich dafür sorgte, dass John Carpenter wieder einmal voller Enttäuschung ein Major-Projekt beendete. Von diesen Streitigkeiten zeugen heute noch ein vorhandenes alternatives Ende und Unmengen an nicht verwendetem Material. Für Carpenter bedeutete diese Erfahrung allerdings, dass er sich in der Folge von den Majors abwandte, um wieder selbstbestimmter an seinen Filmen arbeiten zu können.

Gracie Law: Sie haben doch hoffentlich eine Waffe?
Jack Burton: Ich habe ein Messer.
Gracie Law: Was? Nichts weiter? Der Kerl ist dreieinhalb Meter groß!
Jack Burton: Nur zweieinhalb, keine Angst, ich werd‘ fertig mit ihm, ich hab ‘nen bisschen was geschluckt …

Doch wie bei vielen anderen Filmen von Carpenter muss man auch bei BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA konstatieren, dann der Film im Laufe der Jahre gereift ist und seine damaligen Kritiker (ganz gleich auf welcher Ebene) mittlerweile Lügen straft. Bis heute erfreut sich der Film einer großen Fanbase, die ihn vor allem für seine Vielfalt und seine optische Präsenz schätzt. Und genau das macht den Streifen auch zu einem bemerkenswerten Punkt in Carpenters Karriere, der heute mehr als je zuvor zeigt, wie einfallsreich und künstlerisch ungebunden Carpenter zu filmen in der Lage war.

Fantastischer Mix aus Komödie sowie Action-, Horror-, Fantasy-, Kung Fu- und Geisterfilm. Optisch brillant und voller verrückter Ideen tanzt Carpenter auf Hollywoods Nase, während er Russell und Co. durch eine der schönsten Unterwelten aller Zeiten jagt. Hut ab!

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