THE MAD FOXES – FEUER AUF RÄDER

The Mad Foxes – Feuer auf Räder
Los Violadores | Schweiz/Spanien | 1981
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Hal (José Gras) ist ein Schürzenjäger wie er im Buche steht. Als er mal wieder mit einer 18-Jährigen in seinem aufgemotzten Stingray unterwegs ist, wird er plötzlich von einer neonazistischen Rockerbande bedroht. Kurze Zeit später vergewaltigen diese Rocker seine Begleitung und vergreifen sich kurz darauf auch noch an seiner Familie. Hal schwört blutige Rache und macht sich auf, die Unholde zur Rechenschafft zu ziehen.

Der angehende schweizerische Filmschaffende Paul Grau kam nach einigen kleineren (und teils wenig erfolgreichen) Engagements Anfang der 80er Jahre beim in Zürich ansässigen Exploitation-Fachmensch Erwin C. Dietrich unter. Dieser musste mit seiner Ascot so langsam zusehen, dass er sich dem im Wandel befindlichen Publikumsgeschmack anpasste, denn der bloße Schmuddel der 70er Jahre fand zunehmend weniger Anklang. Action war angesagt und die just gestartete SCHWEDINNEN-Reihe war mehr oder minder bereits bei ihrer Veröffentlichung ein Relikt vergangener Tage. Der Söldner-Actioner DIE WILDGÄNSE KOMMEN (1978) zeigte hingegen schon eher ein Weg die Zukunft auf und mit Richard Taylors Highway-Klamotte STINGRAY (1978) hatte Dietrich im gleichen Jahr einen Film in Europa vertrieben, der diese Ausrichtung mit seinem Erfolg untermauerte. Also sollte Paul Grau, der bis dahin bei DIE NICHTEN DER FRAU OBERST (1980), GEFANGENE FRAUEN (1980) und SECHS SCHWEDINNEN VON DER TANKSTELLE (1980) den Produktionsleiter gegeben hatte, nun auch zu seiner ersten Regiearbeit kommen.
Die spanische Produktionsfirma Balcázar Producciones Cinematográficas steuert ein wenig Geld bei und der Rest des schmalen Budgets kam aus einem der ominösen Steuerabschreibungsgeschäfte des Herrn Dietrich. Das Drehbuch schrieb Grau zusammen mit dem ebenfalls für die Ascot tätigen Hans R. Walthard und einigen Abgeordneten der spanischen Geldgeber. In Anlehnung an STINGRAY hatten sich Dietrich und Grau einen harten Actionfilm geeinigt, was allerdings eine allzu interpretierbare Attribuierung darstellte und deshalb für einige Unstimmigkeiten bezüglich des Endergebnisses sorgte.

Hal: Eine Handgranate, ein gefährliches Spielzeug. Aber ich kann gut damit umgehen, wenn ich ärgerlich bin!

Denn nach nur knapp zwei Wochen Drehzeit, die jeweils zur Hälfte in Zürich und Barcelona verbrachte wurden, legte Grau einen Film vor, der den Erwartungen Dietrichs völlig zuwiderlief. Die Einfachheit des Drehbuchs nutzte Grau, um die Lücken mit maßloser Gewalt und vordergründigem Sex auszufüllen. Bereits die frühe Vergewaltigung von Hals 18-jähriger Begleiterin macht überdeutlich klar deutlich, in welche Richtung sich das Nachfolgende bewegen wird. Graus Film kredenzt sodann verschiedene Brutalitäten und Ausschweifungen, die allesamt zarte Gemüter zu verstören drohen. Leider findet der Film dabei nicht immer den richtigen Rhythmus und muss so insbesondere im Mittelteil eine auffällige Länge überwinden. Was in der Konzeption der Etablierung der Beziehung zwischen Hal und seinen Eltern dienen sollte, verkommt im Film zu einer öden Montage, die es in Anbetracht der hanebüchenen Zusammenhänge ohnehin nicht schafft, emotionale Fallhöhe zu erzeugen.
Aber wer braucht das schon, wenn der Film ansonsten allenthalben wilden Unfug darbietet? Hal verabredete sich mit der 18-jährigen Nachbarstochter angeblich schon vor zehn Jahren dazu, sie am Tage ihrer erreichten Volljährigkeit zu entjungfern, Hal ballert mit Jagdflinten auf Flugzeuge, Hal bumst mitgenommene Anhalterinnen (deren Freund er natürlich galant stehenlässt) in einer uringelb befüllten Badewanne und Hal überrascht am Finale sadomasochistisch-veranlagte Nazirocker beim Liebesspiel mit einer NS-Domina. Tatsächlich ist es diese Nazihorde, die neben dem Playboy-Stereotypen Hal oftmals zum heimlichen Hauptdarsteller des Films mutiert, ist sie doch für fast alle der gebotenen Absurditäten verantwortlich.

Federführend ist dabei der Dietrich-Protegé Eric Falk, der seit seinem Auftritt in DIE SEX-SPELUNKE VON BANGKOK (1974) an rund zwei Dutzend von dessen Produktionen beteiligt war. Sei Stiletto ist – neben dem entmannten Anführer der Truppe – der zentrale Antagonist. Daneben trumpft Tausendsassa Helmi Sigg als Ronny auf und sorgt mit Messer und Genitalschutz für erinnerungswürdige Momente. Hal wird von José Gras gegeben, der ein Jahr zuvor in Bruno Matteis DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN (1980) mit von der Partie war, und die Spanierinnen Andrea Albani und Anne Roca dürfen auf Seite der Damen ihre schauspielerischen Können darbieten. Es bleibt freilich völlig offenbar, dass damit hier vor allem gemeint ist, entblößte Körperteile vor die Kameralinse zu halten.

Babsy: Ich bin mit einem Freund hier, wir sind eigentlich zu zweit. Nimmst du uns beide mit?
Hal: Das ist unmöglich. Ich kann nur einen mitnehmen, dich zum Beispiel!

Das Alles (und noch viel mehr) wird von Grau und Kameramann Kurt Aeschbacher dann relativ unspektakulär gefilmt, große inszenatorische Sprünge bleiben gänzlich aus. Dafür gibt es aber immer mal wieder schmissige Musik der Metal-Truppe Krokus zu hören und einige Male wird der grundsätzlich eher unattraktive Sportwagen Hals (der auch die den Alternativtitel Stingray 2 rechtfertigende Verbindung zum Marketing-Vorgänger STINGRAY bildet) ganz nett eingefangen. Mindestens genauso unterhaltsam ist auch der Umstand, dass bei Außenaufnahmen die Hakenkreuze auf den Armbinden den Rocker fehlen, die in der nächsten Innenausraumszene umgehend wieder vorhanden sind; da wollte wohl jemand bei den Dreharbeiten unnötigem Ärger aus dem Wege gehen.
Der Streit zwischen Grau und Dietrich (der deren Zusammenarbeit dann auch ein rabiates Ende setzte) wurde übrigens noch durch den Umstand verschärft, dass die Produktion zu lange dauerte und Dietrichs Steuerabschreibungsgeschäft somit platzte. Der Schweizer musste also eigenes Geld investieren und das für einen Film, der ihm so gar nicht gefiel. Erst als der Streifen dann nach einigen Wochen im Kino begann, die Investitionen vervielfacht wieder einzuspielen, beruhigte sich die Lage. Dietrich und Grau wurden zwar keine Freunde mehr, aber MAD FOXES – FEUER AUF RÄDER entwickelte sich zu einem in Exploitationkreisen hochgeachteten Kultfilm.

Derber Exploitation-Reißer, der heute eine große Fangemeinde hinter sich weiß. Und trotz einiger Hänger und Längen hat er sich diese mit der rigorosen Zurschaustellung niederer Schauwerte auch redlich verdient.

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Eine Antwort zu “THE MAD FOXES – FEUER AUF RÄDER

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