DIE FLIEGE

diefliegeDie Fliege
The Fly | USA | 1986 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) lädt die Journalistin Veronica Quaife (Geena Davis) zu sich in die Wohnung ein, um ihr seine neuste Arbeit zu zeigen: Teleportation. Fortan dokumentiert Veronica Brundles Versuche und die beiden verlieben sich ineinander. Eines Tages unterläuft Brundle bei einem Test ein Missgeschick und er fügt die DNA einer Fliege seiner eigenen bei. Ab diesem Zeitpunkt ist seine Verwandlung nicht mehr aufzuhalten.

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Der britische Schriftsteller George Langelaan veröffentlichte 1957 eine Kurzgeschichte namens Die Fliege. In Ermangelung einer anderen Möglichkeit diese der Öffentlichkeit zu präsentieren, übertrug der schließlich dem Playboy das Recht, die Geschichte abzudrucken. Sofort nach der Drucklegung fand die Story einiges an Beachtung und wurde nur ein Jahr später von Kurt Neumann in Form von DIE FLIEGE (1958) verfilmt. Der sowohl kommerzielle als auch ideelle Erfolg des Films sorgte dann dafür, dass bis 1965 zwei Fortsetzungen auf den Weg gebracht wurden. Dann wurde es zunächst einmal ruhig um den Stoff.
Doch knappe 30 Jahre nach der Veröffentlichung des Originals regte sich wieder Interesse an der Thematik. Wie unter anderem John Carpenter mit DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) bewiesen hatte, stellten die 80’er Jahre sich als gute Zeit für Remakes alter Horrorklassiker heraus. Also begab sich der Produzent Stuart Cornfeld daran, eine überarbeitete Form von Neumanns Klassiker auf den Weg zu bringen. Cornfeld hatte sich als Produzent von David Lynchs DER ELEFANTENMENSCH (1980) und Mel Brooks‘ DIE VERRÜCKTE GESCHICHTE DER WELT (1981) bereits einen Namen gemacht und konnte so ohne größere Schwierigkeiten David Cronenberg für die Regie des Projekts verpflichten. Dieser hatte mit SCANNERS – IHRE GEDANKEN KÖNNEN TÖTEN (1981) und VIDEODROME (1983) gerade den Höhepunkt seiner Bodyhorror-Phase erreicht und willigte gleichzeitig ein, das Drehbuch zu schreiben.

Veronica: Irgendwas ist schief gelaufen. Als du da durch gegangen bist, ist irgendwas schief gelaufen …

Während Carpenter mit seinem Drehbuch zu DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) sehr viel näher an der Literaturvorlage war, als Howard Hawks‘ DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1951), sollte das bei diesem Remake genau umgekehrt ablaufen. Cronenberg nahm sich viele Freiheiten und orientierte sich in seinem Film nur noch grob an der Urfassung der Geschichte. Das Augenmerk verschiebt sich deutlich zu Gunsten der Metamorphose Brundles und widmet dieser das Hauptaugenmerk. Der zweite Hauptbestandteil der Geschichte ist die Entwicklung der Beziehung zwischen Brundle und Veronica. Hier zeigt sich schon früh Cronenberg späteres Interesse für das Drama, da die Geschichte sehr geschickt auf das unvermeidliche Ende zusteuert. Schon früh ist dabei klar, welches Dilemma sich zu entwickeln droht, aber der Zuschauer ist dazu gezwungen, dem Treiben hilflos zuzusehen. Das macht einen Großteil der Spannung aus, die der Film zu entwickeln vermag.

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Das würde jedoch nicht funktionieren, wenn die beiden Hauptrollen nicht derart perfekt besetzt wären. Das zunächst schüchterne Zusammenspiel von Goldblum und Davis, welches schließlich immer impulsiver wird, um dann zu kippen und sich in nicht revidierbarem Schmerz zu verlaufen, gehört wohl zu den besten Schauspielleistungen des Horrorjahrzehnts. Vor allem Goldblum schafft es, die Entwicklung seiner Rolle auf unzähligen Ebenen zu zeigen, ohne dabei in bloße Redundanz abzudriften. Egal ob zunehme Unruhe, schnelles Zwinkern, allgemeine Aggressivität oder anderen Kleinigkeiten, Goldblum spielt die Rolle nahezu perfekt und wurden dafür auch vollkommen zu Recht mit dem Saturn Award des Jahres 186 als Bester Darsteller ausgezeichnet.
Neben der schauspielerischen Leistung verdient aber auch Cronenbergs Inszenierung einiges an Achtung. Schon der dem Original entlehnte Vorspann, der den Zuschauer dann unversehens in die erste Begegnung der beiden Hauptrollen wirft, zeigt, dass Cronenberg keine Zeit zu verlieren hat. Fast atemlos rauschen die folgenden 95 Minuten dann auch am Zuschauer vorbei, ohne auch nur eine Sekunde ungenutzt zu lassen. Eine beeindruckende Leistung, die neben dem bloßen Schauspiel die zweite große Stärke des Films darstellt. Wenn Cronenberg Brundle dann noch selbst dessen dramatische Ankündigungen am Klavier untermalen lässt, sollte auch dem letzten Zweifler die Spucke wegbleiben.

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Somit wäre zusammengefasst, was den Film zu einem großartigen Erlebnis macht, aber um die ganze Wirkung dieses Streifens zu erfassen, kommt man nicht umher, auch der Abteilung Spezialeffekte die nötige Anerkennung zu widmen. Das Team um Chris Wales – der zwei Jahre zuvor schon bei GREMLINS – KLEINE MONSTER (1984) für die Effekte sorgte – bietet hier eine Unzahl an äußerst gelungenen Schauwerten, die auch heute kaum etwas von ihrem Charme verloren haben. Insbesondere die schrittweise Veränderung von Brundle hin zur Fliege ist schlicht beeindruckend; und viele der Effekte dürften auch heute noch einige Mägen in Rotation versetzten. Gen Ende gibt es dann auch noch ein wenig Kunstblut zu sehen, so dass ein jedes Effektfanherz vollends befriedigt werden dürfte.

Seth: Du hast Angst in den Plasmapool zu tauchen. Du hast Angst, zerstört und neu geschaffen zu werden, ja? Ich wette, du glaubst du hast in mir die Begierde geweckt, nicht wahr? Aber du kennst nur den direkten Weg zum Orgasmus, mehr nicht! So dringst du niemals zum wahren Höhepunkt durch! Die kranke, graue Furcht hält dich davon ab! Tauch in die Tiefe oder du kostet nicht die Plasmaquelle! Ist dir klar was ich sage?

Folgerichtig entwickelte sich der Film dann auch zum Kassenschlager und konnte bis heute weltweit rund 60 Mio. US$ einspielen. Bei gerade einmal rund 15 Mio. US$ Budget ein beachtlicher Erfolg, der natürlich auch dafür sorgte, dass mit DIE FLIEGE II – DIE GEBURT EINER NEUEN GENERATION im Jahre 1989 ein Nachfolger das Licht der Welt erblickte. Aber auch die Beteiligten profitierten vom Erfolg des Streifens. Für die weitere Karriere von Jeff Goldblum – die ihren Höhepunkt 1993 mit JURASSIC PARK, respektive 1996 mit INDEPENDENCE DAY erreichen sollte – stellte DIE FLIEGE die Initialzündung dar; übrigens mit Geena David als Ehefrau, denn die beiden verliebten sich bei den Dreharbeiten ineinander.
Aber auch Regisseur und Drehbuchautor David Cronenberg schöpfte aus dem Film viel Kraft. Denn DIE FLIEGE erhielt deutlich mehr Anerkennung als viele seiner vorherigen Werke, die von der Kritik in Verkennung der Qualitäten oft als zu brutal und sensationslüstern abgetan wurden. Vollkommen zu Recht wurde dieser Film aber vom Gros der Kritiker positiv aufgenommen (im Übrigen noch ein Unterschied zu Carpenters Remake) und wird bis heute als einer der Glanzpunkt des 80’er-Horrors rezipiert.

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Tolle Schauspielerei und eine brillante Inszenierung machen diesen Film vollkommen zu Recht zu einem der Sci-Fi-Horror-Klassiker der 80‘er Jahre. Die großartigen Effekte runden das Gesamtpaket ab und machen den gut gealterten Film auch heute noch zu einem Höhepunkt des Genres.

4 Antworten zu “DIE FLIEGE

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