DIE KLASSE VON 1984

DIE KLASSE VON 1984

Originaltitel: Claas of 1984
Alternativtitel:
Guerrilla High
Herstellungsland:
USA
Herstellungsjahr:
1982
Regie:
Mark L. Lester
Drehbuch:
Mark L. Lester, Tom Holland
Darsteller:
Peter King, Merrie Lynn Ross, Timothy Van Patten, Roddy McDowell, Stefan Arngrim, Michael J. Fox, Keith Knight, Lisa Langlois, Neil Clifford, Al Waxman

Laufzeit: ca. 93 Min.

Links zum Film:
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Inhalt:
Als der Musiklehrer Andrew Norris (Perry King) zum seinem ersten Arbeitstag an seiner neuen Schule in mitten einer amerikanischen Großstadt antritt, fällt ihm gleich auf, dass hier einige Dinge anders ablaufen als er es gewohnt ist: Die Schüler werden mit Metalldetektoren kontrolliert, die Lehrer kümmern sich ausschließlich um ihre eigene Sicherheit und gelernt wird so gut wie nichts. Nach kurzer Zeit wird Norris klar, dass der Schüler Stegman  (Timothy Van Patten) und seine Clique die Verantwortung für die Zustände tragen. Sie terrorisieren Schüler und Lehrer mit Gewalt, Drogen und Angst.

Meinung:
Bereits 1982 hat Mark L. Lester einen Film geschaffen, der die heutigen Verhältnisse an vielen amerikanischen Schulen durchaus treffend vorhergesagt hat. Die damals noch absurd wirkende Idee, dass man Schüler vor dem Schulbesuch auf Waffen untersucht, ist heute vielerorts Gang und Gebe. Ebenso wie Lehrer die an ihrer Aufgabe seelisch zu Grunde gehen.
Gerade diese psychische Belastung der Lehrer bildet auch den Kern dieses Films, auch wenn Cover-Artwork und die Aufmachung der Protagonisten etwas anderes vermuten lassen. Der zunehmende Verfall von Norris alkoholabhängigen Kollegen Terry Corrigan bis hin zum Unterricht mit gezogener Waffe oder die Hilflosigkeit des Direktors machen deutlich, dass es sich bei weiten Teilen des Streifens um ein Drama handelt. Die Entwicklung von Norris selber, der am Ende alle Rowdys umbringt (und dafür – wie im Abspann erwähnt – nicht belangt wird), untermauert diese Tatsache, auch wenn sie aus der zu Beginn äußerst moralischen Figur Norris einen blinden Rächer macht. Das lässt viel Raum für Spekulation und hinterlässt den Zuschauer am Ende recht niedergeschlagen, da nur Gewalt und Mord in der Lage waren, der ausweglosen Situation Herr zu werden. Vernunft und Anstand scheitern schon am Anfang des Films.

Wie erwähnt, bricht die Optik des Films jedoch mit diesem ernsten Thema. Die punkigen Rowdys, die teilweise sehr stark an die typischen Troma-Schüler aus Streifen wie CLASS OF NUKE ’EM HIGH erinnern, wollen anfangs nicht so recht in das Gesamtkonzept passen. Wenn man allerdings bedenkt, dass die Geschehnisse im Film (noch) einen Blick in die Zukunft darstellen, dann funktioniert die Mischung aus Drama und Trash-Optik plötzlich wieder sehr gut.
Die für heutige Verhältnisse überschaubare Gewalt (die den Film im Übrigen nicht vor einer Indizierung rettete) sorgte bei der Veröffentlichung übrigens für eine Menge Empörung, da sie in diesen realistischen Kontext eingebettet als äußerst problematisch angesehen wurde. Auch die vielen Symboliken im Film (wie zum Beispiel der vom Fahnenmast stürzende Junge, der die Fahne mit sich reißt und darunter stirbt) wusste das moralische Publikum in den USA der 80’er Jahre zu bestürzen. Das alles sind jedoch weitere Belege für die tiefe Ernsthaftigkeit und Düsterkeit des Films.

Schauspielerisch wird ebenfalls sehr Ordentliches geboten. Die Wandlung von Perry King zum Rächer, der auch vor Mord nicht zurückschreckt ist beachtlich gut verfolg- und nachvollziehbar. Auch sein gegenüber Timothy Van Patten, schafft es, die Rolle des jugendlichen Aufrührers ohne große Klischee zu verkörpern und schafft somit einen sehr vielschichtigen und interessanten Charakter. Nicht nur einmal fühlt man sich dabei an Alex aus UHRWERK ORANGE erinnert, offenbart doch auch Stegman einiges an künstlerischen Interesse und blinder Gewalt. Auch die Nebenrollen können schauspielerisch überzeugen und ganz nebenbei kann man noch das Spielfilm-Debut von Michael J. Fox betrachten, der als pummeliger Streber ebenfalls zu punkten vermag.
Der Film überzeugt also in fast allen Belangen und hat sich somit vollkommen zurecht einen Platz in den Annalen der Filmgeschichte verdient. Leider ist der Film vielen nur aufgrund seinen tollen Stils im Gedächtnis, obwohl der Inhalt der Aufmachung mindestens ebenbürtig ist und diese Aufmerksamkeit ebenfalls verdient. 1990 brachte Mark L. Lester übrigens selber eine Fortsetzung (mit deutlich mehr Action versetzt) namens DIE KLASSE VON 1999  auf den Weg, welcher ebenfalls mehr als nur unterhalten kann. Der 1994 von Spiro Razatos gedrehte CLASS OF 1999 PART II (der auch von einem gänzlich anderen Team produziert wurde), stellt hingegen nur noch ein dumpfes Action-Machwerk dar, dass sich in keinem Belang mit den beiden Originalen messen kann.

Fazit:
Großartiges, weitsehendes Drama mit cooler Optik und viel Inhalt.

Advertisements

8 Antworten zu “DIE KLASSE VON 1984

  1. Pingback: CLASS OF NUKE ‘EM HIGH « SPLATTERTRASH·

  2. Pingback: CLASS OF NUKE ‘EM HIGH 2 « SPLATTERTRASH·

  3. Pingback: ILSA – DIE HÜNDINNEN VOM LIEBESLAGER 7 | SPLATTERTRASH·

  4. Pingback: SIE NANNTEN IHN EL LUTE | SPLATTERTRASH·

  5. Pingback: MANDINGO | SPLATTERTRASH·

  6. Pingback: DER FEUERTEUFEL | SPLATTERTRASH·

  7. Pingback: PHANTOM KOMMANDO | SPLATTERTRASH·

  8. Pingback: FRIGHT NIGHT – DIE RABENSCHWARZE NACHT | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s