THE THING

thethingThe Thing
The Thing | Kanada/USA | 2011 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Kate Lloyd (Maria Elizabeth Winstead) wird zu einer norwegischen Forschungsstation in die Antarktis gerufen, da dort ein bahnbrechender Fund gemacht worden sein soll. Man will ihr allerdings vorerst nicht sagen um was es sich handelt. Als Kate dort ankommt stellt sie fest, dass es sich um einen uraltes Raumschiff und eine außerirdische Kreatur handelt.

thething_1

In Zeiten, in denen Menschen immer schneller ein „Das hab ich doch alles schon gesehen“ von den Lippen tropft, ist es naturgemäß schwer, etwas Innovatives anzufertigen. Das gilt schon für die Filmbranche im Allgemeinen und insbesondere für das Genre Horrorfilm. Umso erstaunlicher ist es dann, wenn der Produzent Marc Abraham – der für Action-Klopper wie AIR FORCE ONE (1997) genauso verantwortlich zeichnete wie für die gelungenen Horror-Streifen DAWN OF THE DEAD (2004) und SLITHER – VOLL AUF DEN SCHLEIM GEGANGEN (2006) – sich mit einem gänzlich unbekannten niederländischen Regisseur namens Matthijs van Heijningen Jr. im Gepäck daran begibt, einen Stoff zu verarbeiten, der bereits zwei Klassiker der Filmgeschichte mit Inhalt gefüllt hat. Immerhin handelt es sich bei THE THING nicht um ein weiteres Remake, sondern um ein Prequel, dass die Vorgeschichte zu John Carpenters grandiosem DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) erzählt, welcher wiederum ein Remake von Howard Hawks DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1951) darstellt, welcher schlussendlich auf der Erzählung Who Goes There? von John W. Campbell Jr. beruht.
Die Idee, die Vorgeschichte zu Carpenters Film zu erzählen, stellt dabei nicht nur einen gewitzten Trick dar, um der ewigen Remake-Schelte zu entgegen, sondern beweist, dass sich die Macher mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Denn die Frage nach den Geschehnissen in der norwegischen Basis steht seit dem Erscheinen des Filmes 1982 im Raum und bietet so die Möglichkeit, einen thematisch ähnlich gelagerten Film zu drehen, ohne allzu dreist abzukupfern; und nebenbei prägt man so den Begriff Requel entscheidend mit.

Sam: Ich hab‘ an so einen Scheiß nie geglaubt …
Lars: … ich dafür schon!

Der Drehbuchautor Eric Heisserer verpackt das Ganze dann auch recht ansprechend und fügt der Geschichte darüber hinaus auch ein paar sinnvolle eigene Aspekt hinzu, die dem Streifen eine gewisse Eigenständigkeit geben. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Dutzende Anspielungen und Referenzen sowohl auf Carpenters, als auch auf Hawks‘ Film. Und immerhin hat Heisserer nach dem desaströsen A NIGHTMARE ON ELM STREET (2010) jetzt mal beweisen können, dass seine Berufswahl nicht gänzlich verkehrt abgelaufen ist.
Heijningen nimmt das Script dann zum Anlass, eine wirklich flotte und gelungene Inszenierung auf den Zuschauer loszulassen. Im Gegensatz zu Carpenters Film kommt es kaum zu Ruhe- oder Verschnaufpausen, weil einen ständig irgendetwas um die Ohren fliegt, oder irgendjemand mit einem Flammenwerfer bearbeitet wird. Das bedient zum einen sicherlich die modernen Sehgewohnheiten, die sich mit einer ruhigeren Inszenierung bekanntlich sehr schwer tun, schafft aber auch weitere Distanz zu den Vorlagen und trägt so zur äußeren Eigenständigkeit des Films bei. Inhaltlich gibt es natürlich keine Überraschungen, der Film klammert sich geradezu ehrfürchtig an die bekannte Gliederung, kann dann aber mit einem angenehm reminiszenten Ende überzeugen.

thething_x1

Während bei Hawks die einzige Dame im Cast lediglich modischer Natur war, und Carpenter gleich ganz auf feminine Einflüsse verzichtete, stellt Heijningen eine Frau in die Mitte der Geschichte. Maria Elizabeth Winstead konnte schon als schlagfertige Willis-Tochter in STIRB LANGSAM 4.0 (2007) und als Schreihals in  dem Weihnachts-Trasher BLACK CHRISTMAS (2006) überzeugen, und tut das auch bei ihrem Auftritt als Paläontologin in Not. Nicht selten erinnert die Rolle dabei an Sigourney Weavers Auftritt als Ripley aus der ALIEN-Reihe, auch wenn Winstead ein bis zwei Plätze dahinter landet. Eine starke Leistung zeigt sie allemal und trägt den Film so maßgeblich mit. Neben ein zwei blasseren Rollen sind dann noch diverse norwegische Mimen erwähnenswert, die dem norwegischen Lager zusätzliche Authentizität verleihen sollten. So sorgt dann ein Who-is-Who des norwegischen Films dafür, dass man keine Sekunde daran zweifelt, welcher Nationalität die Forschungsstation zuzuordnen ist. Tolle Idee, die im Film dann auch richtig gut funktioniert. Daumen hoch!
Ebenso gut funktionieren auch die Effekte im Film. Fast alles wurde zunächst mit echtem Makeup und Kostümen gespielt, und dann nachher am Computer überarbeitet. Leider bleibt dabei stellenweise nur wenig von den echten Kostümen übrig, was den Eindruck gerade für alte Effekte-Hasen etwas schmälert. Richtig schlimm wird es aber, wenn man nach Beendigung der Dreharbeiten hören muss, dass die Effekte eigentlich unüberarbeitet den Weg in den Film finden sollten, und erst durch eine Intervention seitens des Studios überarbeitet werden mussten. Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der wackeren Effekt-Spezialisten, die teilweise traumhafte Sequenzen erschaffen haben, sondern hätte auch zu einem großartigen Statement bzgl. der Schwemme an CGI-Darstellungen werden können. Doch diese Doppelchance wurde leider vertan. Nichtsdestotrotz kann sich das Dargebotene sehen lassen, so dass einem sehenswerte Creature-Effekte und eine – vor allem in Anbetracht der FSK 16 Freigabe – ordentliche Portion Gewalt geboten wird.
Alles in Allem stellt der Streifen also eine ordentliche Neu- bzw. Weiterinterpretation des bekannten Stoffes dar, die zwar weder dem Original, noch Carpenters Remake das Wässerchen reichen kann, aber aus der Masse man plumpen Horror-Remakes allemal hervorzustechen vermag.

thething_2

Nettes (P)Requel, dass ein Kräftemessen mit Hawks und Carpenter zwar aufgrund fehlender Eigenständigkeit verliert, aber für sich betrachtet trotzdem unterhalten kann. Als lockere Horrorunterhaltung mit vielen netten Verweisen kann man sich das allemal ansehen.

Eine Antwort zu “THE THING

  1. Pingback: DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT « SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.