RE-ANIMATOR

Re-Animator
Re-Animator | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Student Herbert West (Jeffrey Combs) aus der Schweiz erhält ein Stipendium an der medizinischen Fakultät einer amerikanischen Universität. Der etwas merkwürdig auftretende West zieht bei Danial Cain (Bruce Abbott), dem Freund der Tochter des Rektors der Universität, ein und versucht von nun an mit dessen Hilfe seine Forschungen – welche sich um das Wiedererwecken von Toten drehen – weiter voranzutreiben.

Um sich in seinen frühen Jahren aus Autor über Wasser zu halten musste der amerikanische Horrorschriftsteller H. P. Lovecraft zunächst ein paar Fortsetzungsgeschichten in einschlägigen Magazinen veröffentlichen. Eine ebensolche stellte das fünfteilige Werk Herbert West – Der Wiedererwecker dar. Gute 60 Jahre später erkannte der angehende Filmproduzent Brian Yuzna die Möglichkeiten, die in dieser Geschichte steckten und ging daran, aus den Eckdaten des Stoffes – die eigentliche Geschichte umfasst einen deutlich größeren Zeitrahmen und geht auf mehrere Einzelerlebnisse von West ein – einen Filmklassiker zu machen.
Als Regisseur bekam Stuart Gordon den Zuschlag, der ebenfalls noch am Anfang seiner Karriere stand. Gordon und Yuzna lagen auf der gleichen Wellenlänge und zusammen mit dem Drehbuchautor Dennis Paoli sollte sich ein Dreigestirn entwickeln, dass auch in den folgenden Jahren für Furore auf dem Splatter- und Horrormarkt sorgen sollte.
Doch davor stand erst einmal die Drehbucharbeit, die sich eben nur sehr locker an die Vorlage hielt. Gordon, Paoli und William Norris hatten also relativ freie Hand und schufen ein Script, das – zumindest in seiner finalen Fassung – sehr stringent und pointiert daherkommt. Keine Szene wirkt überflüssig, die Story spurtet förmlich vorwärts. Grandios ist die Entscheidung, das Unvermeidliche, die Wiederbelebung eines geliebten Menschen, an das Ende des Films zu setzten, es sogar gar nicht mehr ins Bild zu nehmen. So nutzt der Film ein klassisches Horror-Motiv, indem er das größte Grauen dem Zuschauer und dessen Fantasie überlässt. Und auch andere klassischen Horrorelemente sorgen immer wieder für Schauder und Spannung, und stehen in einem wundervollen Kontrast zu den teils drastischen, teil lustigen Szenen.

Daniel: Hättest du nicht wenigstens eine Nachricht hinterlassen können?
Herbert West: Ich hatte furchtbar viel zu tun, wie du wohl weißt. Und was hätte ich denn schreiben sollen: Katze tot, Details später?

Denn der Film rezipiert die Entwicklung des Horrorgenres schon sehr früh und bringt zahlreiche selbstreferenzielle und somit komödiantische Facetten ins Spiel. Schon die Eröffnung bricht nach einem ersten Spannungsmoment gekonnt mit den Zuschauererwartungen, wenn man Herbert West über einer blutigen Leichen knien sieht, die dann auch noch – Blut aus den Augen spritzend – wieder aufersteht. Diese groteske Überzeichnung setzt sich in der Folge fort und wird zum Markenzeichen des Films. Ikonische Szenen, wie Dr. Hills Kopf in der Metallschale oder ebendessen sexuelle Belästigung von Megan machen das immer wieder deutlich.
Schauspielerisch liegt der Film dabei auf ausgesprochen hohem Niveau, insbesondere Jeffrey Combs weiß als durchgeknallter Medizinstudent Herbert West zu begeistern. Wundervoll überheblich begegnet er seinen Lehrern und Kommilitonen, geradezu manisch hockt er im Keller über einer wiederblebten Katze; jede Einstellung mit Combs strotzt vor Wahn und Besessenheit. Demgegenüber bietet Bruce Abbott dem Zuschauer die Möglichkeit, sich in der Rolle Daniel Cain wiederzufinden. Unsicher und verstört begleitet er die Eskapaden seines Wohnpartners, lässt sich immer weiter in das Unglück hineinziehen. Auch wenn Abbott klar hinter dem grandiosen Spiel Combs‘ zurücksteht, macht er seine Sache doch höchst ordentlich und erfüllt so eine wichtige Funktion. Barbara Crampton gibt hier ebenfalls ihre erste große Kinorolle, im weiteren Verlauf ihrer Karriere sollte sie ebenfalls eng an der Seite von Gordon und Yuzna bleiben. Leider bleibt Cramptons Rolle ein wenig blass, sie dient viel zu oft als Spielball der männlichen Protagonisten. Und schließlich besitzt der Film mit David Gale in der Rolle des Dr. Hill einen tollen Antagonisten, der zwar nicht sehr vielschichtig, dafür aber angenehm unberechenbar ist.

Unbedingt Erwähnung finden muss hier auch die Musik, für die Richard Band verantwortlich zeichnete. Der Bruder von B-Legende Charles Band – der hier im Übrigen ebenfalls als Produzent tätig war – schuf für den Film einen grandios verrückten Soundtrack, der den Wahnsinn der Geschichte perfekt einfängt. Der trompetenlastige Mainscore findet viele Variationen und versinnbildlicht das medizinisch-makabere Schauspiel geradezu. Doch auch die ruhigeren, teils sphärischen Klänge wissen zu gefallen und unterstützen die spannungsgeladeneren Szenen ebenfalls sehr gelungen.
Wie erwähnt stellen auch Splattereffekte einen zentralen Aspekt des Films dar. Von Beginn an gibt es regelmäßig sehr schön ausgearbeitete Effektszenen zu sehen, bei denen weder mit Kunstblut noch mit sonstigen Requisiten gespart wurde. Im Finale wird das Ganze dann vollkommen übertrieben, der Film wird zu einer Karikatur seiner selbst. Schon sieben Jahre vor Peter Jacksons BRAINDEAD (1992) stellt dieser Streifen somit eine Parodie auf das Splattergenre dar, die sich selbst ebenfalls in wundervollen Effekten ergeht.

In den USA sorgte das natürlich für Probleme mit der Freigabe, sodass es zu zahlreichen verschiedenen Schnittfassungen kam. Die ursprüngliche Fassung des Films dauerte sage und schreibe 135 Minuten und umfasste Unmengen an weiterem Inhalt. Diese empfand Empire Pictures allerdings als viel zu lang, sodass Gordon eine 86-minütige Schnittfassung anfertigte, die als Unrated-Cut bzw. Director’s Cut bekannt wurde. Diese war allerdings für die MPAA viel zu gewalttätig, sodass man seitens des Studios eine R-Rated-Fassung zurechtschnitt. Da das dafür nötige Entfernen der Gewaltszenen den Film allerdings allzu sehr zusammenschrumpfen ließ, entschied man sich, eigentlich nicht verwendete Handlungsszenen wieder in den Film hineinzuschneiden. Diese tragen durchaus sinnvoll zur Charakterentwicklung bei, wurden allerdings nie von Gordon in den Film geschnitten. Gleich gilt für den von europäischen Labels angefertigten Integral Cut, der sämtliche Handlungs- und Gewaltszenen in sich vereint. Ob man als Zuschauer nun den – durchaus interessanten, wenn auch in Sachen Stringenz ein wenig unrunderen – Integral Cut bevorzugt, oder aber den puristischen – und von Gordon so intendierten – Unrated Cut, bleibt wieder einmal jedem selbst überlassen.

Zimmermädchen: Er ist tot!
Herbert West: Natürlich ist er tot. Die Dosis war zu stark …
Zimmermädchen: Sie haben ihn umgebracht!
Herbert West: Nein, habe ich nicht … ich habe ihn ins Leben zurückgeholt!

In Deutschland erfuhr der Film übrigens überraschenderweise gar keine Kinoauswertung und wurde stattdessen im Jahre 1988 direkt auf VHS veröffentlicht. Diese Fassungen unterlagen selbstredend einer Indizierung, welche bis ins Jahr 2013 Bestand haben sollte. Dann kam es zu einer Neuprüfung im Zuge derer die BPjM zu dem Schluss kam, dass der Film fortan das Siegel keine Jugendfreigabe tragen dürfe. Eine in Anbetracht der sich immer mehr liberalisierenden Freigabepolitik der Behörde vollkommen konsequente Entscheidung, stellt sich die Gewalt im Film doch stark karikiert und grotesk übertrieben dar.
So ist nun eine der ganz großen Horror-Splatter-Komödien endlich frei zugänglich und kann ohne Probleme auch in Zukunft für gute Unterhaltung sorgen. Yuzna und Gordon sollten dann nach diesem Film eine erfolgreiche Karriere in verschiedenen Tätigkeiten im Horrorsegment starten, die unter anderem auch den ähnlich gelagerten (und besetzten) FROM BEYOND – ALIENS DES GRAUENS (1986), bei dem wieder Gordon Regie führte und Yuzna produzierte, hervorbrachte. Auch zwei direkte Fortsetzungen sollte es mit dem durchaus gelungenen BRIDE OF RE-ANIMATOR (1989) und dem eher durchwachsenen BEYOND RE-ANIMATOR (2003) geben; Regie führt dabei beide Male Brian Yuzna.
Doch der Start der Reihe bleibt in seiner wundervoll abstrusen Art unerreicht und stellt einen der Splatter-Höhepunkte der US-amerikanischen 80er-Kinos dar. So locker, so gelungen und so pointierte haben nur ganz, ganz wenige Filme dieser Zeit unterhalten.

Uneingeschränkter Klassiker, der immer wieder zu begeistern weiß. Tollen Schauspielern, gelungenen Effekten und grandiosem Sound sei Dank!