FRONTIER(S) – KENNST DU DEINE SCHMERZGRENZE?

FRONTIER(S) – KENNST DU DEINE SCHMERZGRENZE?

Originaltitel: Frontière(s)
Alternativtitel:
Herstellungsland: Frankreich/Schweiz
Erscheinungsjahr: 2007
Regie: Xavier Gens
Drehbuch: Xavier Gens
Darsteller: Karina Testa, Aurélien Wiik, Patrick Ligardes, David Saracino Maud Forget, Samuel Le Bihan, Chems Dahmani

Laufzeit: ca. 109 Min.

Links zum Film:
IMDb, OFDb, Schnittbericht

Inhalt:
Yasmin flieht mit einer Gruppe von Jugendlichen aus einem der Pariser Vororte, welcher nach der Wahl eines rechten Politikers in Unruhen gestürzt wurde. Im Gepäck haben sie eine Haufen geklautes Geld. Yasmins Bruder stirbt während der Flucht, der Rest der Truppe erreicht ein abgelegenes Gasthaus, in dem sie Unterschlupf suchen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass auch der brennende Vorort der Stadt der Liebe sicherer ist, als dieses Gasthaus.

Meinung:
„Frontier(s)“ ist das Regiedebut von Xavier Gens und schwimmt auf der aktuelle Welle von sehr harten französischen Produktionen mit. Angeführt wird diese Bewegung zwar von Streifen wie „Inside“, „Martyrs“ und natürlich „High Tension“, aber auch „Frontiers“ sollte man nicht übersehen, wenn einem die härtere Gangart zusagt.
Wie fast alle Vertreter der der neuen, französischen Terrorfilme bietet auch Frontiers eine tolle Optik, welche aus bestechenden Bildern zwischen Hochglanz und Schmutz besteht. In den Tiefen des Gasthauses ist es dreckig und ekelerregend, der Schweinestall wirkt unfassbar intensiv und beklemmend. Die beiden Szenen an denen die Protagonisten am Speisetisch sitzen sind ebenfalls sehr atmosphärisch und optisch beeindruckend.
Das liegt nicht zuletzt auch an dem großartigen Schauspiel von Karin Testa als Hauptfigur Yasmine. Da die übrigenen Charaktere recht schnell dahingerafft werden, bleibt Testa fast die Hälfte des Films, um den Niedergang ihrer Rolle zu spielen. Und das gelingt ihr nahezu perfekt. Yasmine wird immer mehr zum zuckenden, wimmernden Wesen, welchen apathisch durch die Gänge taumelt. Zum Schluss wird sie gar zum mordenden Biest, und brüllt ihren Schmerz in einer extrem intensiven Szene heraus. Leider bleiben die übrigen Charaktere weit hinter dieser Leistung zurück, was allerdings nicht zwingend an der Leistung der Schauspieler liegt, sondern einfach an den Rollen die sie spielen sollen. Im Gegensatz zu Yasmine sind die Bösewichte leider alle sehr stereotyp und unrealistisch. Allen voran der Nazi-Opa dürfte vielen Zuschauern, die einen ernsthaften Film erwarten jeglichen Spaß verderben. Allgemein muss man sagen, dass der Film inhaltlich doch sehr trashig daherkommt, was durch Optik und Schauspiel dann wieder kaschiert wird. Laut Xavier Gens sollte der Film auch eine politische Aussage enthalten, doch muss man leider bei näherer Betrachtung sagen, dass außer der Anfangsszene, welche durchaus einen kritisch Ton bzgl. der politischen Entwicklungen in Frankreich anschlägt, keine derartigen Aussagen zu finden sind.
Da der Film nun mal aus Frankreich kommt, und eine Zwei als erste Zahl des Erscheinungsjahres führt, muss er folglich auch sehr brutal sein. Allerdings ergeht sich der Streifen nicht in übermäßigen Gewaltdarstellungen, sondern zieht seine Härte meist aus der Boshaftigkeit der Gewaltszenen und der hoffnungslosen Lange der Protagonisten. Das soll natürlich nicht heißen, dass der Film nicht auch die ein oder andere optisch sehr harte Szene zu bieten hat.

Fazit:
Intensiver und harter Vertreter der französischen Terror-Welle, welcher inhaltlich etwas trashig daherkommt, aber trotzdem ohne Einschränkungen unterhalten kann.